{"id":222,"date":"2007-10-09T09:59:16","date_gmt":"2007-10-09T07:59:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=222"},"modified":"2024-07-13T00:31:06","modified_gmt":"2024-07-12T23:31:06","slug":"arbeitslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=222","title":{"rendered":"Arbeitslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-3413 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/boris-drucker-plenty-of-jobs-the-new-yorker-2-12-1972.png\" alt=\"\" width=\"50%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/boris-drucker-plenty-of-jobs-the-new-yorker-2-12-1972.png 639w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/boris-drucker-plenty-of-jobs-the-new-yorker-2-12-1972-258x300.png 258w\" sizes=\"(max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/p>\n<p>Ich frage mich, ob die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=163\">Politiker<\/a>, die den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf ihre Fahnen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=482\">schreiben<\/a>, sich nicht im Ziel vergreifen. Schr\u00f6der plakatierte &#8220;<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=234\">Arbeit<\/a>. Arbeit. Arbeit.&#8221; und meinte damit Clintons (oder war es Blair?) Kampagne &#8220;Jobs. Jobs. Jobs.&#8221; ins <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=61\">Deutsche<\/a> zu \u00fcbertragen. Dabei meinen beide Slogans nicht dasselbe. Wer will schon Arbeit?<\/p>\n<p>Arbeit ist Mittel zum Zweck, den Job zu behalten, der Job Mittel zum Zweck, ein Einkommen zu beziehen, ein Einkommen Mittel zum Zweck, ein angenehmes <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=121\">Leben<\/a> f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Menschen, die es <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=181\">schaffen<\/a>, sich ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=123\">angenehmes Leben ohne Einkommen oder Job<\/a> zu organisieren, sind auch ohne Einkommen und Job zufrieden. Wobei sich die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=84\">Geschichte<\/a> nat\u00fcrlich nicht nur auf Geld beschr\u00e4nkt. Schlie\u00dflich gibt die Arbeit einem auch das (gute) Gef\u00fchl, gebraucht zu werden, zu etwas n\u00fctze zu sein. Arbeit verschafft einem auch <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=141\">menschliche<\/a> Kontakte, sowohl direkt am Arbeitsplatz als auch durch Einkommen und Ansehen, die sie einem verschafft.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=71\">Europ\u00e4ische<\/a> Sozialfonds behauptet zwei Ziele gleichzeitig zu verfolgen: (1) Die Arbeitslosenstatistik m\u00f6glichst klein zu bekommen, (2) Durch verl\u00e4ngerte Lebensarbeits<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=218\">zeit<\/a> die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=489\">Rentenkassen<\/a> zu entlasten. Das ist <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=400\">Technokratengr\u00fctze<\/a>, hat mit den W\u00fcnschen der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=565\">B\u00fcrger<\/a> nichts zu tun. Warum soll man bitte den fr\u00f6hlichen Fr\u00fchrentner dazu zwingen, l\u00e4nger zu arbeiten, solange andere Menschen h\u00e4nderingend Arbeit suchen? Und warum sollte man einen Arbeitslosen, dem wohl in seiner Haut ist, dazu zwingen, einen Job anzunehmen?<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte ja auch vom Einzelnen ausgehen. Das franz\u00f6sische Schlagwort von der &#8220;Sozialen Ausgrenzung&#8221; kommt der Sache viel n\u00e4her. Menschen sind <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=6\">einsam<\/a>, Menschen sind <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=43\">arm<\/a>, Menschen sind <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2968\">hoffnungs<\/a>los. Das kann verschiedene Gr\u00fcnde haben, Arbeitslosigkeit kann einer davon sein.<\/p>\n<p>Viele <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=755\">Menschen<\/a> stecken in <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=386\">Problemen<\/a>, aus denen sie aus eigener Kraft nicht herauskommen. Deswegen mu\u00df man ihnen helfen. Das ganze Problem l\u00e4\u00dft sich auf zwei Elemente reduzieren, ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=103\">individuelles<\/a> und ein kollektives: Selbstvertrauen und gesamtwirtschaftliche <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=448\">Entwicklung<\/a>.<\/p>\n<p>Es ist Bl\u00f6dsinn, Arbeitslose in die Selbstst\u00e4ndigkeit zu dr\u00e4ngen. Wer <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=510\">Unternehmergeist<\/a> hat, findet auch einen Arbeitsplatz &#8211; oder lebt in einer Gegend, deren gesamtwirtschaftliche Lage weder Platz f\u00fcr Arbeitssuchende noch f\u00fcr Jungunternehmer hat (und ihn vielleicht aufgrund nat\u00fcrlicher Standortnachteile in den kommenden Jahrzehnten auch nicht kreieren wird).<\/p>\n<p>Wir haben unsere Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Menschen mit niedrigem Ausbildungsstand <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=89\">nach S\u00fcdostasien exportiert<\/a> und wundern uns jetzt, da\u00df sie bei uns keine Jobs mehr finden. <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=50\">Bildungs<\/a>offensiven und Fortbildungsangebote sind wichtig, und k\u00f6nnen den Menschen helfen, ihr pers\u00f6nliches Potential besser auszusch\u00f6pfen. Aber das hilft nicht jedem. Es ist kein Zufall, da\u00df Behindertenwerkst\u00e4tten boomen &#8211; Sie nehmen die Leute auf, die fr\u00fcher als Schauerleute im Hafen S\u00e4cke geschleppt haben.<\/p>\n<blockquote><p>Malte Woydt<\/p>\n<p style=\"-qt-block-indent: 0; text-indent: 0px; margin: 0px;\">Abb.: Boris Drucker, The New Yorker, 12.2.1972.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">08\/02<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich frage mich, ob die Politiker, die den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf ihre Fahnen schreiben, sich nicht im Ziel vergreifen. Schr\u00f6der plakatierte &#8220;Arbeit. Arbeit. Arbeit.&#8221; und meinte damit Clintons (oder war es Blair?) Kampagne &#8220;Jobs. Jobs. Jobs.&#8221; ins Deutsche zu \u00fcbertragen. Dabei meinen beide Slogans nicht dasselbe. Wer will schon Arbeit? 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