MALTE WOYDT

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Corona

“Pour un enfant ou un adolescent, le temps s’écoule de manière bien différente, il n’a pas la même prégnance. Pour imager mon propos, on pourrait se représenter qu’à l’échelle d’une vie, un an pour un enfant de dix ans équivaudrait subjectivement à six années pour un homme de soixante. Et six années pendant lesquelles chaque instant devrait être mobilisé par une indispensable construction physique, affective et psychique. Six années sans mémoire dans laquelle aller puiser les ressources nécessaires au décodage du présent. Les conséquences sur ces jeunes des mesures de confinement sont foudroyantes. Si déjà, dans le ‘monde d’avant’, les phénomènes de décrochage et de désaffiliation observés étaient interpellants, ils ont pris aujourd’hui des proportions affolantes. Les jeunes que j’ai rencontrés ces dernières semaines se construisent en marge, dans un monde parallèle au nôtre auquel ils n’ont aucune velléité de s’affilier et auquel ils n’accordent aucun crédit. Ils s’auto disqualifient. Nous nous bâtissons un monde futur peuplé d’électrons libres s’inventant isolément des valeurs (ou non valeurs) aussi diverses qu’aléatoires.”

aus: Marc De Koker: Les jeunes que j’ai rencontrés ces dernières semaines se construisent en marge, dans un monde parallèle au nôtre. La libre en ligne, 4.2.21, im Internet.

02/21

05/02/2021 (12:29) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Néocolonialisme

aus: Grégory Jarry / Otto T.: Petite histoire des colonies françaises. Tome 4: La Françafrique. Poitiers: Flblb 2011.

02/21

04/02/2021 (0:39) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Meinungsmüde

“Ich bin meinungsmüde. Jetzt ist es raus. Es gibt keinen Grund, mich dafür zu entschuldigen. Ich bin rechtschaffen meinungsmüde. Wenn die Leute sich schon wegen einer Straßenbahn (ja oder nein?) die Freundschaft kündigen, dann stimmt etwas nicht. Fundamental. …

Müde bin ich der Meinungen anderer Leute, die mir unablässig unter die Nase gehalten werden, auf dass ich sie annehme oder verwerfe. …

Müde bin ich auch der Zumutung, mir fortwährend eigene Meinungen bilden zu müssen. …

Meinungen dulden keine Meinungen mehr neben sich. Zugleich werden unsere Meinungen bei jeder Gelegenheit abgemolken. Essen, Urlaub, Sex, Literatur. Jede Frage ist eine Gretchenfrage. Es ist inzwischen fast unmöglich, zu einem beliebigen Sachverhalt keine Meinung aus dem Ärmel zu schütteln – die dann wiederum einer kritischen Bewertung unterzogen, beurteilt oder verurteilt wird.

Wer einen Grund für gesellschaftliche Spaltungen oder Zersplitterungen sucht, der könnte hier fündig werden. In Gullivers Reisen entzündet sich der Krieg zwischen Liliput und Blefuscu an der Frage, ob das Ei am spitzen oder stumpfen Ende aufzuschlagen sei. Allzu weit sind wir von dieser Satire nicht entfernt.

Heute ist es nicht die Zudringlichkeit der Welt an sich, die uns unter Stress setzt. Es ist der allseitige Zwang, rund um die Uhr, sich eine Meinung zu ihr zu bilden. …

[Die] spielerische Gelassenheit … [ist] verloren gegangen … Heute herrscht von links wie rechts ein übergriffiges Bescheidwissertum, ein resolutes ‘Ich meine, du auch meine – sonst blocke ich dich, entfreunde dich, schneide dir mit einem Küchenmesser die Kehle durch!’

Das ermüdet. …

Wer aber eine Haltung hat, der braucht im Prinzip überhaupt keine Meinungen. Er hat eine Haltung zur Welt, der er nicht fortwährend durch das Freilassen von Kampfhähnen beizukommen versuchen muss. Wer eine Haltung hat, ist durch abweichende Meinungen nicht zu kränken oder zu reizen. Ich meine, du deine.

Es könnte sogar sein, dass eine gut begründete Meinung ihn überzeugt. Was eine echte Haltung ist, das wäre dadurch nicht zu erschüttern.

Und manchmal ist es angebracht, eine Runde zu schlafen. Guten Gewissens. Unserer Gesundheit, aber auch jener der Gesellschaft zuliebe. … Meinungsfreiheit beinhaltet auch die Freiheit, einfach mal keine Meinung zu vertreten oder, umgekehrt, unerhebliche Meinungen … gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen. Hin und wieder haben wir Wichtigeres zu tun.”

aus: Arno Frank: Ich bin so meinungsmüde, taz futurzei, 08.12.20, im Internet

01/21

31/01/2021 (12:59) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Vertrauenswürdigkeit

(Adrian Piper, «The Probable Trust Registry: The Rules of the Game #1–3» (2013). E. Frossard/Adrian Piper Research Archive Foundation Berlin)

Das Werk besteht aus drei schiefer­grauen Wänden, vor denen goldene Rezeptions­theken platziert sind und auf denen jeweils ein Satz in goldenen Lettern steht: «Ich werde immer zu teuer sein, um gekauft zu werden», «Ich werde immer meinen, was ich sage» und «Ich werde immer das tun, was ich sage» («The Probable Trust Registry: The Rules of the Game #1–3», 2013).

Die Besucher können an diesen drei Rezeptionen einen Vertrag unterschreiben, in dem sie sich verpflichten, sich an eines, zwei oder alle drei dieser Versprechen zu halten. Nach dem Ende der Ausstellung erhält jeder Unterzeichnende eine Liste aller anderen Unter­zeichner, allerdings ohne Kontakt­informationen, die nur mit Einverständnis der anderen Partei heraus­gegeben werden.

aus: Adrian Piper, zitiert durch Jörg Heiser: Eine hässliche Geschichte aus dem liberalen Amerika, Republik (Zürich) 15.02.2020, im Internet

01/21

28/01/2021 (15:17) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Aufrichtigkeit

“Ich habe unzählige Kollegen und ehemalige Freunde beschämt, in Verlegenheit gebracht oder vor den Kopf gestossen, […] weil ich voraussetzte, dass ich ihrem Wort – wie einst dem meiner Eltern – trauen konnte. Ich brauchte Jahrzehnte, bis ich kapierte, was das Problem war: Da ich in einem Umfeld aufgewachsen war, in dem die Menschen meinten, was sie sagten, fehlte mir die Fähigkeit, zwischen aufrichtigen Äusserungen und lediglich höflichen oder diplomatischen Floskeln zu unterscheiden.”

aus: Adrian Piper, zitiert durch Jörg Heiser: Eine hässliche Geschichte aus dem liberalen Amerika, Republik (Zürich) 15.02.2020, im Internet

01/21

28/01/2021 (14:58) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Kennis

“Empiristen dachten … dat kennis van buiten kwam, door de ervaringen. Maar dan is het probleem dat we nooit algemeen geldige uitspraken zouden kunnen doen. Het beroemde biljartballenvoorbeeld van Hume illustreert dit: ik zie biljartbal A naar biljartbal B rollen, en daarna rolt bal B weg. Maar ik kan niet concluderen dat de botsing van A het rollen van B veroorzaakt. Veroorzaking zit niet in de ervaring.

Kant beantwoordt de vraag ‘hoe is kennis mogelijk’ door het hele idee om te draaien. Net als Copernicus, die stelde dat niet de zon om de aarde maar de aarde om de zon draait. Zo zei Kant: we richten ons verstand niet naar de werkelijkheid, de werkelijkheid richt zich naar ons verstand. Daarmee bedoelt hij dat wij een bepaalde structuur opleggen aan de werkelijkheid, die er dus niet als zodanig, in zichzelf in zit. Die structuur maakt deel uit van ons kenapparaat. Wij kunnen de werkelijkheid niet anders zien dan gestructureerd door oorzaak en gevolg. Of gestructureerd in ruimte en tijd. Ruimte en tijd zitten niet daarbuiten, maar hierbinnen, en alle dingen die wij waarnemen hebben die structuur. Dat stelt ons in staat om algemeen geldige uitspraken te doen, tussen ons mensen, want we hebben allemaal de rede en ervaren daardoor op dezelfde manier. Hiermee doorbrak Kant de patstelling waarin het denken over kennis was geraakt.’

aus: Toske Andreoli: De vijf beste ideeën van Immanuel Kant volgens Thomas Nys. De Groene Amsterdammer, 24 nov 2014, im Internet.

01/21

14/01/2021 (10:53) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Verschwörungstheorien

“… Wenig überraschend gibt es daher sogar eine Verschwörungstheorie über den Ursprung des Wortes ‘Verschwörungstheorie’. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert. In seiner modernen Bedeutung wird er erstmals kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Karl Popper in ‘Die offene Gesellschaft und ihre Feinde’ verwendet. Die Verschwörungstheoretiker*innen aber behaupten, dass der Begriff in den Sechzigerjahren von der CIA erfunden wurde, um Kritiker an der offiziellen Version des Kennedy-Attentats mundtot zu machen. …

Vor allem aber erfasst ‘Verschwörungstheorie’ am besten, wie diese Gedankengebäude funktionieren. Verschwörungstheorien haben mit Alltags- oder wissenschaftlichen Theorien auf einer formalen Ebene viel gemeinsam, wie der Philosoph Karl Hepfer in seinem lesenswerten Buch zum Thema zeigt. Wie andere Theorien auch versuchen Verschwörungstheorien, auf der Grundlage miteinander verknüpfter Annahmen (die Analytische Philosophie spricht hier von ‘Sätzen’) Erkenntnisse über die Welt zu gewinnen. Verschwörungstheorien nehmen an, dass nichts durch Zufall geschieht, nichts ist, wie es scheint, und alles miteinander verbunden ist. Dass Erkenntnisse, die auf Grundlage dieser Annahmen generiert werden, in der Regel falsch sind (es gibt halt den Zufall!) ändert nichts am Theoriestatus.

Immer wieder wird behauptet, dass Verschwörungstheorien anders als wissenschaftliche Theorien nicht falsifiziert werden können. Auch das stimmt nicht. Im Internet gibt es mittlerweile viele sehr gute Debunking-Seiten, die verschwörungstheoretische Behauptungen widerlegen. Das Problem ist nur, dass überzeugte Verschwörungstheoretiker*innen die Falsifikation nicht akzeptieren. Aber selbst das gibt es auch in der Wissenschaft und im Alltag. Ein marxistisch argumentierender Wirtschaftswissenschaftler wird zum Beispiel niemals akzeptieren, dass eine neoliberale Kollegin ihn und seine Prämissen widerlegt hat. Er wird darauf bestehen, dass sie von falschen Voraussetzungen ausgeht und verkennt, wie die Dinge wirklich sind. …

Der Begriff ‘Verschwörungstheorie’ erfasst das Phänomen, um das es geht, also sehr gut – und deutlich besser als alle vorgeschlagenen Alternativen, die zum Oberbegriff nicht taugen …

Der Begriff ‘Verschwörungstheorie’ hat also zwei große Vorteile. Erstens eignet er sich als Oberbegriff, weil er alle konspirationistischen Phänomene erfasst – 280 Seiten lange Verschwörungserzählungen ebenso wie in 280 Zeichen artikulierte Verschwörungsgerüchte und jahrhundertealte Verschwörungsmythen ebenso wie ganz neue Verdächtigungen. Zweitens betont er trotz aller Stigmatisierung, die auch ihm inhärent ist, dass es Verschwörungstheoretiker*innen wie Nichtverschwörungstheoretiker*innen darum geht, die Welt zu verstehen. Während immer nur ‘die Anderen’ Ideologien haben und Erzählungen glauben, erkennt ‘Verschwörungstheorie’ an, dass wir alle Theorien über die Welt entwickeln. Dass die Theorien der einen die Welt treffend erklären, die der anderen nicht, bleibt davon unberührt.”

aus: Michael Butter: Verschwörungstheorien: Nennt sie beim Namen!, Zeit Online, 28.12.20, im Internet

12/20

28/12/2020 (19:56) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Revolution 4

“‘I always wanted successes in the near term, and with experience I’ve come to the conclusion that real successes need 25 years,’ he says. ‘Take a country like Ukraine: it had a number of revolutions, and they each failed, and now you had a free and fair election,’ he says …

In the 2004 Ukrainian election, exit polls conducted by a Soros foundation showed a very different result to the official count, and Viktor Yanukovych, who had ‘won’ the first vote, was forced to concede. He came back to power in 2010, before being toppled amid violent clashes in 2014.

These revolutions, Soros says, were inevitable but not sufficient. ‘Dictators, if they are successful, always go too far, because there are no checks and balances to stop them… The point comes where people who have been cowed into obedience rebel, and there’s a revolution. Revolutions generally don’t succeed. You need to develop institutions, which is what open societies are all about.’ In the past, Putin has blamed Soros for sparking unrest – something he denies, but in a qualified manner that would hardly reassure the Russian president. ‘It was the people of the country who rebelled,’ he says. ‘And I enabled them to do it by various steps that the foundations took, like reliable exit polls.’ It is this approach that has so exercised his critics: few authoritarians would feel threatened by the distribution of mosquito nets or emergency food supplies; but the funding of critical media, legal aid NGOs and minority rights advocacy groups is a different matter.”

aus: George Soros: ‘Brexit hurts both sides – my money was used to educate the British public’ Interviewed durch Shaun Walker, The Guardian online, 2.11.19, im Internet

11/20

07/12/2020 (0:03) Schlagworte: EN,Lesebuch ::

Normal 2

Boring, reassuring, normal – these are Biden’s great strengths. But he needs to be careful. They could also be his great weaknesses.

That’s because any return to ‘normal’ would be disastrous for America.

Normal led to Trump. Normal led to the coronavirus.

Normal is four decades of stagnant wages and widening inequality when almost all economic gains went to the top. Normal is 40 years of shredded safety nets, and the most expensive but least adequate healthcare system in the modern world.

Normal is also growing corruption of politics by big money – an economic system rigged by and for the wealthy.

Normal is worsening police brutality.

Normal is climate change now verging on catastrophe.

Normal is a GOP that for years has been actively suppressing minority votes and embracing white supremacists. Normal is a Democratic party that for years has been abandoning the working class.”

aus: Robert B Reich: Beware going ‘back to normal’ thoughts – normal gave us Trump. Guardian online, 29.11.20, im Internet.

11/20

29/11/2020 (12:39) Schlagworte: EN,Lesebuch ::

Stadt 3

“… für ein städtisches Publikum, das heißt für Menschen, die auch Ironie verstehen. Das kennt j a jeder Autor, der auch in der Provinz reist, und in den großen Städten reist, oder auch in Ostdeutschland reist oder auch in Westdeutschland reist – man kann das Publikum danach unterscheiden, ob es sich getraut zu lachen oder nicht.”

In großen Städten ist der Lachmut größer?

“Ja, die Bereitschaft, Ironie zu verstehen oder heitere Impulse zu übersetzen ist sehr viel deutlicher, während man in anderen Gegenden mehr Einschüchterung durch Bildung beobachtet, und solche Menschen halten sich mit Äußerungen, aber auch mit Zustimmungsäußerungen lieber zurück.”

aus: Abrechnung mit den »Querdenkern«, Peter Sloterdijk bei Spitzentitel, Interview mit Volker Weidermann, Spiegel Online, 26.11.20, im Internet

11/20

27/11/2020 (11:56) Schlagworte: DE,Lesebuch ::
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