{"id":97,"date":"2007-10-08T11:17:01","date_gmt":"2007-10-08T09:17:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=97"},"modified":"2024-07-14T14:50:10","modified_gmt":"2024-07-14T13:50:10","slug":"herakles-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=97","title":{"rendered":"Herakles 1"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Herakles aber zog Linos, dem Lehrer, der seinem Sch\u00fcler weismachen wollte, die einzige <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=237\">Freiheit<\/a>, die es g\u00e4be, sei die Freiheit der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=119\">Kunst<\/a>, den Hut so hart \u00fcber die Augen, da\u00df ihm das Nasenbein brach, und als der Magister weiterhin behauptete, die Kunst sei zu allen Zeiten unabh\u00e4ngig von den jeweiligen Wirrnissen zu genie\u00dfen, steckte er ihn kopf\u00fcber in die Jauchegrube und ertr\u00e4nkte ihn, zum Beweis, da\u00df waffenlose Sch\u00f6ngeistigkeit einfachster <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=88\">Gewalt<\/a> nicht standhalten kann. &#8230; Er wollte es nicht glauben, da\u00df der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=533\">Terror<\/a>, der seine Vaterstadt Theben in Bann hielt, dem mystischen F\u00fcrsten Erginos zuzuschreiben sei, den niemand je gesehen hatte, denn warum r\u00fclpste und kotzte Kreon, der K\u00f6nig, und der gesamte Hofstaat, vor \u00dcbers\u00e4ttigung, warum trugen die Damen des Adels jeden Tag neue Kleider, wenn es \u00fcber ihnen einen Gewaltherrscher gab, der unaufh\u00f6rlich Abgaben verlangte. Um zu zeigen, da\u00df es einzig und allein die Edelbl\u00fctigen waren, die mit falschen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=35\">Vorspiegelungen<\/a> die unwissende Menge der Arbeitenden niederhielten und sie, w\u00e4hrend sie deren Obleute und Meister bestochen und gekauft hatten, bei Androhung unerh\u00f6rter Strafen zur Schufterei zwangen, begab sich Herakles zur Insel der Marmorbr\u00fcche und holte sich von dort ein respekteinfl\u00f6\u00dfendes Gefolge. &#8230; Mit den Befreiten zog Herakles in Theben ein und verbreitete die Kunde, da\u00df er Erginos gevierteilt und den Raben zum Fra\u00df vorgeworfen habe. &#8230; Da weder Kreon noch seine verschlagensten <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1516\">Philosophen<\/a> und Priester das Unget\u00fcm, das so lange \u00fcber sie <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=174\">regiert<\/a> hatte, vorweisen konnten, mu\u00dfte Herakles auch von h\u00f6chster Stelle her gefeiert werden, und Kreon gab ihm zur Verm\u00e4hlung seine Tochter Megara &#8230; Dies war die Zeit der Umnachtung des Herakles, sagte Heilmann &#8230; Er merkte, bet\u00f6rt von den Reizen der Megara, nicht einmal, da\u00df seine Leibgarde ermordet und verscharrt worden war, kein Warnruf drang \u00fcber die Schlo\u00dfmauern zu ihm hinauf, und als er zum ersten Mal wieder, in seidenem Gewand, durch die Tore hinausging in die Stadt, in der, wie er meinte, die Epoche des Wohlstands begonnen hatte, fand er nur Bettler und verwilderte Kinder, die Steine nach ihm warfen, und ein paar vorbeigehende Handwerker wandten sich, als er nach ihnen rief, von ihm ab., Ein einziger <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=141\">Augenblick<\/a> der Unaufmerksamkeit konnte alles Erreichte zunichte machen, und nun waren Monate, vielleicht sogar Jahre <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=208\">vergangen<\/a>, die er unt\u00e4tig verbracht, der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=305\">Gegner<\/a> aber genutzt hatte. &#8230; Wie hatte Herakles damit rechnen k\u00f6nnen, fragten wir uns, am Kanal, gelehnt ans ru\u00dfige Eisengel\u00e4nder, mit Kn\u00e4ufen, wei\u00dfbefleckt vom Vogelkot, da\u00df andere schon dagewesen w\u00e4ren, das von ihm Begonnene weiterzuf\u00fchren, wie hatte er glauben k\u00f6nnen, da\u00df eine vereinzelte Tat als Beispiel gen\u00fcgte, wie die Umw\u00e4lzung zu erreichen sei. Er heulte vor Zorn, sagte Heilmann, er tobte im Schlafzimmer, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=159\">weniger, weil dies ihm widerfahren war<\/a>, ihm, der sich doch zu wehren verstand, sondern weil er die unz\u00e4hligen anderen, die schw\u00e4cher waren als er, und ohne Einflu\u00df, im Stich gelassen hatte. Ehe er sich herausk\u00e4mpfte aus den Spie\u00dfen, die ihn umzingelten, erschlug er seine <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=78\">Frau<\/a> und auch die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=111\">Kinder<\/a>, die sie ihm geboren hatte, alles, was ihn an die Oberen band, jede Verwandtschaft mu\u00dfte ausgel\u00f6scht werden, hier gab es keine Vers\u00f6hnung, und wir stimmten seiner Raserei zu, als grade ein Trupp der <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1697\">schwarzen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=113\">Totengr\u00e4ber<\/a>, den Totenkopf an der M\u00fctze, gr\u00f6hlend vorbeizog. &#8230; Seine Vers\u00e4umnisse und die ver\u00e4nderte Lage im Land begreifend, mu\u00dfte er sich jetzt einem langwierigen Plan zuwenden, mit dem er hoffte, das <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=28\">System<\/a> der Mi\u00dfgunst, der Herrschsucht und des Meuchelmordes &#8230; zu \u00fcberwinden. &#8230; Als Herakles dann aus dem Gebirge von Erymanthos kam mit einem eingefangenen Eber, das gewaltige schaumtriefende Tier, an den Hinterbeinen hochgehoben, vor sich her in den Palast f\u00fchrte und in den Thronsaal, wo der von <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=92\">Gott<\/a> gesandte K\u00f6nig sich bebend vor Furcht in einen Tonkrug verkroch, gab es, bei aller Not, ein gro\u00dfes Gel\u00e4chter, und manche begannen zu ahnen, was Herakles beabsichtigte. &#8230; Zwar waren immer noch viele der Ansicht, da\u00df all das Wild, das er gejagt, all die Herden von Vieh, die er eingebracht hatte, doch nie ihnen, sondern immer nur den h\u00f6fischen Herrn zugute kamen, andre aber machten sich auf, um es Herakles gleichzutun und die Gegenden jenseits des Archipelagos zu erkunden. Eine Zeit der Meeresfahrten, der umw\u00e4lzenden <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=90\">Entdeckungen<\/a> brach herein. W\u00e4hrend die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=177\">Aristokraten<\/a> ihre <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=59\">Denker<\/a> zu immer gr\u00f6\u00dferen Anstrengungen trieben, um sich die fernen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=95\">Taten<\/a> des Herakles zu ihrem Vorteil <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=136\">ausmalen zu lassen<\/a>, sprachen die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=65\">Eigentum<\/a>slosen von ihm als dem ihren. &#8230; die <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=234\">Arbeitenden<\/a> [bereiteten] sich auf den Tag vor, an dem er wieder unter ihnen sein w\u00fcrde &#8230; Noch w\u00fcteten die Folterknechte, und die Kerker f\u00fcllten sich mit jedem, der willk\u00fcrlich der Unzufriedenheit verd\u00e4chtigt wurde. Wo aber die wahren Gefangenen sa\u00dfen, zeigte sich eines <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=188\">Morgens<\/a>, vor Sonnenaugfgang, als Herakles in Theben eintraf, in Begleitung eines riesigen Hundes, bei dessen Geheul alles, was ein festes Haus hatte, sich unter den Betten verkroch, w\u00e4hrend die in den H\u00fctten, oder die, die unter freiem Himmel n\u00e4chtigten, aufhorchten und ihm entgegenliefen, als h\u00e4tte sie eine frohe Posaune gerufen. Den seit altersher als unangreifbar dargestellten W\u00e4chter der h\u00f6llischen <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=160\">Ordnung<\/a> hatte Herakles, bei seinem letzten Vorsto\u00df ins Innre des Weltbaus, mit Leichtigkeit, singend, wie gesagt wurde, aus den erdigen Tiefen raufgezogen &#8230; die Bewohner von Theben &#8230; sahn, auf welch d\u00fcrren r\u00e4udigen Beinen sich die Herrschaft von Betrug und <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=212\">L\u00fcge<\/a> aufrecht hielt &#8230; Zuende also mit der Festschmiedung ans Leiden f\u00fcr den, der das Neue dachte, offen alles in Theben, in Mykene, f\u00fcrs Zeitalter der Gerechtigkeit. &#8230; [Aber] nicht <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=81\">Frieden<\/a> folgte nun, davon h\u00e4tten wir doch <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=220\">geh\u00f6rt<\/a>, vielmehr brachen weitere Feldz\u00fcge an, <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=117\">Kriege<\/a>, umfassender als je zuvor. Herakles lie\u00dfe sich jetzt jedoch nicht mehr <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=98\">wegdenken<\/a> von der Seite der Versklavten, sagte Heilmann, beim Kreischen der R\u00e4der einer vollbeladenen Stra\u00dfenbahn, die, vom Alexanderplatz kommend, in die Rosenthaler Stra\u00dfe einbog, er habe verdeutlicht, da\u00df allen Zauberspr\u00fcchen begegnet, da\u00df alles sagenhafte Getier \u00fcberwunden werden konnte, und ein Sterblicher sei es, der solches vermochte. &#8230; Und doch, sagte Heilmann nach einer Weile, als wir ins zerschli\u00dfne, von gekr\u00fcmmten Titanen gest\u00fctzte Hoftor traten, und doch kam er um unter furchtbarer Pein, niemandem gelang es, ihm das mit dem vergifteten Blut des Nessos getr\u00e4nkte Hemd von der Haut zu rei\u00dfen, und ihn daran zu hindern, sich im <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=1213\">Wahnsinn<\/a> des Schmerzes in den immer brennenden Scheiterhaufen zu werfen, auf dem Berg Oite.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>Peter Weiss: Die \u00c4sthetik des <a href=\"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/?p=216\">Widerstandes<\/a>. Werke in sechs B\u00e4nden, Dritter Band, Frankfurt (Main): Suhrkamp 1991: S.20-25.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Herakles aber zog Linos, dem Lehrer, der seinem Sch\u00fcler weismachen wollte, die einzige Freiheit, die es g\u00e4be, sei die Freiheit der Kunst, den Hut so hart \u00fcber die Augen, da\u00df ihm das Nasenbein brach, und als der Magister weiterhin behauptete, die Kunst sei zu allen Zeiten unabh\u00e4ngig von den jeweiligen Wirrnissen zu genie\u00dfen, steckte er [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=97"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5193,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97\/revisions\/5193"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=97"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=97"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.woydt.be\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=97"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}