{"id":738,"date":"2017-01-28T13:24:21","date_gmt":"2017-01-28T11:24:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=738"},"modified":"2023-08-29T11:40:39","modified_gmt":"2023-08-29T09:40:39","slug":"entkolonisierung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=738","title":{"rendered":"Entkolonisierung 2"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-2234 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Arman-Jamparing-Seri-Capital-Riot-5-2014-indoartnow-com-CROPDETAIL-1.jpg\" alt=\"\" width=\"50%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Arman-Jamparing-Seri-Capital-Riot-5-2014-indoartnow-com-CROPDETAIL-1.jpg 462w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Arman-Jamparing-Seri-Capital-Riot-5-2014-indoartnow-com-CROPDETAIL-1-214x300.jpg 214w\" sizes=\"(max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=750\">NL<\/a>)<\/p>\n<p>&#8220;Der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=33\">Kapitalismus<\/a> sah in seiner Bl\u00fctezeit in den Kolonien eine Quelle von Rohstoffen, die nach ihrer Verarbeitung auf den europ\u00e4ischen Markt geworfen werden konnten. Nach einer Phase der Akkumulation des Kapitals kommt er heute dazu, seine Auffassung von der Rentabilit\u00e4t eines Gesch\u00e4fts zu modifizieren. Die Kolonien sind ein Markt geworden. Die Kolonialbev\u00f6lkerung ist eine kaufende Kundschaft. Wenn jetzt aber die Garnison ewig verst\u00e4rkt werden muss, wenn der Handel nachl\u00e4sst, das hei\u00dft, wenn die Fertigwaren nicht mehr exportiert werden k\u00f6nnen, so beweist das, dass die milit\u00e4rische L\u00f6sung keine L\u00f6sung mehr ist. Eine blinde Herrschaft nach Sklavenhaltergeschmack ist f\u00fcr das \u201eMutterland\u201c wirtschaftlich nicht rentabel. &#8230;<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=212\">Wahrheit<\/a> ist, da\u00df heute kein kolonialistisches Land in der Lage ist, die einzige Kampfform zu w\u00e4hlen, die eine Erfolgschance h\u00e4tte: die fortgesetzte Stationierung einer starken Besatzungsmacht. &#8230;<\/p>\n<p>Der Kapitalismus sieht also ein, da\u00df seine milit\u00e4rische Strategie ausgespielt hat, wenn sich die nationalen Befreiungskriege ausbreiten. Deshalb m\u00fcssen im Rahmen der friedlichen Koexistenz alle Kolonien verschwinden. &#8230;<\/p>\n<p>Eine ernsthafte Bilanz der Anbaum\u00f6glichkeiten und der Bodensch\u00e4tze war nie gezogen worden. Aus diesen Gr\u00fcnden sieht sich die junge, unabh\u00e4ngige <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=147\">Nation<\/a> gezwungen, die vom Kolonialregime errichteten Handelsbeziehungen aufrechtzuerhalten. &#8230;<\/p>\n<p>Die westlichen Finanzgruppen &#8230; wollen keinerlei Risiko eingehen. Daher fordern sie eine politische Stabilit\u00e4t und ein ruhiges soziales <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2977\">Klima<\/a>, Bedingungen, wie sie angesichts des Elends der Bev\u00f6lkerung, unmittelbar nachdem die Unabh\u00e4ngigkeit erreicht ist, unm\u00f6glich zu erf\u00fcllen sind. &#8230; Die Privatgesellschaften setzen ihre eigne Regierung unter Druck damit sie in eben diesen L\u00e4ndern milit\u00e4rische St\u00fctzpunkte errichtet, die den Auftrag haben, ihre Interessen zu sch\u00fctzen. Schlie\u00dflich verlangen diese Gesellschaften von ihrer Regierung B\u00fcrgschaften f\u00fcr alle Investitionen, die sie in unterentwickelten L\u00e4ndern vornehmen wollen. &#8230;<\/p>\n<p>Die nationale Bourgeoisie gef\u00e4llt sich ohne Komplexe\u00a0 und voller W\u00fcrde in der Rolle eines Gesch\u00e4ftsvertreters der westlichen Bourgeoisie. Diese lukrative Rolle, diese Kleinverdiender-Funktion, diese Enge der Gesichtspunkte, dieses Fehlen eines gr\u00f6\u00dferen Ehrgeizes zeigen die Unf\u00e4higkeit der nationalen Bourgeoisie, die historische Rolle einer Bourgeoisie zu erf\u00fcllen. Der dynamische Aspekt &#8211; Pioniere, Erfinder, Weltentdecker &#8211; &#8230; fehlt hier in kl\u00e4glicher Weise. &#8230; Bei ihrer Dekadenz wird die nationale Bourgeoisie von den westlichen Bourgeoisien betr\u00e4chtlich unterst\u00fctzt, die jetzt als Touristen auftreten, verliebt in Exotismus, Jagd und Casinos. &#8230; Die nationale Bourgeoisie &#8230; macht ihr Land zu einem Bordell Europas. &#8230;<\/p>\n<p>Es gibt keine Modernisierung der Landwirtschaft, keinen Entwicklungsplan, keine Initiativen, denn schon Initiativen, die ein Minimum an Risiko einschlie\u00dfen, w\u00fcrden in diesen Kreisen eine Panik hervorrufen. &#8230; Die eingesteckten Profite, die im Vergleich zum Nationaleinkommen enorm sind, werden nicht wieder investiert. &#8230; Dagegen werden bedeutende Summen f\u00fcr Luxusg\u00fcter ausgegeben. &#8230;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die nationale Bourgeoisie in einen Wettstreit mit den <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=71\">Europ\u00e4ern<\/a> tritt, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=568\">beginnen<\/a> die Handwerker und die kleinen Berufe einen Kampf gegen die nicht nationalen Afrikaner. An der Elfenbeink\u00fcste sind es die regelrecht rassistischen antidahomeischen und antivoltaischen Aufst\u00e4nde. &#8230;<\/p>\n<p>Vom <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=148\">Nationalismus<\/a> sind wir zum Ultra-Nationalismus, zum Chauvinismus, zum <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=170\">Rassismus<\/a> \u00fcbergegangen. &#8230; Die nationale Bourgeoisie &#8230; hat das kolonialistische Denken bis in seine verfaultesten Wurzeln hinein angenommen; &#8230; Durch ihre Tr\u00e4gheit und Nach\u00e4fferei beg\u00fcnstigt sie die Einpflanzung und Verst\u00e4rkung des Rassismus, der die koloniale \u00c4ra kennzeichnete. &#8230;&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Frantz Fanon: Die Verdammten dieser Erde. Reinbek: Rororo 1969 (frz. Orig.-Ausg.1961, dt. Orig.-Ausg. 1966), S. 50, 57, 61, 78, 81, 118, 119, 120, 125.<\/p>\n<p>Abb.: Michel Lafleur \/ Tom Bogaert: Famasi Mobil Kongol\u00e8, Teil von Atis Rezistanz Kollektiv: Documenta15-Installation, Detail, 2022.<\/p>\n<p>Abb.: Arman Jamparing Seri: Capital Riot #5, 2014, Detail, indoartnow, <a href=\"https:\/\/indoartnow.com\/artists\/arman-jamparing\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">01\/17<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(NL) &#8220;Der Kapitalismus sah in seiner Bl\u00fctezeit in den Kolonien eine Quelle von Rohstoffen, die nach ihrer Verarbeitung auf den europ\u00e4ischen Markt geworfen werden konnten. Nach einer Phase der Akkumulation des Kapitals kommt er heute dazu, seine Auffassung von der Rentabilit\u00e4t eines Gesch\u00e4fts zu modifizieren. Die Kolonien sind ein Markt geworden. 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