{"id":313,"date":"2008-05-06T13:05:58","date_gmt":"2008-05-06T11:05:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=313"},"modified":"2024-07-14T15:38:31","modified_gmt":"2024-07-14T14:38:31","slug":"soldateneid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=313","title":{"rendered":"Soldateneid"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Ich habe w\u00e4hrend des ganzen Krieges unter den Mannschaften, bei denen ich mich befand, keinen einzigen Soldaten getroffen, der jemals ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=217\">Wort<\/a> \u00fcber den Eid verloren h\u00e4tte. &#8230;<\/p>\n<p>Ich selbst habe den Eid an einem strahlend sonnigen M\u00e4rzmorgen des Jahres 1940 auf den Hof einer Kaserne bei Rastatt geschworen. Im zweiten Glied der ausgetretenen Ausbildungskompagnie stehend, sprach ich, zusammen mit den anderen, in Abs\u00e4tzen und mit rechtwinklig erhobener Schwurhand den Text nach:<\/p>\n<p>&#8216;Ich schw\u00f6re bei <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=92\">Gott<\/a> diesen heiligen Eid, da\u00df ich dem F\u00fchrer des deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit f\u00fcr diesen Eid mein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=122\">Leben<\/a> einzusetzen.&#8217;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich, ohne die Miene zu verziehen, diese Worte sprach, mu\u00dfte ich in meinem Inneren \u00fcber den plumpen Versuch der Kanalratte, mich an sie zu binden, l\u00e4cheln. Schon die einfachste aller m\u00f6glichen \u00dcberlegungen enth\u00fcllt ja die Absurdit\u00e4t dieses Eides. &#8230;<\/p>\n<p>Der Eid wurde &#8230; unter Zwang geleistet. Auf seine Verweigerung stand der Tod. Er war damit null und nichtig. &#8230; Der Ungl\u00e4ubige kann die Worte der Eidesformel <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2563\">sprechen<\/a>, ohne da\u00df dieser Vorgang mehr ber\u00fchrt als Lippen und Zunge. Der Gl\u00e4ubige wei\u00df, da\u00df der Eid ihn im \u00e4u\u00dfersten Sinne an Gott bindet. &#8230; Der Schwur setzt die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=237\">Freiheit<\/a> des Schw\u00f6renden voraus. Der Eid ist ein religi\u00f6ser Akt, oder er ist sinnlos.<\/p>\n<p>Die meisten deutschen Soldaten aber glaubten nicht an Gott, oder sie waren religi\u00f6s indifferent, in der Art, da\u00df sie, au\u00dfer in den Stunden der fernsten Einsamkeit oder der Todesn\u00e4he, nicht dar\u00fcber nachdachten, ob sie an Gott glauben sollten oder nicht. Aus diesem Grund war die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=137\">Mehrheit<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=61\">deutschen<\/a> Soldaten \u00fcberhaupt nicht eidesf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Nicht eidesf\u00e4hig war ferner ihr F\u00fchrer, da er Gott leugnete und alle religi\u00f6sen Regungen verfolgen lie\u00df, weil sie dazu anregten, seine Person im <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=59\">Denken<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=141\">Menschen<\/a> auf das rechte Ma\u00df zur\u00fcckzuf\u00fchren. &#8230;<\/p>\n<p>Aus dem in Freiheit geleisteten religi\u00f6sen Akt des Eides, dem R\u00fctli-Schwur freier K\u00e4mpfer, wurde ein Schamanen-Zauber, von Gepre\u00dften zelebriert, in die Leere der Kasernenh\u00f6fe hineingesprochen und nicht einmal widerhallend von den W\u00e4nden eines gestorbenen Glaubens.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Alfred Andersch: Der Eid. In: Wagenbach, Klaus: Lesebuch. Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1959. Berlin: Wagenbach 1980, S.87-89.<\/p><\/blockquote>\n<p>05\/08<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ich habe w\u00e4hrend des ganzen Krieges unter den Mannschaften, bei denen ich mich befand, keinen einzigen Soldaten getroffen, der jemals ein Wort \u00fcber den Eid verloren h\u00e4tte. &#8230; Ich selbst habe den Eid an einem strahlend sonnigen M\u00e4rzmorgen des Jahres 1940 auf den Hof einer Kaserne bei Rastatt geschworen. 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