{"id":200,"date":"2007-10-09T09:46:26","date_gmt":"2007-10-09T07:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=200"},"modified":"2024-07-14T10:20:59","modified_gmt":"2024-07-14T09:20:59","slug":"teig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=200","title":{"rendered":"Teig"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-4786 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/paperclip-museum.jpeg\" alt=\"\" width=\"80%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/paperclip-museum.jpeg 1162w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/paperclip-museum-300x203.jpeg 300w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/paperclip-museum-1024x694.jpeg 1024w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/paperclip-museum-768x520.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 1162px) 100vw, 1162px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Wartan Khatisian, armenischer \u00dcberlebender des ersten Genozids im 20. Jahrhundert und nun 1943 im besetzten Polen verhaftet, [erz\u00e4hlt] seinen polnisch-<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=108\">j\u00fcdischen<\/a> Leidensgenossen im Todeszug nach Auschwitz &#8230;:<\/p>\n<p><em>&#8216;Und Wartan erz\u00e4hlte ihnen das M\u00e4rchen von Max und Moritz. Als er geendet hatte, waren die Juden ruhig. Einige lachten sogar. Einer von ihnen sagte: Es ist wirklich nur ein M\u00e4rchen. Denn so etwas gibt es doch nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Aus Max und Moritz wurde Brot gemacht, sagte Wartan. Der B\u00e4ckermeister hat die beiden einfach zu Teig verarbeitet und dann in den Ofen gesteckt.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Ein M\u00e4rchen, sagten die Juden. Nur ein M\u00e4rchen.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Nat\u00fcrlich ist es nur ein M\u00e4rchen, sagte Wartan.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Und wer hat es <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=482\">geschrieben<\/a>?<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=61\">Deutscher<\/a> namens Wilhelm Busch.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Ein deutsches M\u00e4rchen, sagten die Juden.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Diesem Wilhelm Busch sollten wir eines Tages ein Denkmal setzen, sagte einer der Juden, denn er hat uns \u00fcberzeugt, da\u00df so was bei den Deutschen nur im M\u00e4rchen vorkommt.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Wahrlich, sagte ein anderer, der wie ein Rabbi aussah. Dieser Wilhelm Busch sollte der Juden liebster deutscher Dichter sein, denn er hat uns die Angst vor den Deutschen genommen. Wartan mu\u00dfte ihnen nochmals die Geschichte von Max und Moritz erz\u00e4hlen und wie das mit dem Brotbacken war. Und die Juden h\u00f6rten ihm zu, und als er geendet hatte, fingen sie herzlich zu lachen an. Sie hatten keine Angst mehr. Sie waren beruhigt.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann wurden die T\u00fcren aufgerissen.&#8217; &#8220;<\/em><\/p>\n<blockquote><p>aus: Edgar Hilsenrath: M\u00e4rchen vom letzten Gedanken. Zitiert bei Marko Martin: &#8220;Ein leises Unbehagen in der Magengrube&#8221;, Rede zum 80. Geburtstag Edgar Hilsenraths im Sch\u00f6neberger Rathaus\/ Berlin (9. April 2006). Gefunden bei <a href=\"https:\/\/www.henryk-broder.de\/fremde_federn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.henryk-broder.de\/fremde_federn\/<\/a><\/p>\n<p>Abb.: Whitwell Middle School, Tennessee, Paperclip Project, 1998-2001, <a href=\"https:\/\/www.whitwellmiddleschool.org\/childrensholocaustmemorial\/photogallery\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">07\/06<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wartan Khatisian, armenischer \u00dcberlebender des ersten Genozids im 20. Jahrhundert und nun 1943 im besetzten Polen verhaftet, [erz\u00e4hlt] seinen polnisch-j\u00fcdischen Leidensgenossen im Todeszug nach Auschwitz &#8230;: &#8216;Und Wartan erz\u00e4hlte ihnen das M\u00e4rchen von Max und Moritz. Als er geendet hatte, waren die Juden ruhig. Einige lachten sogar. 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