{"id":520,"date":"2016-01-13T12:05:33","date_gmt":"2016-01-13T10:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=520"},"modified":"2023-12-18T00:15:23","modified_gmt":"2023-12-17T23:15:23","slug":"phantasie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=520","title":{"rendered":"Phantasie"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-2322 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/ben-vauthier-imaginez-autzre-chose.jpg\" alt=\"\" width=\"90%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/ben-vauthier-imaginez-autzre-chose.jpg 624w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/ben-vauthier-imaginez-autzre-chose-300x235.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Phantasie &#8230; ist die andere Seite der Wirklichkeit. Es ist die Vorstellungswelt, die ja eine sehr reale ist, mit wechselnden Bildern, zwar keine greifbaren, aber dennoch eine reale. Sie ist bei jedem, auch dort, wo sie geleugnet wird. Auch wo sie nur schwach entwickelt ist, ist sie da, und in dem Moment, in dem sie geleugnet wird, beginnt sie sich zu r\u00e4chen, dann beginnt sie komplex zu werden und sich unterdr\u00fcckt zu verhalten, aber in dem Augenblick, in dem wir Wirklichkeit erweitern und Phantasie und Einbildung und Vorstellungskraft miteinbeziehen in den Kanon von M\u00f6glichkeiten, ist sie legitimiert. Sie ist pr\u00e4sent und kann sich nat\u00fcrlich auch viel <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=501\">freier<\/a> entfalten, es kommt dann nicht zu Stauungen, es kommt dann nicht zu diesen pl\u00f6tzlichen Ausbr\u00fcchen von Irrationalismus, die wir erlebt haben. Es gibt ja genausogut Leute, die sich spiegelverkehrt dazu verhalten, aus der Wirklichkeitsflucht heraus, aus der realen Wirklichkeit, fa\u00dfbaren Wirklichkeit sich nur noch in Traumwelt, in Einbildungswelt begeben, was aber, wie gesagt, nur ein spiegelverkehrtes Verhalten ist. &#8230;<\/p>\n<p>Alle <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=119\">K\u00fcnste<\/a> &#8230; schaffen, indem sie &#8230; [der Phantasie] Form geben &#8230; Einbildungskraft; und sie konfrontieren mit der nur enggefa\u00dften, fa\u00dfbaren Wirklichkeit eine neue Wirklichkeit, eine <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=24\">literarische<\/a>, eine bildhafte, eine musikalische, eine theaterm\u00e4\u00dfige, die aber dann auch eine solche begriffen werden mu\u00df. Wenn wir beginnen, die Wirklichkeit des Theaters auf der Stra\u00dfe zu suchen oder sie auf die Stra\u00dfe zu tragen, dann kommt es zum Kollaps der B\u00fchnenwirklichkeit.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: G\u00fcnter Grass: Ein Gegner der Hegelschen Geschichts<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1516\">philosophie<\/a>. Gespr\u00e4ch mit Gertrude Cepl-Kaufmann; hier aus: G\u00fcnter Grass: Gespr\u00e4che, Bd. 10 der Werkausgabe in zehn B\u00e4nden, Darmstadt: Luchterhand 1987, S.112 (Gespr\u00e4ch von 1971, Erstver\u00f6ffentlichung 1975).<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8220;Sind nicht all die M\u00e4nnlein, die durch unsere Gegenwart turnen und vor lauter Sachzwang keine Kniebeuge mehr machen k\u00f6nnen, das Phantastischste und Unwirklichste, was es \u00fcberhaupt gibt? &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>[Lenz: Mu\u00df die Erfahrung unbedingt vorausgehen?]<\/em> &#8230; Ja, weil das Phantastische zur Wirklichkeit geh\u00f6rt. Ich komme wieder auf meinen alten Begriff &#8216;bodenlose Phantasterei&#8217; zur\u00fcck. Es geh\u00f6ren <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=310\">Erfahrungen<\/a> dazu, sonst wird es bodenlos. Wie wir ja auch umgekehrt im angeblich realen Bereich oft genug Leute erleben, die scheinbar von Fakten <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2563\">reden<\/a>, aber das Ganze so ideologisch handhaben, da\u00df da dann auch etwas Bodenloses da ist. Man denkt, es ist eine Sprache der Vernunft, die aber bem\u00fcht wird mit den alten <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=496\">Wortbegriffen<\/a> &#8211; das plappert sich so weg. Es kann auch im religi\u00f6sen Bereich sein, irgendein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=217\">Wort<\/a> zum Sonntag, das so im christlichen Sprachritual abl\u00e4uft &#8211; aber wenn man genau hinh\u00f6rt, ist es nur noch Blablabla. Es ist weg von der Wirklichkeit, weil die Erfahrung nicht mehr dahintersteht.&#8221;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">aus: G\u00fcnter Grass: Phantasie als Existenznotwendigkeit. Gespr\u00e4ch mit Siegfried Lenz; hier aus: G\u00fcnter Grass: Gespr\u00e4che, Bd. 10 der Werkausgabe in zehn B\u00e4nden, Darmstadt: Luchterhand 1987, S.262-65 (Gespr\u00e4ch von 1981, Radio Bremen; Textfassung 1982).<\/p>\n<p>Abb.: Ben Vauthier: Imaginez autre chose, 1965, <a href=\"https:\/\/radicalart.info\/concept\/SpeechActs\/Imperatives\/index.html\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">01\/16<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Phantasie &#8230; ist die andere Seite der Wirklichkeit. Es ist die Vorstellungswelt, die ja eine sehr reale ist, mit wechselnden Bildern, zwar keine greifbaren, aber dennoch eine reale. Sie ist bei jedem, auch dort, wo sie geleugnet wird. 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