{"id":296,"date":"2007-12-11T20:25:16","date_gmt":"2007-12-11T18:25:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=296"},"modified":"2023-12-22T01:42:35","modified_gmt":"2023-12-22T00:42:35","slug":"praktikum-in-brussel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=296","title":{"rendered":"Praktikum in Br\u00fcssel?"},"content":{"rendered":"<p>letzte \u00c4nderung: 26.10.2<\/p>\n<p>Jetzt trage ich doch noch mal ein paar Tips f\u00fcr potentielle Praktikanten zusammen, obwohl das bei mir ja schon etwas l\u00e4nger her ist. Aber ich treffe immer wieder auf Leute, denen man die grunds\u00e4tzlichsten Dinge nicht erz\u00e4hlt hat&#8230;<\/p>\n<p>1) Im EU-Br\u00fcssel hat ein Praktikum eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Wenn Euch Br\u00fcssel als Jobmarkt interessiert, macht Praktika hier am besten nach dem Studium als mittendrin, da sie das Sprungbrett in bezahlte Jobs sind. Die meisten Lobbyisten<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=512\">b\u00fcros<\/a>, Consultants, Subunternehmer der Kommission usw. die hier um die Europ\u00e4ischen Institutionen herumschwirren, haben keinen Nerv hunderte von Bewerbungen zu lesen. Wenn ein Job frei wird, werden h\u00e4ufig einfach Praktikanten gefragt, die gefallen haben. Die m\u00fcssen dann aber auch vor Ort sein und sofort zur Verf\u00fcgung stehen. Es gibt Leute, die ihr Studium f\u00fcr einige Jahre unterbrechen f\u00fcr einen Job hier und dananch wieder zur\u00fcckgehen um die Magisterpr\u00fcfungen vorzubereiten. Von der Politikervertrauten zur\u00fcck zur Studentin und dann wieder auf den Arbeitsmarkt &#8211; Der einfachste Weg ist das bestimmt nicht.<\/p>\n<p>2) Vielleicht das wichtigste an einem Praktikum in Br\u00fcssel ist, da\u00df man da w\u00e4hrend eines Monats einen Schreibtisch vor Ort hat mit Fax, Internetzugang und Telefon. Ein Praktikum, da\u00df einen so voll auslastet, da\u00df man keine Zeit mehr zum Bewerbungen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=482\">schreiben<\/a> hat u.\u00e4., taugt nicht viel. Manche B\u00fcros vereinbaren ausdr\u00fccklich eine Viertagewoche, um einem einen Tag f\u00fcr die Jobsuche freizuhalten &#8211; das halte ich f\u00fcr eine sehr gute Idee.<\/p>\n<p>3) Ich habe immer gefunden, da\u00df unbezahlte Praktika nie l\u00e4nger als einen Monat gehen sollten. In den ersten zwei Wochen investieren die in einen, in den zweiten zwei Wochen gibt man mit Arbeit zur\u00fcck. In drei einmonatigen Praktika in verschiedenen Bereichen lernt man ungleich mehr als in einem dreimonatigen Praktikum am selben Platz!<\/p>\n<p>4) V\u00f6llig verr\u00fcckt fand ich die beiden Frauen, die ich einmal traf, von denen die eine sechs Monate gratis Praktikum beim DIHT und die andere neun Monate gratis Praktikum beim BDI gemacht hat, in der Hoffnung irgendwann einmal dem charmanten Unternehmer \u00fcber den Weg zu laufen, der sie einstellte&#8230; Es gibt Organisationen, die so in Geld schwimmen, da\u00df man wirklich nicht zu lange gratis f\u00fcr sie arbeiten sollen. F\u00fcr das European Environment Bureau kann man das ruhig machen, aber doch nicht f\u00fcr den DIHT? In jedem Fall ist ein Praktikum immer unbezahlt, wenn vorher nichts anderes vereinbart wurde&#8230;<\/p>\n<p>5) Erwartet nicht den Job f\u00fcrs Leben. Die meisten Jobs hier sind an Projektmittel gebunden und gehen \u00fcber einige Monate bis zu einigen Jahren. Der klassische Weg ist, sich hier von einem Job zum anderen zu hangeln, bis mal wieder ein Concours vor der T\u00fcr steht, dann auf das bereits erworbene Europawissen noch ein wenig Papierwissen dazu einzupauken und den Test bestehen. Ist alles machbar, keine Hexerei und mitnichten die Elite Europas, wenn die meisten Eurokraten sich auch daf\u00fcr halten. Allerdings mu\u00df man das auch wollen. Willst Du wirklich Dein Leben als R\u00e4dchen einer schlechtge\u00f6lten Verwaltung zubringen? Daf\u00fcr mu\u00df man schon ein Faible haben. Die Bezahlung ist so gut, da\u00df viele, viele zu Tode gelangweilte und frustrierte Eurokraten den Absprung nicht wagen, weil sie \u00fcberall anders weniger verdienen w\u00fcrden. Sie sitzen in der Falle&#8230; Leute, die nicht Eurokrat werden wollen oder den Test doch nicht bestanden haben, gehen h\u00e4ufig nach einigen Jahren wieder zur\u00fcck nach Deutschland, wo sie (noch?) stabilere Jobs finden k\u00f6nnen und Europawissen h\u00e4nderingend gebraucht wird.<\/p>\n<p>6) Ich habe mich von Anfang an mehr f\u00fcr Br\u00fcssel und Belgien als f\u00fcr Europa interessiert, deshalb hier nat\u00fcrlich auch ein Hinweis auf den &#8211; vom Europabusiness v\u00f6llig getrennten &#8211; belgischen Arbeitsmarkt. Praktika sind da ziemlich unbekannt, die Leute aber meist sehr aufgeschlossen, wenn man ihnen das Prinzip erkl\u00e4rt. Nat\u00fcrlich sollte man dort franz\u00f6sisch oder niederl\u00e4ndisch oder am besten beide k\u00f6nnen :-) Interessante bezahlte Jobs werden in Belgien noch mehr als in Deutschland \u00fcber Beziehungen vergeben. In Bereichen wo viel mehr Interessenten als Jobs da sind (z.B. im Kulturbereich), erfordert es einen langen Atem, um als Ausl\u00e4nderIn einen Fu\u00df in die T\u00fcr zu bekommen.<\/p>\n<p>7) Noch zwei pers\u00f6nliche Tips: Unser geliebtes deutschsprachiges K\u00e4sebl\u00e4ttchen, die Br\u00fcssel-Rundschau, nimmt regelm\u00e4\u00dfig PraktikantInnen (unbezahlt). Das ist ein ganz besonderer Job, da die Zeitschrift von so wenig Leuten gemacht wird, da\u00df man als Praktikant den ganzen Produktionsproze\u00df mitmacht und neben gewissem Pflichtprogramm wie die Veranstaltungen der deutschen L\u00e4nderb\u00fcros stark den eigenen Interessen folgen kann: Kulturveranstaltungen, politische Diskussionen, was auch immer &#8211; als Journalist ist man bevorrechtigt dabei, kann seiner Neugier freien Lauf lassen. Au\u00dferdem teile ich f\u00fcr KUBI das B\u00fcro mit der Rundschau, und finde es immer nett, interessante Praktikanten vorbeischneien zu sehen &#8230; Stadtplaner u.\u00e4. mit guten Franz\u00f6sischkenntnissen sollten sich mal bei meinem Br\u00f6tchengeber ARAU melden, das deutschsprachige Programm k\u00f6nnte noch viel Marketing gebrauchen und parallel kann man <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1762\">lernen<\/a>, wie in Br\u00fcssel St\u00e4dtebau diskutiert wird.<\/p>\n<p>auf bald, Malte<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>letzte \u00c4nderung: 26.10.2 Jetzt trage ich doch noch mal ein paar Tips f\u00fcr potentielle Praktikanten zusammen, obwohl das bei mir ja schon etwas l\u00e4nger her ist. Aber ich treffe immer wieder auf Leute, denen man die grunds\u00e4tzlichsten Dinge nicht erz\u00e4hlt hat&#8230; 1) Im EU-Br\u00fcssel hat ein Praktikum eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. 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