{"id":2817,"date":"2022-06-16T00:02:06","date_gmt":"2022-06-15T22:02:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2817"},"modified":"2022-06-16T00:11:35","modified_gmt":"2022-06-15T22:11:35","slug":"erfahrung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2817","title":{"rendered":"Erfahrung 2"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wird &#8230; <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=310\">Erfahrung<\/a> auf ihr Resultat hin betrachtet, so wird damit der eigentliche Proze\u00df der Erfahrung \u00fcbersprungen &#8230;<\/p>\n<p>Wir [sprechen] in doppeltem Sinne von Erfahrung &#8230;, einmal von Erfahrungen, die sich unserer Erwartung einordnen und sie best\u00e4tigen, sodann aber von der Erfahrung, die man &#8216;macht&#8217;. Diese, die eigentliche Erfahrung, ist immer eine negative. Wenn wir an einem Gegenstand eine Erfahrung machen, so hei\u00dft das, da\u00df wir die Dinge bisher nicht richtig gesehen haben und nun besser <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=390\">wissen<\/a>, wie es damit steht. Die Negativit\u00e4t der Erfahrung hat also einen eigent\u00fcmlich produktiven Sinn. &#8230;<\/p>\n<p>Die Erfahrung, die einer macht, [ver\u00e4ndert] sein ganzes Wesen &#8230; Strenggenommen kann man dieselbe Erfahrung nicht zweimal &#8216;machen&#8217;. Zwar geh\u00f6rt zur Erfahrung, da\u00df sie sich selbst immer wieder best\u00e4tigt. Erst durch Wiederholung wird sie gleichsam erworben. Aber als die wiederholte und best\u00e4tigte Erfahrung wird sie nicht mehr neu &#8216;gemacht&#8217;. Wenn man eine Erfahrung gemacht hat, so hei\u00dft das, man besitzt sie. Man sieht von nun an das ehedem Unerwartete voraus. &#8230; Der Erfahrende ist sich seiner Erfahrung bewu\u00dft geworden &#8211; er ist ein Erfahrener. &#8230;<\/p>\n<p>Derjenige, den man erfahren nennt, [ist] nicht nur <em>durch<\/em> Erfahrungen zu einem solchen geworden, sondern auch <em>f\u00fcr<\/em> Erfahrungen offen. Die Vollendung seiner Erfahrung &#8230; besteht nicht darin, da\u00df einer schon alles kennt und alles schon besser wei\u00df. Vielmehr zeigt sich der Erfahrene im Gegenteil als der radikal Undogmatische, der, weil er so viele Erfahrungen gemacht und aus Erfahrungen gelernt hat, gerade besonders bef\u00e4higt ist, auf neue Erfahrungen zu machen und aus Erfahrungen zu <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1762\">lernen<\/a>. &#8230;<\/p>\n<p>Das ist jene Erfahrung, die stets selber erworben sein mu\u00df und niemanden erspart werden kann. &#8230; Erfahrung &#8230; setzt &#8230; notwendig mannigfache Entt\u00e4uschung von Erwartungen voraus und nur dadurch wird Erfahrung erworben. &#8230; Jede Erfahrung, die diesen Namen verdient, durchkreuzt eine Erwartung. &#8230;<\/p>\n<p>Erfahrung ist &#8230; Erfahrung der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=782\">menschlichen<\/a> Endlichkeit. Erfahren im eigentlichen Sinne ist, wer ihrer inne ist, wer wei\u00df, da\u00df er der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=218\">Zeit<\/a> und der Zukunft nicht Herr ist. Der Erfahrene n\u00e4mlich kennt die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=93\">Grenze<\/a> alles Voraussehens und die Unsicherheit aller Pl\u00e4ne.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Hans-Georg Gadamer: <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=212\">Wahrheit<\/a> und Methode. Bd.1, T\u00fcbingen: Mohr 1990 (1960), S.358-363.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">06\/22<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wird &#8230; Erfahrung auf ihr Resultat hin betrachtet, so wird damit der eigentliche Proze\u00df der Erfahrung \u00fcbersprungen &#8230; Wir [sprechen] in doppeltem Sinne von Erfahrung &#8230;, einmal von Erfahrungen, die sich unserer Erwartung einordnen und sie best\u00e4tigen, sodann aber von der Erfahrung, die man &#8216;macht&#8217;. Diese, die eigentliche Erfahrung, ist immer eine negative. 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