{"id":5982,"date":"2025-11-26T10:32:20","date_gmt":"2025-11-26T09:32:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5982"},"modified":"2025-11-26T10:32:20","modified_gmt":"2025-11-26T09:32:20","slug":"harte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5982","title":{"rendered":"H\u00e4rte"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Georg Knill ist heute Chef der Industriellenvereinigung. &#8230; [Er]<br \/>\nist ein gro\u00dfer F\u00fcrsprecher der Leistungsgesellschaft, womit gemeint ist, dass die Privilegierten keine Kr\u00fcmel abgeben sollen, was nat\u00fcrlich irgendwie das Gegenteil des Leistungsprinzips ist. Aber die Rhetorik der Reaktion ist oft dadurch charakterisiert, dass die Worte das Gegenteil dessen bedeuten, was sie eigentlich bedeuten. Georg Knill hat jetzt ein Interview gegeben, das mit dem Zitat \u00fcbertitelt war: &#8216;Es werden harte Jahre und jeder und jede muss einen Beitrag leisten.&#8217;<\/p>\n<p>Ich habe mich gefreut und mir gedacht, das muss ich gleich lesen, in der Vorfreude auf die Leistungen, die Georg Knill zu erbringen in diesem Interview ank\u00fcndigen w\u00fcrde. Leider fand ich keine, was meine Freude d\u00e4mpfte, da ich doch annahm, als F\u00fcrsprecher der Leistungsbereitschaft w\u00e4re er gerne vorne dabei beim Leistungerbringen. Die Leistungsbereitschaft geh\u00f6rt ja zu den zentralen Werten des Konservatismus, die Werte leisten diesem aber auch deshalb so famose Dienste, weil sie elastisch sind wie ein guter Hosentr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Sie ahnen es sowieso l\u00e4ngst: In besagtem Interview fanden sich viele Hinweise darauf, was andere zu leisten haben, und kein Hinweis darauf, welche Leistungen denn Knill und seinesgleichen beizutragen gedenken. &#8230;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen Wortmeldungen wie die von Herrn Knill als Rhetorik in einem normalen Verteilungskampf nehmen, der Begriff des &#8216;Klassenkampfes&#8217; ist nicht fehl am Platze. Aber es gibt auch immer einen ideologischen, ja fast metaphysischen \u00dcberschuss. Ein &#8216;Kult der H\u00e4rte&#8217; schwingt mit. Dass man die T\u00fcchtigen in ihrem Lauf nicht behindern solle, dass man die Unterschichten aus der &#8216;W\u00e4rmestube&#8217; des Sozialstaats vertreiben und sie der H\u00e4rte des Existenzkampfes aussetzen solle &#8230;<\/p>\n<p>Diese Rhetorik ist ja ganz besessen davon, H\u00e4rte ins Leben zu bringen. Wohlgemerkt: Immer nur H\u00e4rte ins Leben der Anderen.<\/p>\n<p>Der Kult der H\u00e4rte ist ein ideologisches Motiv, das die alte und die neue Rechte aber auch die Neo- und Pseudoliberalen teilen, weshalb es einen wesentlichen Beitrag zu der perversen Allianz von Pseudoliberalismus und Rechtsextremismus leistet, die wir heute \u00fcberall beobachten k\u00f6nnen. Was den Faschisten die autorit\u00e4re Kraftmeierei, ist den Ultraliberalen die Anbetung des Winners und die Verachtung der Loser. Mitgef\u00fchl ist aus ihrer Sicht das Laster von Pussys und Weicheiern. &#8216;Die fundamentale Schw\u00e4che der westlichen Zivilisation ist Empathie&#8217;, meint der Tech-Milliard\u00e4r und bis vor kurzem Trump-Unterst\u00fctzer Elon Musk. F\u00fcr Tech-Investor und Paypal- sowie Palantir-Gr\u00fcnder Peter Thiel begann alles Beklagenswerte mit dem Christentum, weil &#8216;es immer die Seite der Opfer einnimmt&#8217;. Der leidenschaftliche Kampf gegen &#8216;Toxic Empathy&#8217; ist neuerdings der letzte Schrei unter Rechtsextremen, Neo-Konservativen und Post-Liberalen. Die Grammatik der H\u00e4rte verbindet M\u00e4nnlichkeitsideale, eine \u00c4sthetik der Erbarmungslosigkeit mit Volks- und Umerziehungsidealen schwarzer P\u00e4dagogik, wonach &#8216;notwendige H\u00e4rte&#8217; die effektivste Form der Zuneigung sei.<\/p>\n<p>Entsprechend des alten Bibel-Wortes: &#8216;Wen der Herr liebt, den z\u00fcchtigt er.'&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Robert Misik: Verachtung f\u00fcr Verlierer, Zackzack, 26.11.25, <a href=\"https:\/\/zackzack.at\/2025\/11\/26\/verachtung-fuer-verlierer\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">11\/25<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Georg Knill ist heute Chef der Industriellenvereinigung. &#8230; [Er] ist ein gro\u00dfer F\u00fcrsprecher der Leistungsgesellschaft, womit gemeint ist, dass die Privilegierten keine Kr\u00fcmel abgeben sollen, was nat\u00fcrlich irgendwie das Gegenteil des Leistungsprinzips ist. 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