MALTE WOYDT

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Schuld 2

“Die Frage nach der Schuld bestätigt oft schon die halbe Unschuld – dem, der fragt.”

aus: Ludwig Marcuse: Plato und Dionys. Geschichte einer Demokratie und einer Diktatur. Berlin: Blanvalet 1968 (1950), S.36.

04/22

18/04/2022 (1:01) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Gerechtigkeit

“Wer sich einmal ausrechnet, wieviele Experimente seit Prometheus nötig waren, um das Streichholz zustande zu bringen, wird aus dem Mißerfolg des platonischen Experiments zur Schaffung einer Gesellschaft ohne Krieg und Ungerechtigkeiten nicht gleich die pessimistischsten Konsequenzen ziehn …”

aus: Ludwig Marcuse: Plato und Dionys. Geschichte einer Demokratie und einer Diktatur. Berlin: Blanvalet 1968 (1950), S.309.

04/22

18/04/2022 (0:58) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Souveränität

Staaten unterscheiden sich heute generell nur noch darin, daß sie Atomwaffen haben oder nicht. Die Souveränität der nicht-nuklearen Staaten ist insofern eingeschränkt, als diese nicht-nuklearen Staaten niemals über Existenzfragen der Nuklearmächte entscheiden, umgekehrt aber sehr wohl. Die einzige Souveränität, die nicht-nukleare Staaten haben, ist: ja oder nein zur Stationierung auf ihrem Boden zu sagen.”

aus: Egon Bahr: “Wir sind das erste Schlachtfeld”, Interview, Spiegel Online, 7.5.89, im Internet.

04/22

17/04/2022 (1:20) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Vernünfteln

“Die Sanktionen sollen Putin und sein Umfeld treffen, nicht die arbeitende Bevölkerung und erst recht nicht die Armen… Eine Rezession könnte Putin am Ende sogar nutzen und die Vorbehalte vieler Russen gegen den Westen noch vertiefen… – für all die Gründe, die Politikerinnen und Manager in diesen Wochen erfinden, um der ‘Zeitenwende’ keine Konsequenzen folgen zu lassen, hat Immanuel Kant den schönen Begriff des ‘Vernünftelns’ erfunden: Der Mensch ist von Natur aus, sprich ‘radikal böse‘, insofern er als Mensch all seinen Erfindungsreichtum nutzen kann, um mit immer neuen Gründen und Einsprüchen sein Gewissen still zu stellen – und seine Willensfähigkeit, um gegen das ‘moralische Gesetz’ zu verstoßen.

Aber wir müssen doch mit Russland ‘im Gespräch’ bleiben? … Gewiss. … Wohl aber geht es jetzt entschieden darum, Putins Russland zu schwächen und die Ukraine in die Lage zu versetzen, es möglichst zu besiegen. Dann sehen wir weiter.”

aus: Dieter Schnaas: Tun wir genug dafür, dass Putin diesen Krieg verliert?, Zeit Online, 3.4.22, im Internet.

04/22

03/04/2022 (19:01) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Tugend

“Die Tugend … setzt uns durch Handlungen sogleich in eine solche Stimmung, daß wir nicht nur die Werke bewundern, sondern auch denen, die sie verrichtet haben, nacheifern. … Denn das Gute zieht uns auf eine wirksame Art an sich und erweckt sogleich einen tätigen Entschluß; es bildet den Charakter dessen, der es betrachtet, nicht durch Nachahmung, sondern bewirkt in ihm den festesten Vorsatz schon durch bloße Betrachtung des Werkes.”

aus: Plutarch: Perikles. In: Lebensbeschreibungen, Übersetzung von Kaltwasser, bearbeitet von Hanns Floerke, München/Leipzig: Müller 1913 (Griechisches Original vor dem Jahr 120), Bd.1, S. 392.

04/22

02/04/2022 (2:07) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Haustiere

“Als einst Cäsar in Rom einige reiche Ausländer erblickte, die junge Affen und Hunde im Busen mit sich herumtrugen und auf das zärtlichste behandelten, fragte er sie, ob denn bei ihnen die Weiber keine Kinder zur Welt brächten, und gab mit dieser, einem Fürsten sehr anständigen Rede denjenigen einen Verweis, welche die uns angeborene Liebe und Zärtlichkeit, auf die nur Menschen Anspruch haben, an die Tiere verschwendeten. So kann man ja wohl auch, da unsere Seele von Natur einen gewissen Trieb zu lernen und zu sehen besitzt, mit allem Rechte diejenigen tadeln, welche diesen Trieb auf Dinge, die zu sehen oder zu hören der Mühe nicht wert ist, wenden und darüber das Gute und Nützliche hintenansetzen. …”

aus: Plutarch: Perikles. In: Lebensbeschreibungen, Übersetzung von Kaltwasser, bearbeitet von Hanns Floerke, München/Leipzig: Müller 1913 (Griechisches Original vor dem Jahr 120), Bd.1, S. 390.

04/22

02/04/2022 (2:02) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Aufrüstung

“Wozu [könnte] eine beispiellose konventionelle Aufrüstung Westeuropas dienlich sein …, wenn doch konventionelle Kriege zwischen den Atommächten gar nicht mehr führbar sind ohne Vernichtung der Welt, die verteidigt werden soll? Gibt es die atomare ‘Abschreckung’ oder nicht? Einmal ganz abgesehen davon, dass die Kriegsexperten glaubhaft versichern, die Feuerkraft der Unsrigen sei derjenigen des östlichen Feindes schon jetzt zehnfach überlegen.

Nichts gegen einen schönen Konjunkturschub nach zwei Jahren bitterer Coronanot! Aber dass der Regierung dazu nichts Besseres einfällt als ein 100 Milliarden-Rüstungsprogramm, hätte vor 25 Jahren zum Massenhungerstreik sämtlicher Landeskirchen, Gewerkschaften, Universitäten und Biobauernhöfe geführt. Und zwar zu Recht.”

aus: Thomas Fischer: Unser Krieg: Nur die Wahrheit! Spiegel Online, 1.4.22, im Internet.

04/22

02/04/2022 (0:56) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Gutsein

“Die Glaubhaftigkeit des derzeitigen Abscheus vor völkerrechtswidrigen Kriegen relativiert sich ein bisschen, wenn man bedenkt, dass Katar bis 2017 Teil der von Saudi-Arabien geführten Interventionstruppen im Jemen war, die dort seit 2015 Kriegsverbrechen begehen, und nur wegen Verdachts der direkten Finanzierung unter anderem des IS ausgeschlossen wurde. Infolge des grausamen Aggressionskriegs sind inzwischen 90 Prozent der Zivilbevölkerung von Hunger, Durst und Seuchen bedroht, Zehntausende getötet, vier Millionen Flüchtlinge leben im Elend. Die Bundesregierung genehmigte vom Beginn des Kriegs an jährlich steigende Waffenexporte an kriegsbeteiligte Staaten, im Jahr 2020 für mehr als eine Milliarde Euro. Dies, am Rande, zur Rechtssehnsucht. …”

aus: Thomas Fischer: Unser Krieg: Nur die Wahrheit! Spiegel Online, 1.4.22, im Internet.

04/22

02/04/2022 (0:44) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Rußland 1

“Willst du als Rekrut überleben, musst du zuerst zum Sklaven werden, deine Menschenwürde fahren lassen. Später wirst du von einem Sklaven zu einem Herrn, nun bist du an der Reihe, die Neuen zu prügeln, ihnen in die Stiefel zu pissen, sie eine mit Schuhwichse beschmierte Brotscheibe essen zu lassen, ihnen die von zu Hause zugeschickten Lebensmittel wegzunehmen.

Die meisten russischen Männer absolvieren diese Sklavenausbildung und tragen die erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in jede Familie. Die Brutalität in Alltagskonflikten in meinem Land ist erschreckend. Toleranz ist so gut wie unbekannt. …

Monatlich starben (in der Friedenszeit!) durchschnittlich 88 Soldaten und Offiziere, das macht jährlich 1064 Soldaten, 276 von ihnen durch Selbstmord und 16 durch physische Misshandlungen der Vorgesetzten und anderer Soldaten.

Das waren die Zahlen aus offenen Quellen. Später begann die Putin’sche Armeereform. In den letzten Jahren wurden solche Daten … geheim gehalten. …

Es war gang und gäbe, dass Kommandanten an tschetschenische Rebellen Waffen und Informationen verkauften, mit anderen Worten: das Leben ihrer eigenen Soldaten.

Der bekannte Journalist Arkadi Babtschenko, der selber in Tschetschenien gekämpft hatte, formulierte den berühmt gewordenen Grundsatz der Soldatenmoral in der russischen Armee: ‘Deine Heimat wird dich immer im Stich lassen, mein Sohn, immer.’ …

Was die Kriegsführung in der Ukraine betrifft, so gilt für die russische Armee die gleiche bewährte Taktik wie in allen früheren Kriegen: unermüdlich Soldatenmassen zu verfeuern. Russland hat einen Vorteil, der der gesamten zivilisierten Welt vorenthalten bleibt: Putin kümmert sich nicht darum, wie viele Tausende oder Zehntausende Soldaten er in der Ukraine opfert. …

Putin lehnte das Angebot des IKRK ab, die Leichen russischer Soldaten aus der Ukraine nach Russland zu überführen. Das ist alles, was man über die Beziehungen zwischen der Macht und dem Fußvolk in meinem Land wissen muss.”

aus: Michail Schischkin: Hungern, leiden, fliehen: Putins Armee ist eine Sklavenschule, Tagesspiegel Online, 30.3.22, im Internet.

03/22

30/03/2022 (23:32) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

China 4

“Die USA verlieren relativ gesehen an Bedeutung, weil China rasant aufsteigt, sie verlieren aber nicht im absoluten Sinn. Die USA sind immer noch der wichtigste Markt, haben die kreativste Bevölkerung, stehen in der Wertschöpfungskette zwei Stufen über China. Chinesische Ökonomen oder Wissenschaftler sehen das ganz klar. Ich warne meine Landsleute immer wieder: Selbst wenn China zur Volkswirtschaft Nummer eins aufsteigt, bedeutet das nichts.

1820 war China die Nummer eins und erwirtschaftete ein Drittel des Welt-BIP. Die westeuropäischen Großmächte kamen zusammen auf sieben Prozent. Zwanzig Jahre später zwang das britische Imperium China in die Knie.”

aus: Zheng Yongnian: Grenzenlose Freundschaft? Interview durch Xifan Yang, Zeit Online, 18.3.22, im Internet.

03/22

18/03/2022 (19:13) Schlagworte: DE,Lesebuch ::
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