{"id":93,"date":"2007-10-08T11:11:06","date_gmt":"2007-10-08T09:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=93"},"modified":"2024-07-14T14:28:16","modified_gmt":"2024-07-14T13:28:16","slug":"grenzregionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=93","title":{"rendered":"Grenzregionen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;&#8230; Es gibt zum Beispiel ein Stereotyp der Grenzregionen (das sogar im Augenblick in Mode kommt), das dem Stereotyp der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=147\">Nation<\/a> entgegengesetzt wird, das hei\u00dft der Verschlossenheit in sich selbst, der Xenophobie usw. Das Zusammentreffen verschiedener <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=118\">Kulturen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=194\">Sprachen<\/a>, Dialekte tr\u00e4gt sehr sch\u00f6ne Fr\u00fcchte. Als Beispiele eignen sich Triest oder Wilna oder das tschechische Prag, als die tschechische, deutsche und j\u00fcdische Kultur und vielleicht noch einige andere Kulturen miteinander in Kontakt standen, oder auch das kaiserlich-k\u00f6ngliche Wien usw. Dieses Stereotyp fa\u00dft nat\u00fcrlich einige tats\u00e4chliche Merkmale, vielleicht sogar den Kern der Sache, aber auch dieses Stereotyp mu\u00df man sprengen &#8211; Grenzregionen erweisen sich sehr oft als <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=97\">Mythos<\/a>. Oft <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=95\">handelt<\/a> es sich um taube, mit Brettern vernagelte <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=168\">Provinz<\/a>, der die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=141\">Menschen<\/a> nur entkommen wollen &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; Wenn man in einer solchen mit Brettern vernagelten Welt aufw\u00e4chst, wie das damals Wilna war, wie es die ganze Sowjetunion war, aber Wilna als kleine Stadt besonders, dann regt sich in einem etwas, was Mandelstam die Sehnsucht nach der Weltkultur genannt hat. Diese Sehnsucht hat im Grunde positive Folgen. Man beginnt, sich f\u00fcr etwas zu interessieren, was \u00fcber die Grenzen der eigenen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=310\">Erfahrung<\/a> herausreicht. &#8230; Ich entdeckte auch, da\u00df die gro\u00dfen russischen Dichter viel w\u00fcrdiger mit dem Regime k\u00e4mpften als meine Mit<a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=565\">b\u00fcrger<\/a>. &#8230; Im Jahr 1956 fand ich Zugang zur polnischen Sprache &#8230; Diese Zeitschriften waren im Vergleich mit der litauischen und russischen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=136\">Presse<\/a> enorm interessant. &#8230; Einer meiner <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=324\">Freunde<\/a> f\u00fchrte mich damals in die Werke von Mrozek und Gombrowicz ein &#8230; Hier <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1762\">lernte<\/a> ich wiederum viel: vor allem den ironischen Blick auf die eigene Nationalit\u00e4t &#8230; Ich meine den Spott, der in Litauen sehr fehlte und bis heute fehlt. In Litauen herrscht ein frommes Verh\u00e4ltnis zum <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=148\">Litauertum<\/a> &#8230; In der Unabh\u00e4ngigkeit wird das vermutlich vergehen, aber dazu bedarf es der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=149\">Schriftsteller<\/a>, die Mythen einrei\u00dfen, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=332\">Schriftsteller<\/a> eben wie Gombrowicz. Die sind aber bei uns noch nicht zu sehen.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>Tomas Venclowa. In: Teresa Walas (Hg.) (1999): Stereotypen und Nationen. Krakau: Miedzynaradowe Centrum Kultury, S.342-346.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;&#8230; Es gibt zum Beispiel ein Stereotyp der Grenzregionen (das sogar im Augenblick in Mode kommt), das dem Stereotyp der Nation entgegengesetzt wird, das hei\u00dft der Verschlossenheit in sich selbst, der Xenophobie usw. Das Zusammentreffen verschiedener Kulturen, Sprachen, Dialekte tr\u00e4gt sehr sch\u00f6ne Fr\u00fcchte. 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