{"id":809,"date":"2017-07-18T12:31:09","date_gmt":"2017-07-18T10:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=809"},"modified":"2024-08-08T21:50:10","modified_gmt":"2024-08-08T20:50:10","slug":"igbo-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=809","title":{"rendered":"Igbo-Frauen"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-4685 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/zara-maryam-khan-just-tell-him-who-i-am-CROP.png\" alt=\"\" width=\"50%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/zara-maryam-khan-just-tell-him-who-i-am-CROP.png 1376w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/zara-maryam-khan-just-tell-him-who-i-am-CROP-226x300.png 226w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/zara-maryam-khan-just-tell-him-who-i-am-CROP-771x1024.png 771w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/zara-maryam-khan-just-tell-him-who-i-am-CROP-768x1020.png 768w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/zara-maryam-khan-just-tell-him-who-i-am-CROP-1156x1536.png 1156w\" sizes=\"(max-width: 1376px) 100vw, 1376px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;In Anbetracht ihrer multiplen sozialen Rollen haben Igbo-Frauen nicht nur eine einzige geschlechtliche <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1137\">Identit\u00e4t<\/a>. &#8230;<\/p>\n<p>Die erste wesentliche Grundlage von Identit\u00e4t [ist] die Verwandtschaftslinie (lineage), in der die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=34\">Machtverh\u00e4ltnisse<\/a> diffus sind. Die grundlegende soziale Differenzierung entfaltet sich entlang folgender Kategorien: <em>umuada<\/em> (die T\u00f6chter innerhalb einer Verwandtschaftslinie), <em>okpala<\/em> (die S\u00f6hne innerhalb einer Verwandtschaftslinie) und <em>inyemedi<\/em> (die in die Verwandtschaftslinie einheiratenden Ehefrauen). Das Ordungsprinzip innerhalb jeder dieser &#8230; Kategorien ist die Seniorit\u00e4t. &#8230;<\/p>\n<p>Innerhalb dieses Systems nehmen die <em>umuada<\/em> (Frauen, T\u00f6chter) und die <em>okpala<\/em> (M\u00e4nner, S\u00f6hne) dieselbe dominante Rolle eines &#8216;Ehemannes&#8217; gegen\u00fcber denjenigen Frauen ein, die nicht aus derselben Verwandtschaftslinie kommen. &#8230;<\/p>\n<p>Anders als in <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2835\">westlichen<\/a> Eheverh\u00e4ltnissen, in der verheiratete T\u00f6chter alle Mitspracherechte in ihrer Geburtsfamilie verlieren, haben <em>umuada<\/em> in ihren Geburtsfamilien weiterhin eine gewichtige Stimme. Sie \u00fcbernehmen soziale Funktionen innerhalb der Rechtsprechung und der Friedensstiftung und f\u00fchren regelm\u00e4\u00dfig Reinigungsrituale sowie Begr\u00e4bnisrituale f\u00fcr verstorbene Mitglieder ihrer Familie aus. &#8230;<\/p>\n<p>Da sie auch nach ihrem Umzug in die Familie ihres Mannes weiterhin einen dominanten Einfluss in ihrer eigenen Verwandtschaftslinie behalten, entwickeln <em>umunwanyi<\/em> (Frauen) mindestens zwei verschiedene soziale Identit\u00e4ten, zwischen denen sie permanent hin- und herwechseln. &#8230;<\/p>\n<p>Mutterschaft und Seniorit\u00e4t &#8230; [lassen] die Position der <em>nwwye<\/em> (Ehefrau)\u00a0 erheblich an Bedeutung gewinnen &#8230; Des weiteren entzieht sich in einem historischen Kontext, in dem Frauen andere Frauen als Ehefrauen heiraten konnten und dies auch taten, die Frage nach dem &#8216;Ehemann-Sein&#8217; oder dem &#8216;Ehefrau-Sein&#8217; simplen physiologischen Interpretationen der westlichen Kultur. (<em>Di<\/em>, der Begriff, welcher als &#8216;Ehemann&#8217; \u00fcbersetzt wird, bezieht sich lediglich auf die Mitglieder einer Familie, in die die Frau einheiratet.)<\/p>\n<p>Frauen k\u00f6nnen Ehefrauen und Ehem\u00e4nner gleichzeitig sein. Einige k\u00f6nnen in der Tat selbst eine Ehefrau oder Ehefrauen heiraten (ohne dass sexuelle Beziehungen involviert sind), selbst wenn sie bereits mit einem Mann verheiratet sind. &#8230;<\/p>\n<p>Die Gesellschaft des westlichen Igbolandes ist leistungsorientiert &#8230; Konsequenterweise kann eine soziale Klassifizierung, die Frauen M\u00e4nnern unterordnet &#8211; oder auch umgekehrt &#8211; nicht funktionieren. &#8230; Auch von Frauen wird erwartet, dass sie erfolgreich sind. &#8230;<\/p>\n<p>[Erst] die gro\u00dfen sozialen Umw\u00e4lzungen w\u00e4hrend der Kolonialherrschaft &#8230; [schufen]\u00a0 einige jener <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=2794\">Traditionen<\/a> &#8230;, die M\u00e4nner <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=5346\">privilegieren<\/a> und die heutzutage als &#8216;traditionell&#8217; oder &#8216;indigen&#8217; gelten. &#8230;<\/p>\n<p>[Es wird noch komplizierter&#8230;]<\/p>\n<p>Es gab fr\u00fcher (und in manchen Gemeinschaften gibt es wohl auch heute noch) eine weit verbreitete und bedeutsame soziale Praxis, die als <em>idigbe<\/em>, <em>idegbe<\/em> oder <em>mgha<\/em> bekannt ist. Diese <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=588\">Institution<\/a> erm\u00f6glicht es einer Tochter &#8211; ihre Ehe aufrechterhaltend oder diese aufl\u00f6send -, in ihr Geburtshaus zur\u00fcckzukehren, wo sie mit einem Liebhaber Kinder haben kann, die in ihre eigene Verwandschaftslinie integriert werden.<\/p>\n<p>Es gibt zwei unterschiedliche Lesarten, wie <em>idigbe<\/em> oder <em>mgha<\/em> verstanden werden k\u00f6nnen. Die erste &#8230; beschreibt eine Situation, in der eine Frau ein Verh\u00e4ltnis mit einem Liebhaber eingeht, welches auf beiderseitigem Einverst\u00e4ndnis beruht, sie beh\u00e4lt ihre urspr\u00fcngliche Identit\u00e4t als Tochter und wird niemals dessen Ehefrau. Da kein Brautschatz gezahlt wurde, beh\u00e4lt &#8230; [sie] das alleinige Sorgerecht f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=111\">Kinder<\/a> &#8230;<\/p>\n<p>Die zweite &#8230; [bezeichnet] eine Tochter, die formell die Kultst\u00e4tte ihrer Ahnen betreut. Dies geschieht in dem seltenen Fall, in dem es keinen m\u00e4nnlichen Nachfolger gibt &#8230;&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Nkiru Nzegwu: Feminismus und Farika: Auswirkung und Grenzen einer Metaphysik der Geschlechterverh\u00e4ltnisse. In: Franziska D\u00fcbgen \/ Stefan Skupien: Afrikanische politische <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1516\">Philosophie<\/a>. Berlin: Suhrkamp 2015, S.206-215.<\/p>\n<p>Zara Maryam Khan: Just tell him who I am, ca. 2023, <a href=\"https:\/\/ejazartgallery.com\/exhibition\/shadows-of-wit\/\">im Internet<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">07\/17<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;In Anbetracht ihrer multiplen sozialen Rollen haben Igbo-Frauen nicht nur eine einzige geschlechtliche Identit\u00e4t. &#8230; Die erste wesentliche Grundlage von Identit\u00e4t [ist] die Verwandtschaftslinie (lineage), in der die Machtverh\u00e4ltnisse diffus sind. 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