{"id":5937,"date":"2025-09-29T16:34:44","date_gmt":"2025-09-29T15:34:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5937"},"modified":"2025-12-17T19:07:29","modified_gmt":"2025-12-17T18:07:29","slug":"lesen-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5937","title":{"rendered":"Lesen 3"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-5998 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DSCF6127-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"80%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DSCF6127-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DSCF6127-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DSCF6127-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DSCF6127-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DSCF6127-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/DSCF6127-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Das <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=127\">Lesen<\/a> ist &#8230; eine schwere Untugend, ein Laster, wenn es seinen Grund darin hat, da\u00df der Mensch nicht mit seinen Gedanken und noch weniger mit seinen Nicht- und Ungedanken allein sein kann, sei es, weil er zu schmerzhafte, zu langweilige, oder gar keine hat. In diesem Falle ist er bestrebt, die L\u00fccke, das g\u00e4hnende Loch um jeden Preis auszuf\u00fcllen. &#8230; [Der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=236\">moderne<\/a> <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5331\">Mensch<\/a>] greift in jeder Situation, die ihm Nichtstun auferlegt, zur Lekt\u00fcre, um sich zu entfliehen, denn er selber ist sich die trostloseste Gesellschaft von allen. Das <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=52\">Buch<\/a> wird zum L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer und Narkotikum. &#8230;<\/p>\n<p>Wir lesen viel mehr Stoffe, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1685\">Kenntnisse<\/a>, Erkenntnisse und Unkenntnisse in uns hinein, als wir verdauen k\u00f6nnen, und das einzig Tr\u00f6stliche dabei ist noch, da\u00df fast alles davon zum einen Ohr hinein und zum andern herausgeht. Aber das zeigt auch wieder die Absurdit\u00e4t des ganzen \u00dcberf\u00fctterungsvorganges. Wir leben k\u00fcnstlich, weil wir unsere <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=3749\">Meinungen<\/a> und sogar unsere <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1876\">Gef\u00fchle<\/a> anlesen. Das ist eine traurige und tiefgreifende Beeintr\u00e4chtugung der Urspr\u00fcnglichkeit, der Naivit\u00e4t unseres Daseins, uns je mehr wir uns ihr hingeben, desto k\u00fcnstlicher und farbloser, automatischer und d\u00fcmmer werden wir.<\/p>\n<p>Es ist eine Zeit erstickender Verschlammung durch Druckerschw\u00e4rze, Tinte und Farbband. Es bedarf schon eines starken Willens, eines Eigensinnes, den Versuchungen zu widerstehen, die das gedruckte <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=496\">Wort<\/a> an uns richtet. &#8230; Die Formel nach der sich der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=483\">Leser<\/a> richen sollte, sei er Vielleser oder Wenigleser,[ist]: Lies nur, was sich wirklich angeht und interessiert. Allem anderen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5935\">Lesen<\/a> ist das <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=376\">Nichtlesen<\/a> weitaus vorzuziehen. &#8230;<\/p>\n<p>Wir Modernen sind ein ganzes Geschlecht, das &#8230; in einem fort liest, um nicht nur bevorstehende Katastrophen, sondern \u00fcberhaupt nichts mehr wahrzuhaben. Unser Massen- und Dauer-Lesen ist keine Unbefangenheit und Tapferkeit, sondern sturer Unsinn, der uns f\u00fcr Unterg\u00e4nge, wenn sie wirklich kommen, nur noch unbereiter, feiger, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5316\">d\u00fcmmer<\/a> und kopfloser macht.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Martin Reheim-Schwarzbach: Von den B\u00fcchern. Hamburg: Hans Dulk, 1952, S.57-60.<\/p>\n<p>Abb.: Zu Sitzb\u00e4nken zusammengeklebte B\u00fccher, &#8220;Bibliothek&#8221; von Tilburg, 2025<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">09\/25<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Das Lesen ist &#8230; eine schwere Untugend, ein Laster, wenn es seinen Grund darin hat, da\u00df der Mensch nicht mit seinen Gedanken und noch weniger mit seinen Nicht- und Ungedanken allein sein kann, sei es, weil er zu schmerzhafte, zu langweilige, oder gar keine hat. 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