{"id":149,"date":"2007-10-08T20:51:19","date_gmt":"2007-10-08T18:51:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=149"},"modified":"2024-07-14T10:38:24","modified_gmt":"2024-07-14T09:38:24","slug":"nationalschriftsteller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=149","title":{"rendered":"Nationalschriftsteller"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;&#8230; Da haben wir also eine neue <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=102\">Idee<\/a>: da\u00df jedes Land durch ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=53\">Buch<\/a> <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=178\">repr\u00e4sentiert<\/a> zu sein habe oder jedenfalls durch einen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=332\">Autor<\/a>, der Autor vieler <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=52\">B\u00fccher<\/a> sein kann.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig ist nur &#8211; und ich glaube, da\u00df dies bisher nicht bemerkt wurde -, da\u00df die L\u00e4nder <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=103\">Individuen<\/a> ausgew\u00e4hlt haben, die ihnen nicht besonders \u00e4hnlich sind. So sollte man meinen, England h\u00e4tte Dr. Johnson als Vertreter ausgesucht; aber <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=153\">nein<\/a>, England hat Shakespeare gew\u00e4hlt, und Shakespeare ist gewisserma\u00dfen der unenglischste aller englischen Schriftsteller. Typisch f\u00fcr England ist das &#8216;understatement&#8217;, ist, weniger zu sagen, als die Dinge eigentlich ausmachen. Im Gegensatz dazu neigte Shakespeare zur Hyperbel in der Metapher, und es d\u00fcrfte uns nicht \u00fcberraschen, wenn Shakespeare zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=114\">Italiener<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=108\">Jude<\/a> gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ein anderer Fall liegt in <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=61\">Deutschland<\/a> vor; ein bewundernswertes Land, das so leicht zum Fanatismus neigt, w\u00e4hlt ausgerechnet einen toleranten Mann, der \u00fcberhaupt nicht fanatisch ist und dem der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=217\">Begriff<\/a> des <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=23\">Vaterlandes<\/a> nicht sonderlich viel bedeutet; es w\u00e4hlt Goethe. Deutschland wird durch Goethe repr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>In Frankreich wurde kein Autor ausgew\u00e4hlt, aber man neigt zu Hugo. Nat\u00fcrlich hege ich gro\u00dfe Bewunderung f\u00fcr ihn, aber Hugo ist kein typischer Franzose. Er ist ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=303\">Fremder<\/a> in Frankreich; Hugo mit seinen gro\u00dfen Geb\u00e4rden und ausufernden Metaphern ist nicht typisch f\u00fcr Frankreich.<\/p>\n<p>Ein anderer, noch weit merkw\u00fcrdigerer Fall ist Spanien. Spanien h\u00e4tte durch Lope, durch Calder\u00f3n, durch Quevedo vertreten sein k\u00f6nnen. Aber nein, Spanien wird repr\u00e4sentiert durch Miguel de Cervantes. Cervantes ist ein Zeitgenosse der Inquisition, aber er ist tolerant, er ist ein Mann, der weder die spanischen Tugenden noch die spanischen Laster teilt.<\/p>\n<p>Es ist, als d\u00e4chte jedes Land, es m\u00fcsse durch jemanden vertreten sein, der von ihm verschieden ist; durch einen, der ein wenig eine Art Heilmittel oder Gegengift f\u00fcr die Fehler des Landes darstellt. &#8230;&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>Jos\u00e9 Luis Borges: Das Buch. In: ders.: Der ewige Wettlauf zwischen Achilles und der Schildkr\u00f6te. Leipzig\/Weimar: Kiepenheuer 1985, S.10\/11<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;&#8230; Da haben wir also eine neue Idee: da\u00df jedes Land durch ein Buch repr\u00e4sentiert zu sein habe oder jedenfalls durch einen Autor, der Autor vieler B\u00fccher sein kann. Merkw\u00fcrdig ist nur &#8211; und ich glaube, da\u00df dies bisher nicht bemerkt wurde -, da\u00df die L\u00e4nder Individuen ausgew\u00e4hlt haben, die ihnen nicht besonders \u00e4hnlich sind. 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