{"id":459,"date":"2014-02-27T19:48:58","date_gmt":"2014-02-27T17:48:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=459"},"modified":"2023-12-21T23:37:28","modified_gmt":"2023-12-21T22:37:28","slug":"autolos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=459","title":{"rendered":"autolos"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-3989 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/79438783_10157000643967921_3020065159658864640_n.jpg\" alt=\"\" width=\"60%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/79438783_10157000643967921_3020065159658864640_n.jpg 1800w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/79438783_10157000643967921_3020065159658864640_n-300x240.jpg 300w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/79438783_10157000643967921_3020065159658864640_n-1024x820.jpg 1024w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/79438783_10157000643967921_3020065159658864640_n-768x615.jpg 768w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/79438783_10157000643967921_3020065159658864640_n-1536x1230.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=458\">Autofahrer<\/a> leben anders.<\/p>\n<p>Ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein mu\u00df, sein Auto aufzugeben und pl\u00f6tzlich ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=122\">Leben<\/a> ohne Auto zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ich habe nie ein Auto gehabt, auch nie einen F\u00fchrerschein gemacht. Was nicht hei\u00dfen soll, da\u00df mein Leben vollkommen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=223\">autolos<\/a> verlaufen w\u00e4re. Meine Eltern hatten immer ein Auto, ich fuhr auf der R\u00fcckbank mit, wir fuhren oft mit den Auto in <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=206\">Urlaub<\/a>.<\/p>\n<p>Als WIR unser zweites <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=111\">Kind<\/a> erwarteten, hat meine Freundin mit damals 38 Jahren ein Auto (mit bereits draufmontiertem Fahrradtr\u00e4ger!) gekauft und dann ihren F\u00fchrerschein gemacht (das ist die Reihenfolge in der man das in Belgien macht). Das war eine <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1213\">wahnsinnig<\/a> gute Entscheidung. Mit kleinem, todm\u00fcden Kind abends sp\u00e4t im Zug nach Hause fahren, war schon kein Geschenk, immer dieselben Fahrradtouren vom Haus aus machen zu m\u00fcssen, weil man nie sicher sein kann, die R\u00e4der im Zug mitnehmen zu k\u00f6nnen, auch nicht. Und dann kam nicht nur ein zweites, sondern gleichzeitig ein drittes Kind!<\/p>\n<p>Versucht mal, Euch mit einem Zwillingskinderwagen durch die Stadt zu bewegen&#8230; Wir hatten f\u00fcrs erste Kind schon die Stra\u00dfenbahnt\u00fcren ausgemessen (58 cm, wei\u00df ich heute noch), um sicher einen Kinderwagen zu kaufen, der da durchpa\u00dft, dann auch ein Zwillingsmodell genommen, bei dem die Kinder nicht nebeneinander, sondern einander gegen\u00fcber sitzen (sowieso besser, hat den beiden wahnsinnig viel Spa\u00df gemacht, miteinander Sp\u00e4\u00dfchen machen zu k\u00f6nnen). Aber doch, wir hatten damals bei uns im Viertel nur eine Buslinie, deren Busse zug\u00e4nglich waren f\u00fcr so ein Monstrum (inzwischen fahren besser geeignete Bus- und Stra\u00dfenbahnmodelle auf etwas mehr Linien als damals).<\/p>\n<p>Also das Auto war ein absolutes Mu\u00df f\u00fcr die geplagten Zwillingsbabyeltern. Auch zog meiner Freundin Arbeitgeber, der ursp\u00fcnglich 20 Min. zu Fu\u00df von uns gewesen war, dann eine Zeitlang 20 Min. zu Fu\u00df plus 20 Min. Eisenbahn von uns entfernt zu finden gewesen war, raus aufs Land: 1:15 Std. per Bus, mit einem oft versp\u00e4teten (oder verfr\u00fchtem&#8230;) Bus, der nur einmal die Stunde f\u00e4hrt! Mit dem Auto 20 Minuten entgegen dem Berufsverkehr. Sie f\u00e4hrt so gut wie jeden Tag mit dem Auto.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber nicht, da\u00df wir uns mit den Kindern nicht weiterhin zu Fu\u00df, mit Fahrradanh\u00e4nger, sp\u00e4ter Fahrradsitzen, Follow-me und inzwischen eigenen Fahrr\u00e4dern, und \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt bewegten. Mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, macht n\u00e4mlich keinen Spa\u00df, Parkh\u00e4user sind teuer und zur\u00fcck zu Hause findet man keinen Parkplatz, der n\u00e4her als 800 m am Haus dran w\u00e4re&#8230;<\/p>\n<p>Wie gesagt, habe ich selber auch immer noch keinen F\u00fchrerschein. Das hat mir eigentlich nur einmal richtig wehgetan: als meine Mutter ins Altersheim umzog, h\u00e4tte ich die Haushaltsaufl\u00f6sung mit F\u00fchrerschein und Auto viel besser erledigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Autofahrer fragen immer: Aber wie macht Ihr Eure Eink\u00e4ufe? Na, zu Fu\u00df mit dem Rucksack! Wie das? Na, wir wohnen 300m von einer Stra\u00dfe mit 4 (!) Superm\u00e4rkten enfernt, in 50m Entfernung ist ein Gr\u00fcnh\u00f6ker, in 100m der Schlachter, in 150m mehrere B\u00e4cker. Wir gehen mehrmals die Woche einkaufen, Fleisch vom Schlachter, Obst und Gem\u00fcse an der Ecke, den Rest (und Schweinefleisch, das f\u00fchrt unser Schlachter nicht) in einem der Superm\u00e4rkte. &#8220;Na, da habt Ihr aber Gl\u00fcck, da\u00df Ihr das so nah dran habt&#8221; &#8211; Wieso Gl\u00fcck? Wenn man als Nicht-Autofahrer eine Wohnung oder ein Haus sucht, achtet man darauf, wie nah die Gesch\u00e4fte sind. Unser Haus ist inzwischen teurer als H\u00e4user mit Garage aber ohne Supermarkt. Das ist nicht Gl\u00fcck, das sind andere Priorit\u00e4ten, das ist eine andere Lebensweise.<\/p>\n<p>Autofahrer leben anders. Das erste Mal fiel mir das auf, als ich in Hamburg mit frischen F\u00fchrerscheinbesitzern ausging: Die Leute entschieden sich nicht f\u00fcr ein Stadtviertel in das sie ausgehen wollten, wie ich das gemacht h\u00e4tte. Nein, sie schauten erst in P\u00f6seldorf in ein Lokal, war zu langweilig, hop ins Auto nach Altona. Und so weiter&#8230; \u00c4hnliche Situation: Vetter und Cousine aus Kempten nahmen meine Schwester und mich mit in die Disko. Die Kemptener Discos gefielen ihnen nicht, wir fuhren also nach Isny. W\u00e4hrend des Studiums in Mannheim hatte ich Nachbarn, die fuhren st\u00e4ndig ins Schwimmbad, offenbar eine Disko in Heidelberg. F\u00fcr mich war Heidelberg gleichbedeutend mit dem Nachtzug von 2:00 morgens, Ankunft in Mannheim 2:14. Davor fuhr der letzte Zug irgendwann um 22 Uhr oder so. Das hei\u00dft, ich war abends so gut wie nie in Heidelberg. Gab in Mannheim genug zu tun. Ich war einmal auf einer Geburtstagsparty mit lauter Autofahrern. Die diskutierten \u00fcber die Preise von Fitnessclubs. So ein Bl\u00f6dsinn, mit dem Rad zur Arbeit fahren und zur\u00fcck, und ihr braucht keinen Fitnessclub!<\/p>\n<p>Autofahrer, die es einmal ohne Auto versuchen (m\u00fcssen), finden Tram und Busse schrecklich: Die Promiskurit\u00e4t, der fehlende Sitzplatz, die langen Wartezeiten. ICH habe IMMER was zum <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=127\">Lesen<\/a> im Rucksack: <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=232\">Zeitung<\/a> oder Buch. Ob ich mein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=53\">Buch<\/a> jetzt zu Hause lese oder an der Stra\u00dfenbahnhaltestelle ist doch egal? Gut, ich mu\u00df nur selten im Berufsverkehr durch die Stadt, habe also oft einen Sitzplatz. Aber mit dem Auto im Stau k\u00f6nnte ich mein Buch auch nicht lesen.<\/p>\n<p>Autofahrer, die es einmal per Rad versuchen, finden ausgerechnet den Autoverkehr zu laut, zu stinkig zu gef\u00e4hrlich, um sich darin mit dem Fahrrad zu bewegen. Wie kommt das nun? Ich begegne nicht vielen Autos in der Stadt. Autofahrer, die aufs Fahrrad umsteigen, machen das auf denselben Hauptverkehrsachsen, die sie auch mit dem Auto nehmen, und begegnen dort &#8230; Autos! Man sollte schon ruhigere Seitenstra\u00dfen probieren, in Br\u00fcssel gibt es daf\u00fcr Extra-Rad-Stadtpl\u00e4ne und &#8211; bisher leider immer noch unvollst\u00e4ndige &#8211; Wegweiser in der ganzen Stadt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=48\">Belgier<\/a> finden im Allgemeinen, mit Kindern k\u00f6nne man nicht in der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=329\">Stadt<\/a> leben. Kinder brauchen ein Haus mit Garten au\u00dferhalb der Stadt, mit Carport oder Doppelgarage. So ein Quatsch. Ich war und bin oft mit den Kindern in der Stadt unterwegs. Es gibt immer M\u00e4uerchen zum Draufspringen, Stadtmobiliar zum Fangen- und Versteckspielen, sogar ab und zu Spielpl\u00e4tze. Es gibt Open-Air-Konzerte, Stra\u00dfentheater, Flohm\u00e4rkte, Stadtteilfeste mit Kinderanimationen, Museen, Spielecaf\u00e9s und andere Dinge zu entdecken. Die Kinder haben immer Spiele, Spiel- oder Malzeug im Rucksack dabei. Die Kinder k\u00f6nnen morgens alleine in die Schule gehen (aus Sicht anderer belgischer Eltern sind wir also Rabeneltern!), und Musikschule sowie Sportaktivit\u00e4ten finden wir alle auf dem Schulweg. Auf dem Land br\u00e4uchte man f\u00fcr die au\u00dferschulischen Aktivit\u00e4ten unserer Kinder drei Autos und mithelfende Gro\u00dfeltern. In der Stadt geht das alles zu Fu\u00df und mit dem Fahrrad. Wir haben jetzt so einen Ledersitz f\u00fcr den Gep\u00e4cktr\u00e4ger, auf dem man auch gr\u00f6\u00dfere Kinder, die ersch\u00f6pft aus dem Training kommen, nach Hause bekommt&#8230;<\/p>\n<p>Normale <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=141\">Menschen<\/a> in unserer Situation h\u00e4tten zwei Autos, sehen wir auch bei <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=145\">Nachbarn<\/a> (die sich, obwohl sie in der Stadt wohnen, verhalten wie Landbewohner), wir nur eines. Was uns das Auto weniger kostet? Einen Familienurlaub mehr im Jahr, jippie!<\/p>\n<p>Autofahrer leben anders, mit weniger Auto lebt sich&#8217;s besser.<\/p>\n<blockquote><p>Malte Woydt, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=482\">geschrieben<\/a> f\u00fcr einen Blog zum &#8220;Mobilit\u00e4tsfasten&#8221;<\/p>\n<p>Abb.: Einsendung von ? zum Deutschen Karikaturpreis 2019.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">02\/13<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autofahrer leben anders. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein mu\u00df, sein Auto aufzugeben und pl\u00f6tzlich ein Leben ohne Auto zu f\u00fchren. Ich habe nie ein Auto gehabt, auch nie einen F\u00fchrerschein gemacht. Was nicht hei\u00dfen soll, da\u00df mein Leben vollkommen autolos verlaufen w\u00e4re. 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