{"id":818,"date":"2017-07-26T23:45:39","date_gmt":"2017-07-26T21:45:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=818"},"modified":"2024-02-03T00:02:51","modified_gmt":"2024-02-02T23:02:51","slug":"imperium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=818","title":{"rendered":"Imperium"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"size-full wp-image-4553 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/66cc743724e53b936e187829fd2a6546-scaled.webp\" alt=\"\" width=\"40%\" srcset=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/66cc743724e53b936e187829fd2a6546-scaled.webp 1765w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/66cc743724e53b936e187829fd2a6546-207x300.webp 207w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/66cc743724e53b936e187829fd2a6546-706x1024.webp 706w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/66cc743724e53b936e187829fd2a6546-768x1114.webp 768w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/66cc743724e53b936e187829fd2a6546-1059x1536.webp 1059w, https:\/\/www.woydt.be\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/66cc743724e53b936e187829fd2a6546-1412x2048.webp 1412w\" sizes=\"(max-width: 1765px) 100vw, 1765px\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Imperien sind mehr als gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=21\">Staaten<\/a>; sie bewegen sich in einer ihnen eigenen Welt. <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=349\">Staaten<\/a> sind in eine <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=160\">Ordnung<\/a> eingebunden, die sie gemeinsam mit anderen Staaten geschaffen haben und \u00fcber die sie daher nicht allein verf\u00fcgen. Imperien dagegen verstehen sich als <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=181\">Sch\u00f6pfer<\/a> und Garanten einer <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=404\">Ordnung<\/a>, die letztlich von ihnen abh\u00e4ngt und die sie gegen den Einbruch des Chaos, der f\u00fcr sie eine stete Bedrohung darstellt, verteidigen m\u00fcssen. &#8230;<\/p>\n<p>Unser Bild von Imperien ist durch die Vorstellung gepr\u00e4gt, dass die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=168\">Peripherie<\/a> von ihnen ausgesaugt und <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=45\">ausgebeutet<\/a> werde. Sie verarme, und das Zentrum werde immer reicher. Tats\u00e4chlich hat es solche Imperien stets gegeben, aber sie waren nur von kurzer Dauer. &#8230; Dagegen hatten diejenigen Imperien eine l\u00e4ngere Dauer, die in ihre Randbereiche investierten und so daf\u00fcr sorgten, dass die Peripherie schlie\u00dflich am Fortbestand des Imperiums ebenso interessiert war wie das Zentrum. &#8230;<\/p>\n<p>Imperien kennen keine <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=145\">Nachbarn<\/a>, die sie als Gleiche &#8211; und das hei\u00dft: als gleichberechtigt &#8211; anerkennen; bei <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=349\">Staaten<\/a> hingegen ist das die Regel. &#8230; Staaten gibt es stets im Plural, Imperien meist im Singular. &#8230;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Staaten nicht zuletzt infolge der direkten Konkurrenz mit den Nachbarstaaten ihre Bev\u00f6lkerung gleicherma\u00dfen integrieren &#8211; und das hei\u00dft vor allem: ihnen gleiche Rechte gew\u00e4hren, ob sie nun im Kerngebiet des Staates oder in den Grenzregionen lebt -, ist dies bei Imperien nicht der Fall: Fast immer gibt es hier ein vom Zentrum zur Peripherie fortlaufendes Integrationsgef\u00e4lle, dem zumeist eine abnehmende Rechtsbindung und geringer werdende M\u00f6glichkeiten korrespondieren, die Politik des Zentrums mitzubestimmen. &#8230;<\/p>\n<p>Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen hegemonialer Vorherrschaft und imperialer Herrschaft [sind] flie\u00dfend &#8230; . Dennoch ist es sinnvoll, beide voneinander zu unterscheiden. Hegemonie ist danach Vorherrschaft innerhalb einer Gruppe formal gleichberechtigter politischer Akteure; Imperialit\u00e4t hingegen l\u00f6st diese &#8211; zumindest formale &#8211; Gleichheit auf und reduziert die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=22\">Unterlegenen<\/a> auf den Status von Klientelstaaten oder Satelliten. &#8230;<\/p>\n<p>Die meisten Imperien verdanken ihre Existenz einem Gemisch von Zuf\u00e4llen und Einzelentscheidungen, die oftmals auch noch von Personen getroffen wurden, welche daf\u00fcr politisch gar nicht legitimiert wurden &#8230; Es gibt zweifellos eine imperiale Dynamik, die aus dem Zentrum zur Peripherie dr\u00e4ngt und den eigenen Machtbereich immer weiter expandiert; daneben ist jedoch ein von der Peripherie ausgehender Sog zu bemerken, der ebenfalls zur Ausdehnung des Herrschaftsbereiches f\u00fchrt. &#8230;<\/p>\n<p>[Um ein Gebilde Imperium nennen zu k\u00f6nnen muss es] mindestens einen Zyklus des Aufstiegs und Niedergangs durchschritten und einen neuen angefangen haben &#8230; . Das Kriterium des l\u00e4ngeren Bestehens eines Imperiums wird damit an der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=588\">institutionellen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=173\">Reform<\/a>&#8211; und Regenerationsf\u00e4higkeit festgemacht, durch die es sich gegen\u00fcber den charismatischen Qualit\u00e4ten seines Gr\u00fcnders (oder der Gr\u00fcndergeneration) verselbstst\u00e4ndigt. &#8230; <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=61\">Deutschland<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1335\">Frankreich<\/a> [sind demnach] &#8230; Beispiele f\u00fcr failed empires &#8230;<\/p>\n<p>Die Kontrolle des Handels kann ebenso eine Quelle imperialer <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=34\">Macht<\/a> sein wie die Beherrschung von Gebieten und R\u00e4umen. &#8230;<\/p>\n<p>Aufschlussreicher als der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=440\">multiethnische<\/a> beziehungsweise multinationale Charakter von Imperien ist der Umstand, dass es f\u00fcr die Zentralmacht <em>innerhalb<\/em> der von ihr beherrschten imperialen &#8216;Welt&#8217; offenbar einen Zwang zur politischen und milit\u00e4rischen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=32\">Intervention<\/a> gibt. &#8230; Nur innerhalb einer <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=307\">&#8216;Welt&#8217;-Ordnung<\/a>, die vom Staatenmodell gepr\u00e4gt ist, besteht eine &#8230; Neutralit\u00e4tsoption. Ein Imperium dagegen, das bei Konflikten innerhalb seiner &#8216;Welt&#8217; oder an deren Peripherie fortgesetzt neutral bleibt, verliert zwangsl\u00e4ufig seinen imperialen Status. &#8230;<\/p>\n<p>[Wer] nach der Logik des Imperiums und den aus ihr erwachsenden <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=95\">Handlungs<\/a>imperativen fragt, [misst] den Einfl\u00fcssen und Entscheidungen von Personen eine geringere Bedeutung zu. &#8230;<\/p>\n<p>Die Logik des Imperiums wei\u00df <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=461\">moralische<\/a> Glaubw\u00fcrdigkeit sehr wohl als Machtfaktor einzusetzen, aber sie w\u00fcrde sich nie selber an ihr messen lassen. &#8230;&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>aus: Herfried M\u00fcnkler: Imperien. Die Logik der Weltherrschaft &#8211; vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten. Berlin: Rowohlt 2005, S.8-34.<\/p>\n<p>Abb.: Le\u00f3n Ferrari: La civilisati\u00f3n Occidental y Cristiana, 1965.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">??\/06<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Imperien sind mehr als gro\u00dfe Staaten; sie bewegen sich in einer ihnen eigenen Welt. Staaten sind in eine Ordnung eingebunden, die sie gemeinsam mit anderen Staaten geschaffen haben und \u00fcber die sie daher nicht allein verf\u00fcgen. 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