{"id":329,"date":"2009-08-01T11:36:06","date_gmt":"2009-08-01T09:36:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=329"},"modified":"2024-03-23T01:01:57","modified_gmt":"2024-03-23T00:01:57","slug":"burgerstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=329","title":{"rendered":"Stadt 1"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-4689 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Safwan-Bashir-IMG_7250-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"90%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Safwan-Bashir-IMG_7250-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Safwan-Bashir-IMG_7250-300x88.jpg 300w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Safwan-Bashir-IMG_7250-1024x302.jpg 1024w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Safwan-Bashir-IMG_7250-768x226.jpg 768w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Safwan-Bashir-IMG_7250-1536x453.jpg 1536w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Safwan-Bashir-IMG_7250-2048x604.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=71\">Europ\u00e4ische<\/a> Stadtgeschichte ist Emanzipationsgeschichte. &#8230; <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=78\">Emanzipation<\/a> des Wirtschaftsb\u00fcrgers, des Bourgeois, aus den geschlossenen Kreisl\u00e4ufen des ganzen Hauses zur offenen Organisation der \u00d6konomie als <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=130\">Marktwirtschaft<\/a>, und des politischen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=565\">B\u00fcrgers<\/a>, des Citoyen, aus feudalistischen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=174\">Herrschaftsverh\u00e4ltnissen<\/a> zur Selbstverwaltung einer Stadtgemeinde <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=237\">freier<\/a> B\u00fcrger. &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; die Europ\u00e4ische <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1467\">Stadt<\/a> [ist] Ort einer besonderen, eben urbanen Lebensweise, die den Stadtbewohner vom Landbewohner unterscheidet. &#8230; [Sie ist gekennzeichnet durch die] Polarit\u00e4t von \u00d6ffentlichkeit und Privatheit &#8230; [Die Grundregel der \u00f6ffentlichen Sph\u00e4re ist], Distanz zu wahren. Demgegen\u00fcber ist die Wohnung&#8230; der Ort des <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=165\">Privaten<\/a>, wo sich die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=104\">Individuen<\/a> mit all ihren Eigenschaften und Rollen vertraut sind. Ihre Grundregel ist Unmittelbarkeit. &#8230;<\/p>\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfe ihrer Bev\u00f6lkerung, die Dichte ihrer Bauweise und die Mischung der sozialen Gruppen und der st\u00e4dtischen Funktionen, das un\u00fcberschaubare und enge Mit- und Nebeneinander von <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=43\">Arm<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=177\">Reich<\/a>, Jung und Alt, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=46\">Zugezogenen<\/a> und Eingesessenen, von <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=234\">Arbeiten<\/a>, Wohnen, Vergn\u00fcgen und Verkehr macht die europ\u00e4ische Stadt zum Ort der Kommunikation, der Arbeitsteilung, der Erfahrung von Differenz, der produktiven <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=454\">Auseinandersetzung<\/a> mit dem <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=303\">Fremden<\/a> und damit zum innovativen Ort im Gegensatz zur &#8216;<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=168\">Idiotie des Landlebens<\/a>&#8216; (Marx). &#8230;<\/p>\n<p>Voraussetzung f\u00fcr das Funktionieren kommunaler Selbstverwaltung ist die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=575\">Stadt<\/a> als Einheit des Alltags ihrer B\u00fcrger. Heute aber organisieren mehr und mehr B\u00fcrger ihren Alltag <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=354\">automobil<\/a> \u00fcber verschiedene Gemeinden hinweg. Man wohnt in A, arbeitet in B, kauft ein in C und f\u00e4hrt durch D mit dem Auto. Also sehen sich die Gemeinden Kunden gegen\u00fcber, die sehr spezifische Leistungen verlangen: von A ungest\u00f6rtes Wohnen, von B einen expandierenden Arbeitsmarkt, von C gen\u00fcgend Parkh\u00e4user in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und von D Schnellstra\u00dfen. &#8230;<\/p>\n<p>Die Gesellschaft, die die Gestalt der traditionellen europ\u00e4ischen Stadt hervorgebracht hat, existiert nicht mehr. Deshalb verschwindet diese Gestalt auch im <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=205\">Siedlungsbrei<\/a> der gro\u00dfen Agglomerationen. Sie wieder herstellen zu wollen, w\u00e4re der aussichtslose Versuch, die H\u00fclle der Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts ohne diese Gesellschaft bauen zu wollen. &#8230;<\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfe, wie die Stadt nicht mehr politisch, \u00f6konomisch und sozial besonderer Ort ist, l\u00f6\u00dft sich auch ihre Gestalt auf. &#8230; An die Stelle der zentralen Kernstadt und eines abh\u00e4ngigen Suburbia tritt mehr und mehr ein regional und dezentral organisiertes, netzartiges Geflecht eigenst\u00e4ndiger Gemeinden. &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; der Ruf nach Kreativit\u00e4t, den so viele Stadtplaner anheben, wenn ihnen die Rettung der europ\u00e4ischen Stadt am Herzen liegt, [hat] etwas vom Pfeifen im Wald. Mit einfallsreichen Pl\u00e4nen und verf\u00fchrerischen Visionen lassen sich strukturelle <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=448\">Entwicklungen<\/a> nicht umkehren. Das gelingt nur, wenn Gegensteuerung auf Gegenkr\u00e4fte setzen kann. Welche k\u00f6nnten das sein &#8230;? &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; die Triebkr\u00e4fte der Suburbanisierung [scheinen] schw\u00e4cher zu werden. Suburbanisierung ist ein Familienmodell. Sie wird wesentlich getragen von der Nachfrage junger Familien nach mehr Wohnfl\u00e4che im Eigentum. Der Anteil der Zweigenerationenhaushalte an allen Haushalten geht aber zur\u00fcck. &#8230; Die Lebensweisen ver\u00e4ndern sich. Die Zahl der neuen Haushaltstypen, der Singles, der unverheiratet zusammenlebenden Paare, der Wohngemeinschaften und Alleinerziehenden w\u00e4chst. Sie sind weniger am Eigenheim im Gr\u00fcnen interessiert. &#8230; An die Stelle des traditionellen Haushalts als Reproduktionsbasis und back-stage treten die Stadt als Versorgungsapparatur sowie das Angebot billiger und williger Haushaltsbediensteter aus den innerst\u00e4dtischen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=39\">Migranten<\/a>quartieren. Das Nebeneinander aufgewerteter und heruntergekommener Wohngebiete innerhalb der Stadt kann also durchaus auch funktional sein &#8230;<\/p>\n<p>Indem &#8230; [historische Bausubstanz] an die abgelebten M\u00f6glichkeiten st\u00e4dtischen Lebens erinnert, h\u00e4lt sie das Wissen wach, dass auch die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=86\">gegenw\u00e4rtige<\/a> st\u00e4dtische Realit\u00e4t nur eine von vielen M\u00f6glichkeiten st\u00e4dtischen Lebens darstellt. Historisch \u00fcberkommene Geb\u00e4ude halten Distanz zu ihren aktuellen Nutzern und Nutzungen. Damit schaffen sie M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume, Spannungen zwischen verschiedenen m\u00f6glichen Deutungen &#8230;&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Walter Siebel: Einleitung. In ders.: Die europ\u00e4ische Stadt, Frankfurt (Main): Suhrkamp, 2004, S. 13, 14, 16, 23, 35, 40, 41, 44 , 45, 50<\/p>\n<p>Abb.: Safwan Bashir: ohne Titel, <a href=\"https:\/\/gallery6islamabad.com\/art\/painting-by-safwan-bashir-7\/\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">06\/09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Europ\u00e4ische Stadtgeschichte ist Emanzipationsgeschichte. &#8230; Emanzipation des Wirtschaftsb\u00fcrgers, des Bourgeois, aus den geschlossenen Kreisl\u00e4ufen des ganzen Hauses zur offenen Organisation der \u00d6konomie als Marktwirtschaft, und des politischen B\u00fcrgers, des Citoyen, aus feudalistischen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen zur Selbstverwaltung einer Stadtgemeinde freier B\u00fcrger. &#8230; &#8230; die Europ\u00e4ische Stadt [ist] Ort einer besonderen, eben urbanen Lebensweise, die den Stadtbewohner vom [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/329"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=329"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4694,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions\/4694"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}