{"id":2935,"date":"2022-09-15T00:49:19","date_gmt":"2022-09-14T22:49:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2935"},"modified":"2023-08-16T12:13:01","modified_gmt":"2023-08-16T10:13:01","slug":"kulturelle-aneignung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2935","title":{"rendered":"Kulturelle Aneignung 2"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-3548 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/michael-cook-fake-10-broken-down-2023.jpeg\" alt=\"\" width=\"80%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/michael-cook-fake-10-broken-down-2023.jpeg 2000w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/michael-cook-fake-10-broken-down-2023-300x200.jpeg 300w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/michael-cook-fake-10-broken-down-2023-1024x682.jpeg 1024w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/michael-cook-fake-10-broken-down-2023-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/michael-cook-fake-10-broken-down-2023-1536x1024.jpeg 1536w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;&#8216;&#8230; Das wei\u00dfe <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=14\">Amerika<\/a> &#8230; &#8211; Wann immer sie sich eine Form der Schwarzen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=118\">Kultur<\/a> wieder einverleibt hatten, versuchten sie die Pr\u00e4senz schwarzer Menschen in ihr zu tilgen. In den Zwanzigern wurde Paul Whiteman zum &#8216;King of Swing&#8217; gekr\u00f6nt, in den Drei\u00dfigern Benny Goodman zum &#8216;King of Jazz&#8217;, in den F\u00fcnfzigern erschien Elvis Presley als &#8216;King of Rock &#8216;n&#8217; Roll&#8217;, in den Sechzigern wurde Eric Clapton zum K\u00f6nig der Blues-Gitarre gekr\u00f6nt.&#8217; [Greg Tate: Everything But the Burden 2003]. Und als das <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=53\">Buch<\/a> von Greg Tate erschien, da hatte gerade &#8216;der n\u00e4chste White Negro&#8217; die B\u00fchne betreten: Der Rapper Eminem wurde zum erfolgreichsten Hip-Hop-K\u00fcnstler der USA&#8230;<\/p>\n<p>Die Angeh\u00f6rigen einer herrschenden, \u00f6konomisch bessergestellten Mehrheitskultur beuten kulturelle Errungenschaften einer <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1368\">rassistisch<\/a> diskriminierten, \u00f6konomisch schlechtergestellten <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1059\">Minderheiten<\/a>kultur aus. Sie nehmen damit den urspr\u00fcnglichen Urhebern die M\u00f6glichkeit, selber angemessen von ihrer Kunst in \u00f6konomischer Hinsicht zu profitieren; so verwandelt sich die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1673\">Aneignung<\/a> in eine Enteignung &#8230;<\/p>\n<p>[Man erz\u00e4hlt] die Musikgeschichte als eine Kette von Innovationen wei\u00dfer Superstars &#8230;, obwohl alle wesentlichen Innovationen in der US-amerikanischen Musikgeschichte von schwarzen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=755\">Menschen<\/a> stammen; &#8230;<\/p>\n<p>[Public Enemy begegnet]\u00a0 der Appropriation schwarzer Musik durch wei\u00dfe Menschen &#8230; mit einer &#8216;counter appropriation&#8217;; sie eignen sich eine von der wei\u00dfen Hegemonie unsichtbar gemachte <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2794\">Tradition<\/a> wieder an, indem sie ihre Musik mit <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?page_id=4\">Zitaten<\/a> aus dieser Tradition durchsetzen. &#8230;<\/p>\n<p>In den Techniken des Samplings &#8230; zeigt [sich] &#8230; das Ergebnis einer <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=88\">Gewalt<\/a>geschichte, einer Geschichte des Zerrei\u00dfens von <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=118\">kulturellen<\/a> Traditionen durch die Entwurzelung ihrer Tr\u00e4ger und deren Verstreuung \u00fcber die Welt. Zugleich aber scheint darin die Erkenntnis auf, dass es kein Zur\u00fcck hinter diesen Zustand der Entwurzelung gibt &#8230; [und] die Vorstellung, dass es so etwas wie <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=343\">kulturelle<\/a> <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=498\">Reinheit<\/a> geben k\u00f6nnte, ganz auf die Seite der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=741\">Kolonialisten<\/a> geh\u00f6rt. &#8230;<\/p>\n<p>&#8216;Counter appropriation&#8217; &#8230; verwandelt die historische Erfahrung &#8230; der Entwurzelung in die Erkenntnis, dass jede Kultur schon immer heterogen ist &#8211; w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1115\">Glaube<\/a> an kulturelle Homogenit\u00e4t und Reinheit sich nur in solchen Kulturen entwickelt, die aufgrund ihrer politischen und \u00f6konomischen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=34\">Macht<\/a> .. sich selbst f\u00fcr den Ursprung und das Ma\u00df aller Dinge halten. Dass es m\u00f6glich oder w\u00fcnschenswert sein k\u00f6nnte, nicht zu appropriieren: Das ist eine Signatur kolonialistischer Selbstverkennung. &#8230;<\/p>\n<p>Afrika Bambaataa &amp; Soulsonic Force &#8230; durchqueren kulturelle Traditionsfelder, um Gemeinsamkeiten zwischen marginalisierten Gruppen &#8230; in deren Bewusstsein zu bringen &#8211; zugunsten eines gemeinsamen, solidarischen Kampfes gegen die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=170\">rassistische<\/a> Diskriminierung. &#8230; Hip-Hop [ist] der Prototyp einer postmodernen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=119\">Kunst<\/a>. Er bedient sich bei allem, was ihm zur Verf\u00fcgung steht. &#8230;<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2810\">postkoloniale<\/a> <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=201\">Theoretiker<\/a> Edouard Glissart &#8230;: &#8216;Keine <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=343\">Kultur<\/a> ist heute isoliert von den anderen. Es gibt keine reinen Kulturen, das w\u00e4re l\u00e4cherlich&#8221;. &#8230;<\/p>\n<p>Wenn Kultur nichts ist, das sich von jemandem besitzen l\u00e4sst, dann kann sie auch niemandem geraubt werden: ohne <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=65\">Eigentum<\/a> keine Enteignung. &#8230;<\/p>\n<p>Eine Praxis der Appropriation die diese Hybridit\u00e4t und die ambivalente Verfasstheit jeglicher kultureller Identit\u00e4t sichtbar macht, ist eine im ethischen Sinn gute Appropriation. Eine schlechte Appropriation ist hingegen jede, die scheinbar vorgegebene <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1137\">Identit\u00e4ten<\/a> hinnimmt und verfestigt, die bestehende Machtverh\u00e4ltnisse \u00e4sthetisch ausnutzt und damit politisch zementiert. &#8230;<\/p>\n<p>Wer sich dergestalt [mit Verbotsforderungen] zum F\u00fcrsprecher marginalisierter Gruppen erhebt, &#8230; dr\u00e4ngt diese indes &#8230; nicht nur unweigerlich in die Position schwacher <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=159\">Opfer<\/a> ohne eigene Handlungsf\u00e4higkeiten. &#8230; In ihrer unreflektierten (Verbots-)Variante ist die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=311\">Kritik<\/a> der Appropriation dem hegemonialen Diskurs der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=30\">neoliberalen<\/a> Fragmentierung und Entsolidarisierung n\u00e4her, als sie es sich eingestehen will. &#8230;&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Jens Balzer: Ethik der Appropriation. Berlin: Matthes &amp; Seitz 2022, S. 29-31, 34, 37, 39-41, 47, 51, 53, 56, 82<\/p>\n<p>Abb.: Michael Cook: Broken Down (Fake #10), 2023, Harper&#8217;s Bazaar 2023, <a href=\"https:\/\/harpersbazaar.com.au\/michael-cook-photography-fake-series\/\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">09\/22<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;&#8216;&#8230; Das wei\u00dfe Amerika &#8230; &#8211; Wann immer sie sich eine Form der Schwarzen Kultur wieder einverleibt hatten, versuchten sie die Pr\u00e4senz schwarzer Menschen in ihr zu tilgen. 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