{"id":341,"date":"2009-08-31T23:25:56","date_gmt":"2009-08-31T21:25:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=341"},"modified":"2024-05-13T19:45:58","modified_gmt":"2024-05-13T18:45:58","slug":"gegenwartigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=341","title":{"rendered":"Gegenw\u00e4rtigkeit"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Die Realit\u00e4t ist die sinnlose \u00dcbertreibung aller Details, welche die Satire vor f\u00fcnfzig Jahren hinterlassen hat. &#8230; Ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=141\">Blick<\/a> in die neue Welt, &#8230; ein Atemzug in dieser gottlosen Luft von Allwissenheit und Allgegenwart zwingt zur vorwurfsvollen Frage: Was hat[te] Nestroy gegen seine Zeitgenossen? Wahrlich, er \u00fcbereilt sich. Er geht antizipierend seine kleine Umwelt mit einer Sch\u00e4rfe an, die einer sp\u00e4teren Sache w\u00fcrdig w\u00e4re. &#8230; er erlebt die respektlose Intelligenz nicht, die da wei\u00df, da\u00df die Technik wichtiger sei als die Sch\u00f6nheit, und die nicht wei\u00df, da\u00df die Technik h\u00f6chstens ein Weg zur Sch\u00f6nheit ist und da\u00df es am Ziel keinen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=328\">Dank<\/a> geben darf und da\u00df der Zweck das Mittel ist, das Mittel zu vergessen. &#8230; Wo das Talent dem Charakter Schmutzkonkurrenz macht und die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=50\">Bildung<\/a> die gute <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2570\">Erziehung<\/a> vergi\u00dft. Wo \u00fcberall das allgemeine Niveau gehoben wird und niemand draufsteht. Wo alle <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=103\">Individuali\u00e4t<\/a> haben, und alle dieselbe, und die Hysterie der Klebstoff ist, der die Gesellschafts<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=160\">ordnung<\/a> zusammenh\u00e4lt. &#8230; <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=119\">Kunst<\/a> ist, was den Stoff \u00fcberdauert. Aber die Probe der Kunst wird auch zur Probe der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=218\">Zeit<\/a>, und wenn es immer den nachr\u00fcckenden Zeiten gegl\u00fcckt war, in der Entfernung zum Stoff die Kunst zu ergreifen, diese hier erlebt die Entfernung von der Kunst und beh\u00e4lt den Stoff in der Hand. Ihr ist alles vergangen, was nicht telegraphiert wird. Die ihr Bericht erstatten, ersetzen ihr die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=520\">Phantasie<\/a>. Denn eine Zeit, die die Sprache nicht h\u00f6rt, kann nur den Wert der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=411\">Information<\/a> beurteilen. &#8230; Wie sollte sie, deren Ged\u00e4chtnis nicht weiter reicht als ihre Verdauung, in irgendetwas hin\u00fcberlangen k\u00f6nnen, was nicht unmittelbar aufgeschlossen vor ihr liegt? &#8230; Die Organe dieser Zeit widersetzen sich der Bestimmung aller Kunst, in das Verst\u00e4ndnis der Nachlebenden einzugehen. Es gibt keine Nachlebenden mehr, es gibt nur noch <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=122\">Lebende<\/a>, die eine gro\u00dfe Genugtuung dar\u00fcber \u00e4u\u00dfern, da\u00df es sie gibt, da\u00df es eine <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=86\">Gegenwart<\/a> gibt, die sich ihre Neuigkeiten selber besorgt und keine Geheimnisse vor der Zukunft hat. Morgenblattfroh kr\u00e4hen sie auf dem zivilisierten Misthaufen, den zur Welt zu formen nicht mehr Sache der Kunst ist. Talent haben sie selbst &#8230;&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Karl Kraus: Auswahl aus dem Werk. M\u00fcnchen: K\u00f6sel 1957, S.178-180.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">08\/09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die Realit\u00e4t ist die sinnlose \u00dcbertreibung aller Details, welche die Satire vor f\u00fcnfzig Jahren hinterlassen hat. &#8230; Ein Blick in die neue Welt, &#8230; ein Atemzug in dieser gottlosen Luft von Allwissenheit und Allgegenwart zwingt zur vorwurfsvollen Frage: Was hat[te] Nestroy gegen seine Zeitgenossen? Wahrlich, er \u00fcbereilt sich. 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