{"id":483,"date":"2015-03-24T00:34:33","date_gmt":"2015-03-23T22:34:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=483"},"modified":"2023-12-18T00:27:01","modified_gmt":"2023-12-17T23:27:01","slug":"leser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=483","title":{"rendered":"Leser"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-2434 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Klaus-Staeck-Kunstfreunde-Kunstkritiker-beim-ersten-documenta-Rundgang-1977.jpg\" alt=\"\" width=\"90%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Klaus-Staeck-Kunstfreunde-Kunstkritiker-beim-ersten-documenta-Rundgang-1977.jpg 2000w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Klaus-Staeck-Kunstfreunde-Kunstkritiker-beim-ersten-documenta-Rundgang-1977-300x213.jpg 300w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Klaus-Staeck-Kunstfreunde-Kunstkritiker-beim-ersten-documenta-Rundgang-1977-1024x728.jpg 1024w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Klaus-Staeck-Kunstfreunde-Kunstkritiker-beim-ersten-documenta-Rundgang-1977-768x546.jpg 768w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Klaus-Staeck-Kunstfreunde-Kunstkritiker-beim-ersten-documenta-Rundgang-1977-1536x1092.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Das Ungl\u00fcck, obenhin, unverst\u00e4ndig, ohne Geschmack, ohne Gef\u00fchl, mit Vorurteilen oder gar mit Schalksaugen und b\u00f6sem Willen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=127\">gelesen<\/a> zu werden &#8211; oder, wie die meisten Leser, die nur zum Zeitvertreib in ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=52\">Buch<\/a> gucken &#8211; oder zur Unzeit, wenn der Leser \u00fcbel geschlafen, \u00fcbel verdaut oder ungl\u00fccklich gespielt oder sonst Mangel an Lebensgeistern hat &#8211; oder gelesen zu werden, wenn gerade dieses <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=53\">Buch<\/a>, diese Art von Lekt\u00fcre unter allen m\u00f6glichen sich am wenigsten f\u00fcr ihn schickt und seine Sinnesart, Stimmung, Laune, mit des Autors seiner den vollkommensten Kontrast macht &#8211; das Ungl\u00fcck, so gelesen zu werden, ist, nach der Meinung des besagten Autors, keines von den geringsten, welchen ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=332\">Schriftsteller<\/a> &#8230; sich und die armen ausgesetzten <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=111\">Kinder<\/a> seines Geistes t\u00e4glich und unvermeidlich blo\u00dfgestellt sehen mu\u00df. Unter hundert Lesern kann man sicher rechnen, von achtzig so gelesen zu werden. &#8230;<\/p>\n<p>Was Wunder also, wenn den besten Werken in ihrer Art, und in einer sehr guten Art, oft so \u00fcbel mitgespielt wird? Was Wunder, wenn die Leute in einem Buche finden, was gar nicht drin ist; oder \u00c4rgernis an Dingen nehmen, die, gleich einem gesunden Getr\u00e4nke in einem verdorbenen Gef\u00e4\u00dfe, blo\u00df dadurch \u00e4rgerlich werden, weil sie in dem schiefen Kopf oder der verdorbenen Einbildung des Lesers dazu gemacht werden?\u00a0 Was Wunder, wenn der Geist eines Werkes\u00a0den meisten so lange und fast immer unsichtbar bleibt? Was Wunder, wenn dem Verfasser oft Absichten, Grunds\u00e4tze, Gesinnungen angedichtet werden, die er nicht hat, die er, verm\u00f6ge seines Charakters, seiner ganzen Art zu existieren, gar nicht einmal haben kann? Die Art, wie die meisten lesen, ist der Schl\u00fcssel zu allen diesen Ereignissen, die in der literarischen Welt so gew\u00f6hnlich sind. Wer darauf achtzugeben Lust oder innern Beruf hat, erlebt die erstaunlichsten Dinge in dieser Art.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Christoph Martin Wieland: Wie man liest. Hier zitiert in: Wort und Sinn, Schulbuch. Paderborn: Sch\u00f6nigh, S.124.<\/p>\n<p>Abb.: Klaus Staeck: Kunstkritiker beim ersten Documenta-Rundgang, 1977, Edition Staeck, <a href=\"https:\/\/www.edition-staeck.de\/produkt\/pk-kunstfreunde\/\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">03\/15<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Das Ungl\u00fcck, obenhin, unverst\u00e4ndig, ohne Geschmack, ohne Gef\u00fchl, mit Vorurteilen oder gar mit Schalksaugen und b\u00f6sem Willen gelesen zu werden &#8211; oder, wie die meisten Leser, die nur zum Zeitvertreib in ein Buch gucken &#8211; oder zur Unzeit, wenn der Leser \u00fcbel geschlafen, \u00fcbel verdaut oder ungl\u00fccklich gespielt oder sonst Mangel an Lebensgeistern hat &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/483"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=483"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4226,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/483\/revisions\/4226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}