{"id":565,"date":"2016-08-28T23:57:57","date_gmt":"2016-08-28T21:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=565"},"modified":"2024-03-24T14:02:32","modified_gmt":"2024-03-24T13:02:32","slug":"burger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=565","title":{"rendered":"Vernunftwesen 2"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-4709 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Erwin_Wurm_rode_bank_met_gat_Ethik_in_geometrischer_Weise_dargestellt_2003_b.jpg\" alt=\"\" width=\"70%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Erwin_Wurm_rode_bank_met_gat_Ethik_in_geometrischer_Weise_dargestellt_2003_b.jpg 640w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Erwin_Wurm_rode_bank_met_gat_Ethik_in_geometrischer_Weise_dargestellt_2003_b-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Die menschliche Ohnmacht im M\u00e4\u00dfigen und Einschr\u00e4nken der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=124\">Affekte<\/a> nenne ich Unfreiheit. Denn der den Affekten unterworfene <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=141\">Mensch<\/a> steht nicht unter seinen eigenen Gesetzen, sondern unter denen des Schicksals, dessen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=34\">Macht<\/a> er derma\u00dfen unterworfen ist, da\u00df er oft gezwungen ist, dem Schlimmeren zu folgen, obgleich er das Bessere sieht. &#8230;<\/p>\n<p>Unter <strong>gut<\/strong> werde ich &#8230; im folgenden das verstehen, wovon wir gewi\u00df wissen, da\u00df es ein Mittel ist, uns dem Muster der menschlichen Natur, das wir uns aufstellen, mehr und mehr zu n\u00e4hern. Unter <strong>schlecht<\/strong> dagegen das, wovon wir gewi\u00df wissen, da\u00df es uns hindert, diesem Muster \u00e4hnlich zu sein. Ferner werde ich die Menschen vollkommener oder unvollkommener nennen, sofern sie sich diesem Exemplar mehr oder weniger n\u00e4hern. &#8230;<\/p>\n<p>Die Menschen [lassen sich] mehr von ihrer <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=139\">Meinung<\/a> als von der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=212\">wahren<\/a> <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=450\">Vernunft<\/a> &#8230; bewegen &#8230; weshalb die wahre Erkenntnis des Guten und Schlechten in der Seele Aufregungen verursacht und h\u00e4ufig L\u00fcsten aller Art den Platz r\u00e4umt &#8230;<\/p>\n<p>[Was ist es denn,] das uns die Vernunft vorschreibt &#8230;?<\/p>\n<p>&#8230; Da die Vernunft nichts verlangt, was der Natur widerstrebt, so verlangt sie folglich selbst, da\u00df jeder sich selbst liebe, seinen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=516\">Nutzen<\/a>, d.h., was ihm wahrhaft n\u00fctzlich ist, suche und alles, was den Menschen wahrhaft zu gr\u00f6\u00dferer Vollkommenheit f\u00fchrt, begehre; \u00fcberhaupt, da\u00df jedermann sein Sein, so gut er kann, zu erhalten strebe. &#8230;<\/p>\n<p>Wir [k\u00f6nnen] es niemals dahin bringen &#8230;, f\u00fcr die Erhaltung unseres Seins keiner Au\u00dfendinge zu bed\u00fcrfen und ohne allen Verkehr mit der Au\u00dfenwelt zu leben. Ziehen wir \u00fcberdies unsern Geist in Betracht, so w\u00e4re sicherlich unser Verstand weniger vollkommen, wenn der Geist von au\u00dfen abgesondert w\u00e4re und au\u00dfer sich selbst nichts erkennen w\u00fcrde. \u2013 Es gibt also vieles au\u00dfer uns, was uns n\u00fctzlich und daher erstrebenswert ist. Unter diesen Dingen wiederum ist das denkbar Vorz\u00fcglichste das, was ganz und gar mit unserer Natur \u00fcbereinstimmt. &#8230;<\/p>\n<p>Es ist daher dem Menschen nichts n\u00fctzlicher als der Mensch. Nichts Vorz\u00fcglicheres, sage ich, k\u00f6nnen sich die Menschen zur Erhaltung ihres Seins w\u00fcnschen, als da\u00df alle &#8230; f\u00fcr sich suchen, was allen gemeinschaftlich n\u00fctzlich ist.<\/p>\n<p>Hieraus folgt, da\u00df Menschen, die sich von der Vernunft regieren lassen, d.h. Menschen, die nach der Leitung der Vernunft ihren Nutzen suchen, nichts f\u00fcr sich verlangen, was sie nicht auch f\u00fcr andere Menschen begehren, und also, da\u00df sie gerecht, treu und ehrenhaft sind.<\/p>\n<p>Lebten nun die Menschen nach der Leitung der Vernunft, so w\u00fcrde jeder &#8230; sein Recht behaupten ohne irgendeinen Schaden eines andern. Weil sie aber den Affekten unterworfen sind &#8230;, welche das menschliche Verm\u00f6gen oder die menschliche Tugend weit \u00fcberragen &#8230;, so werden sie oft nach verschiedenen Richtungen getrieben &#8230; und stehen sich einander feindselig gegen\u00fcber &#8230;, w\u00e4hrend sie doch zu wechselseitiger Hilfe einander bed\u00fcrfen. &#8230;<\/p>\n<p>Damit also die Menschen in Eintracht leben und hilfreich gegeneinander sein k\u00f6nnen, ist es notwendig, da\u00df sie ihr nat\u00fcrliches Recht aufgeben und einander Sicherheit gew\u00e4hren, da\u00df keiner etwas tun werde, was einem andern zum Schaden gereichen kann. &#8230;<\/p>\n<p>Ein Affekt [kann] nicht anders eingeschr\u00e4nkt werden &#8230; als durch einen anderen st\u00e4rkeren und dem ersten entgegengesetzten Affekt &#8230; Durch dieses Gesetz nun kann ein <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=207\">Verein<\/a> gegr\u00fcndet werden, indem der Verein sich das Recht aneignet, &#8230; \u00fcber Gut und Schlechtsein Urteil zu f\u00e4llen. Er mu\u00df daher die Macht haben, \u00fcber die Lebensweise allgemeine Vorschriften zu erteilen und Gesetze zu geben und dieselben zur Geltung zu bringen; nicht durch die Vernunft, welche die Affekte nicht einschr\u00e4nken kann &#8230;, sondern durch Drohungen. Ein solcher, auf Gesetze und die Macht, sich zu erhalten, sich gr\u00fcndender Verein hei\u00dft <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=21\">Staat<\/a>, und diejenigen, welche durch dessen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=172\">Recht<\/a> gesch\u00fctzt werden, hei\u00dfen B\u00fcrger.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Baruch Spinoza: Die Ethik. Lateinische Orig.-Ausg. 1677, hier \u00dcbersetzung durch J. Stern, Leipzig: Reclam 1887, S. 248, 252, 269, 271-273, 292-293. [<a href=\"https:\/\/www.zeno.org\/Philosophie\/M\/Spinoza,+Baruch+de\/Ethik\/4.+%C3%9Cber+die+menschliche+Unfreiheit,+oder+die+Macht+der+Affekte\">Volltext im Internet<\/a>]<\/p>\n<p>Abb.: Erwin Wurm: Ethik in geometrischer Weise dargestellt, 2003, <a href=\"https:\/\/blog.despinoza.nl\/log\/spinozakunst\/erwin-wurm-en-zijn-rode-bank-ethik-in-geometrischer-weise-dargestellt.html\">im Internet<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><img class=\"size-full wp-image-4710 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Erwin_Wurm_rode_bank_met_gat_Ethik_in_geometrischer_Weise_dargestellt_2003_c.jpg\" alt=\"\" width=\"30%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Erwin_Wurm_rode_bank_met_gat_Ethik_in_geometrischer_Weise_dargestellt_2003_c.jpg 640w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Erwin_Wurm_rode_bank_met_gat_Ethik_in_geometrischer_Weise_dargestellt_2003_c-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">08\/16<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die menschliche Ohnmacht im M\u00e4\u00dfigen und Einschr\u00e4nken der Affekte nenne ich Unfreiheit. 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