MALTE WOYDT

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Moderne Sozialdemokratie

Eigentlich ist ganz einfach zu verstehen, warum sich die Sozialdemokratie in den letzten zwanzig Jahren so weit von ihren früheren Stammwählern entfernt hat: Die Bildungsrevolution ist schuld! Es waren die Sozis selbst, die in den siebziger Jahren die Universitäten so stark ausgebaut haben. Das hatte zur Folge, daß in den achtziger Jahren alle SPDOrtsvereine von Akademikern überrannt wurden. Von Akademikern, die die anderen einfach gegen die Wand redeten oder argumentierten. Zunächst sorgte das für einen gewissen “Linksruck”, wenn auch ein seltsames “Links“, ein neues “Links” von Umweltschutz und “Atomkraft, nein Danke!”, von “Pershings go home!”. Das war, als die neuen Akademiker noch jung waren, und noch nicht so viel verdienten…

Als dieselben Leute aber plötzlich alle die 2000-Mark-netto-im-Monat-Grenze, bei der bekanntlich “die Gegenaufklärung beginnt“, überschritten hatten, ging alles ganz schnell: Moderne Sozialdemokratie, Dritter Weg, Public-Private-Partnerships, Aktiver Sozialstaat, Shareholer Value und ehe man sich versah, war der Sozialstaat verschwunden…

Und die Arbeiter, die wählen dann entweder gar nicht, oder die einzigen Arbeiterparteien, die noch übrig sind, die Erben der NSdArbeiterPartei… Schon vergessen?

Malte Woydt

12/07

27/12/2007 (22:20) Schlagworte: DE,Notizbuch ::

Propaganda

“De steun van de publieke opinie behouden is cruciaal in oorlogstijd. De politiek verantwoordelijken tijdens de Navo-tussenkomst in de Kosovo-crisis in 1999 waren zich daarvan terdege bewust. Het was de eerste keer in de geschiedenis dat de Navo optrad in een gewapend conflict. …

Toenmalig Navo-woordvoerder Shea … was in het begin van de crisis geneigd de eufemistische retoriek [van de politici] over te nemen. tijdens het conflict leerde hij omgaan met de realiteit. …

Shea: ‘De media willen beelden, meer dan ooit. De Navo had alleen mar de kille en bloedloze videobeelden uit de cockpit. … De publieke opinie was opgetogen, dit was een virtuele oorlog. De echte oorlog bestaat niet meer, er is alleen nog precisieoorlog. Die lijkt op de videospelletjes van onze kinderen …

Maar op 14 april 1999 ontdekten journalisten de beelden van de Servische televisie over het incident met de tractor van Djakovica. Een flater van de Navo. Een schok voor het publiek. En ook voor ons. … We hadden de feiten geminimaliseerd, nog voor we ze zelf echt kenden. … We dachten dat een eenvoudige ontkenning zou volstaan om de media te doen zwijgen. Alsof de media ons zomaar op ons woord zouden geloven.’ …

Het zag er even naar uit dat Milosevic de mediaoorlog aan het winnen was. Voor snelle informatie en interessante beelden waren de westerse journalisten afhankelijk van het vijandelijke kamp, zo moesten de regeringsleiders in London en Washington vaststellen. …

In april kwam Engelands spin doctor nummer één, … Alistair Cmpbell met de Eurostar in Brussel aan. De Britse premier Tony Blair stelde zijn pr-hulpje na overleg met Bill Clinton ter beschikking …Campbell leerde de persdienst van de Navo naar eigen zeggen een paar essentiële handigheden uit zijn arsenaal middelen om de pers te bedwingen. … Zorg ervoor dat je zelf bepaald wat nieuws is. Dis de persmeute elke dagen nieuw verhaal op. Een waar verhaal natuurlijk. Er zijn zoveel ware verhalen mogelijk: het is beter als je zelf suggesties kunt doen. Je laat zoiets niet aan de vijand over. … Elke dag organiseerde de persdienst activiteiten om de mediaruimte te vullen. … Er kwam een eerste ontmoeting met de pers vanaf negen uur ‘s morgens. ‘Je moet de journalisten bezighouden, als ze zich vervelen, gaan ze zelf informatie en andere bronnen zoeken, en wie weet waar ze dan terechtkomen,’ zegt Shea. … ‘We leverden voortaan zelf het slechte nieuws aan de pers. Toen een flatgebouw vlakbij de Servische grens geraakt werd, heeft dat incident veel minder aandacht gekregen dan de tractor van Jakovica. Er werden zelfs geen vragen gesteld op de persconferentie.’ …

[Shea:] ‘De middelen die de journalisten hebben om de zaak te coveren zijn honderd maal rijker dan uw middelen om ze uit te leggen. Ik stond tijdens de hele Kosovo-crisis versteld van de krachtverhouding: wij waren met vijf op de persdienst en we stonden voor honderden goed geïnformeerde journalisten.'”

aus: Michèle van der Plaetsen: De influisteraars. De macht van de spin doctors. Leuven: Van Halewijn 2002, p. 223-233.

12/07

18/12/2007 (1:09) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Maltes und Gaëtanes Lieblingslokale

Version 02/2015: Viele Lokale sind verschwunden…

Alle hier aufgeführten Lokale halten sich preislich sehr im Rahmen, sind meist recht gemütlich, und bieten alle super Essen

Kleine Übersetzung aus den hier gebräuchlichen Sprachen, um Verwirrungen zu vermeiden: “café” oder “bar” heißt Kneipe. “salon de thé” und “koffiehuis” heißt Café. “terasse” heißt, man kann draußen sitzen, also etwa Straßen- oder Gartencafé, aber auch Restaurants können so etwas haben. In “restaurants” ist es wie bei uns nicht gern gesehen, wenn man nur etwas trinken will. “brasserie” oder “eetcafé” zeigt dagegen an, daß man eine Mischung aus Kneipe und Restaurant vor sich hat, und sowohl einfach nur einen Trinken als auch (häufig in guter Restaurantqualität) eine kleine Speisekarte zur Auswahl hat. “fritkot” ist ‘ne Frittenbude, in die meisten Kneipen um eine Frittenbude herum, die nicht selber etwas zum Essen anbieten, kann man die Fritten mitbringen (vorher fragen!). “Pide Salonu” ist eine Art türkische Brasserie, ein Zwischending zwischen Imbißstube und Restaurant.

Vielleicht stimt es tatsächlich, daß auswärts Essen hier etwas teurer ist als in Deutschland, insbesondere im billigsten Preissegment. Man sollte beim Vergleich beachten, daß die in Deutschland üblichen 10% Trinkgeld hier nicht auf den ausgeschrieben Preis aufgeschlagen werden müssen, man legt in Belgien nur ein paar Groschen auf den Tisch, vielleicht 50 Eurocents oder einen Euro. Trinkgeld ist allerdings in der Disco (beim Herausgehen an den Türsteher) und im Kino (die Kartenabreißerin bekommt sonst kein Gehalt!!) fällig. Auf jeden Fall entschädigen die niedrigen Brüsseler Getränkepreise für die etwas teureren Gerichte. Hier kostet eine Cola meist noch 1,80 Euro.

1) Innenstadt

zum Ausruhen vom Einkaufen und schnell was zu Mittag essen: Le Corbeau (etwas teurer), Rue St. Michel, Brüsseler Traditionsbrasserie, weniger als 20m von der Rue Neuve, also mitten im Trubel. Steak bearnaise (maison!) ausprobieren… In der Zwischenzeit hatten wir mehr als einmal beim Corbeau schlechte Überraschungen mit den Küchenzeiten erlebt – ohne uns sich erschließendes System ist die Küche häufig geschlossen, wenn man gerade etwas essen will.

Das Straßencafé vom Au St. Hic, Place Rouppe, (Tram 23,52,55,56,81 “Anneessens”, Bus 118,HL,LK,LN,RH “Rouppe”) – innen zu verraucht, aber draußen super. Immer noch mitten im Zentrum aber Oase der Ruhe, bietet zumindest eine gute scharfe “Bolo”, Spaghetti Bolognese. Nett auch das flämische Gemeinschaftszentrum De Markten (wenn Ihr kein Niederländisch sprecht, versucht es eher auf deutsch oder englisch denn auf französisch… :-)). Als Kneipen zum draußen sitzen sollten noch die Pioniere des Metiers genannt werden: Le Soleil, Ecke Rue de Grandes Carmes/Rue du Marché au Charbon und Zebra, Place St.Gèry.

Eine große Auswahl an vegetarischen Quiches und Gemüse-“tartes” bietet L’Arcadi, Rue d’Arenberg, direkt am Ausgang der Galerie St. Hubert (Bus 29,60,65,66,71 “Arenberg”). Das Lokal wurde irgendwann stark vergrößert, man findet trotzdem nicht viel leichter einen Tisch – und die Organisation der Bedienung hält mit der Vergrößerung leider nicht Schritt

Wer wie die meisten Belgier mittags einen Sandwich sucht, kann mit etwas Geduld beim Schlangestehen im Au Suisse am Bd. Anspach, schräg gegenüber von der Börse sicher auf seine Kosten kommen.

Nett ist Le papier de la feuille dorée, Rue des Alexiens in der Innenstadt und das (trotz Touristen nette) A la becasse, in einer namenlosen sehr schmalen Seitengasse, Rue Tabora 11, wo es – seltene Spezialität – frisches Lambic-Bier (dessen Gärprozeß nicht gestoppt wurde, weshalb es sich nicht lange hält) aus Tonkrügen gibt.

Von den vielen Lokalen in der Innenstadt fällt mir ein netter Vietnamese ein, Da Kao in der Rue Van Artevelde – gibt auch noch zahlreiche andere im Viertel, Vietnamesen und Chinesen bieten meistens ein sehr günstiges täglich wechslendes Mittagsgericht an. Unser Lieblingsitaliener in der Unterstadt ist das Mirante in der Rue Plattesteen 13, etwas schicker, sehr klein und voll – früh kommen, Reservierung unmöglich… (Bus 34,48,95,96 “Plattesteen”).

2) Marollen

In der Nähe des Place du Jeu de Balle, mit dem Flohmarkt kombinierbar: das Sozial-Kunst-Projekt Recyclart, im Bahnhof La Chapelle, Rue des Ursulines 25 (nette kleine Karte, wochenends und abends leider geschlossen), (SNCB, Bus 20,48,118,HL,LK,LN,RH “Chapelle”).

Die besten Pommes der Innenstadt am Fritkot auf dem Place de la Chapelle.

3) Oberstadt

Viel schöner ist es aber auf dem Place de la Liberté im Viertel Notre Dame de Neige, hinter dem belgischen Parlament – mehrere Cafés mit Tischen draußen unter Bäumen. Wir waren immer in dem links außen, das hat allerdings auch unterdessen Besitzer und Speisekarte gewechselt… In der Rue de l’Enseignement Il fantastico, ein guter Italiener, man wähnt sich in Rom…

4) Watermael-Boitsfort

Das atmosphärisch vielleicht netteste Lokal der ganzen Stadt ist das Psylophon, weit draußen in Boitsfort, Rue de l’Hospice Communal 90, Ecke Rue des Garennes (Tram 94 und Bus 41,42,95 “Wiener”). Gemischte Karte aus belgischen und exotischen Gerichten. Die ganze Straße ist sehenswert. Die Läden sind so wohnlich und die Wohnungen so offen, daß man beide von der Dekoration her nur schwer unterscheiden kann…

5) Schaerbeek

Wir wollen natürlich unsere früheren Nachbarn nicht vergessen, der allerdings leider nur nachmittags geöffnet hat: Glacier Cocozza, Av. des Azalées 8 (Bus 66 “Azalées”; www.cocozza.be). Im Park die Terasse des Schützenvereins Sebastiansgilde (seit 1565!), ein Café ohne erkennbaren Namen und der Minigolf, die nur Getränke servieren. (Bus 66 “Azalées”).

In Helmet die besten Dürüms der Stadt: Suslü, Ch. d’Helmet.

Gleich “um Ecke” ist die türkische Freßmeile von Schaerbeek und St.Josse, der Chaussee de Haecht. Vom Dönerladen bis zum Edelrestaurant mit Bauchtanz ist alles da. Wir ziehen die Pizzeria Koçak vor, nah der Eglise Royal Ste. Marie. (Bus 65,66 “Olivier”, Tram 92,93,94, Bus BM,BK,BH,BZ “Ste.Marie”). Dort Pidé Chef bestellen, am Schließtag ausweichen auf Pizzeria Lale nebenan. Den besten Döner von Brüssel gibt es bei Snack Pacha in der Rue Goossens am Place Pogge (Tram 92,93 “Pogge”, Bus 58,BH,BM,BZ “Collignon”), der Laden wird von einer sympathischen mazedonisch-albanischen Familie geschmissen und im Gegensatz zum Rest von Brüssel, wo man als “Pitta” mickerige Minilabberdöner bekommt, sind die hier riesig und in richtigem Fladenbrot, so wie wir das aus Deutschland kennen…

6) Uccle

Das Brüsseler Traditionseiscafé ist Glacier Zizi, vielleicht schon wegen des anzüglichen Namens. Mädchen mit weißen Rüschenschürzen balancieren große Eisbecherkreationen. Es ist weit draußen in Uccle, Rue de la Mutualité 57 (Ecke Rue Vanderkindere) (Tram 23,90,91,92 “Vanderkindere”).

7) St. Gilles

In St. Gilles gibt es auf dem “Parvis St. Gilles” (Tram 23,55,90) eine nette Art-Deco-Brasserie: Verschueren. Zwei volkstümliche griechische Lokale finden sich in der Rue de l’Argone einen Steinwurf vom Südbahnhof: “Athènes” und “Athanas”. Man sucht sich das – natürlich sehr gute – Essen in der Küche im Kochtopf aus und bekommt es dann zum Platz gebracht.

8) Am Friedhof von Ixelles

Eine ganze Reihe netter Lokale finden sich rund um den Eingang zum Friedhof von Ixelles und in der Chaussee de Bondael (Uni-Viertel, Bus 71,72,95,96 “Cimitière d’Ixelles”): La Becasse, Ch. de Bondael 476 mit sehr gemischtem Publikum macht hervorragende überbackene Zwiebelsuppe…

9) Europaviertel

Am Rande des Europaviertels unser Favorit: “Chez Max”, mit seinem superguten, reichhaltigem “Salade tiéde de Max”, Ecke Rue de Pavie, Rue Charles Quint (Bus 29 Clovis).

Ach so, beinahe hätte ich es vergessen, aber das wissen die meisten sowieso schon: Die angeblich besten, auf jeden Fall sehr guten Pommes gibt es Chez Antoine, mitten auf dem Place Jourdan (mein Tip: Sauce Chinoise piquant oder Sauce Quatre Poivre) – mit den Fritten in der Hand geht’s Chez Bernard gegenüber, um sie dort gemütlich im Sitzen zu essen und etwas dazu zu trinken.

In Ixelles gibt es hinter der Porte de Namur in der Chaussee de Wavre und der Chaussee d’Ixelles einen Haufen von Lokalen zum Ausprobieren, zur Hälfte voll mit Eurokraten, zur Hälfte mit Kongolesen, schön getrennt… An der Ecke Ch. de Wavre/Rue de la longue vie ist ein Pakistaner, [Name vergessen], eigentlich mehr ein Gemischwarenladen, der aber auch an zwei Tischchen scharfe pakistanische Gerichte serviert – unbedingt 1l Wasser mitbestellen! An der Stelle, wo die Chaussee de Wavre einen Knick macht um auf die Rue de Trone zuzulaufen (bus 34, 38, 60, 81, 95, 96 “Parnasse”), hat ein Iraner einen Laden aufgemacht (“Beermania”), in dem es alle 450 handwerklich hergestellten belgischen Biere zu kaufen gibt, und der vor einiger Zeit um ein Café erweitert wurde. Der Inhaber berät Euch für sein Leben gern bei der Auswahl des richtigen Bieres. Er scheint sogar etwas zu essen anzubieten.

11) Jette

Einmal in Jette sollte man auf keinen Fall das Café des Museums Atelier 140 verpassen (Bus 13 “Le Roux”). Museum wie Café werden von dem Polen Wodek unterhalten, der hier Kultur in eine ansonsten verschlafene Ecke der Stadt bringt. Am besten im Sommer, wenn Wodek sein Sofa auf die Straße stellt. Das Chalet Normand am Ende der Av. du Laerbeek ist ein altes Ausflugslokal mit Blick auf Wiese und Wald in der hintersten Ecke von Brüssel, linke Hälfte Selbstbedienung, rechts Brasserie – Einmalig an Sommerabenden, man wähnt sich weit weg (mehr als 10 min. Fußweg vom nächsten Bus: 84, 87 “Veroost” oder 13, 14, 53, 84, 221 “AZ-VUB”).

14) Anderlecht

Am Anfang der Rue de Porcelaine, direkt an der Kirche St.Guido (Metro 1B, Tram 56, Bus 46, 49, 116, 117, 118, LN “St.Guido”) liegt eine Taverne namens Les Treteaux, die haben bei schönem Wetter ein schönes Gartencafé unter den Bäumen, mit Blick auf die Kirche. Die Karte ist kurz, die Küche aber sehr gut.

12/12/2007 (1:43) Schlagworte: DE,uebermich ::

Praktikum in Brüssel?

letzte Änderung: 26.10.2

Jetzt trage ich doch noch mal ein paar Tips für potentielle Praktikanten zusammen, obwohl das bei mir ja schon etwas länger her ist. Aber ich treffe immer wieder auf Leute, denen man die grundsätzlichsten Dinge nicht erzählt hat…

1) Im EU-Brüssel hat ein Praktikum eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Wenn Euch Brüssel als Jobmarkt interessiert, macht Praktika hier am besten nach dem Studium als mittendrin, da sie das Sprungbrett in bezahlte Jobs sind. Die meisten Lobbyistenbüros, Consultants, Subunternehmer der Kommission usw. die hier um die Europäischen Institutionen herumschwirren, haben keinen Nerv hunderte von Bewerbungen zu lesen. Wenn ein Job frei wird, werden häufig einfach Praktikanten gefragt, die gefallen haben. Die müssen dann aber auch vor Ort sein und sofort zur Verfügung stehen. Es gibt Leute, die ihr Studium für einige Jahre unterbrechen für einen Job hier und dananch wieder zurückgehen um die Magisterprüfungen vorzubereiten. Von der Politikervertrauten zurück zur Studentin und dann wieder auf den Arbeitsmarkt – Der einfachste Weg ist das bestimmt nicht.

2) Vielleicht das wichtigste an einem Praktikum in Brüssel ist, daß man da während eines Monats einen Schreibtisch vor Ort hat mit Fax, Internetzugang und Telefon. Ein Praktikum, daß einen so voll auslastet, daß man keine Zeit mehr zum Bewerbungen schreiben hat u.ä., taugt nicht viel. Manche Büros vereinbaren ausdrücklich eine Viertagewoche, um einem einen Tag für die Jobsuche freizuhalten – das halte ich für eine sehr gute Idee.

3) Ich habe immer gefunden, daß unbezahlte Praktika nie länger als einen Monat gehen sollten. In den ersten zwei Wochen investieren die in einen, in den zweiten zwei Wochen gibt man mit Arbeit zurück. In drei einmonatigen Praktika in verschiedenen Bereichen lernt man ungleich mehr als in einem dreimonatigen Praktikum am selben Platz!

4) Völlig verrückt fand ich die beiden Frauen, die ich einmal traf, von denen die eine sechs Monate gratis Praktikum beim DIHT und die andere neun Monate gratis Praktikum beim BDI gemacht hat, in der Hoffnung irgendwann einmal dem charmanten Unternehmer über den Weg zu laufen, der sie einstellte… Es gibt Organisationen, die so in Geld schwimmen, daß man wirklich nicht zu lange gratis für sie arbeiten sollen. Für das European Environment Bureau kann man das ruhig machen, aber doch nicht für den DIHT? In jedem Fall ist ein Praktikum immer unbezahlt, wenn vorher nichts anderes vereinbart wurde…

5) Erwartet nicht den Job fürs Leben. Die meisten Jobs hier sind an Projektmittel gebunden und gehen über einige Monate bis zu einigen Jahren. Der klassische Weg ist, sich hier von einem Job zum anderen zu hangeln, bis mal wieder ein Concours vor der Tür steht, dann auf das bereits erworbene Europawissen noch ein wenig Papierwissen dazu einzupauken und den Test bestehen. Ist alles machbar, keine Hexerei und mitnichten die Elite Europas, wenn die meisten Eurokraten sich auch dafür halten. Allerdings muß man das auch wollen. Willst Du wirklich Dein Leben als Rädchen einer schlechtgeölten Verwaltung zubringen? Dafür muß man schon ein Faible haben. Die Bezahlung ist so gut, daß viele, viele zu Tode gelangweilte und frustrierte Eurokraten den Absprung nicht wagen, weil sie überall anders weniger verdienen würden. Sie sitzen in der Falle… Leute, die nicht Eurokrat werden wollen oder den Test doch nicht bestanden haben, gehen häufig nach einigen Jahren wieder zurück nach Deutschland, wo sie (noch?) stabilere Jobs finden können und Europawissen händeringend gebraucht wird.

6) Ich habe mich von Anfang an mehr für Brüssel und Belgien als für Europa interessiert, deshalb hier natürlich auch ein Hinweis auf den – vom Europabusiness völlig getrennten – belgischen Arbeitsmarkt. Praktika sind da ziemlich unbekannt, die Leute aber meist sehr aufgeschlossen, wenn man ihnen das Prinzip erklärt. Natürlich sollte man dort französisch oder niederländisch oder am besten beide können :-) Interessante bezahlte Jobs werden in Belgien noch mehr als in Deutschland über Beziehungen vergeben. In Bereichen wo viel mehr Interessenten als Jobs da sind (z.B. im Kulturbereich), erfordert es einen langen Atem, um als AusländerIn einen Fuß in die Tür zu bekommen.

7) Noch zwei persönliche Tips: Unser geliebtes deutschsprachiges Käseblättchen, die Brüssel-Rundschau, nimmt regelmäßig PraktikantInnen (unbezahlt). Das ist ein ganz besonderer Job, da die Zeitschrift von so wenig Leuten gemacht wird, daß man als Praktikant den ganzen Produktionsprozeß mitmacht und neben gewissem Pflichtprogramm wie die Veranstaltungen der deutschen Länderbüros stark den eigenen Interessen folgen kann: Kulturveranstaltungen, politische Diskussionen, was auch immer – als Journalist ist man bevorrechtigt dabei, kann seiner Neugier freien Lauf lassen. Außerdem teile ich für KUBI das Büro mit der Rundschau, und finde es immer nett, interessante Praktikanten vorbeischneien zu sehen … Stadtplaner u.ä. mit guten Französischkenntnissen sollten sich mal bei meinem Brötchengeber ARAU melden, das deutschsprachige Programm könnte noch viel Marketing gebrauchen und parallel kann man lernen, wie in Brüssel Städtebau diskutiert wird.

auf bald, Malte

11/12/2007 (20:25) Schlagworte: DE,uebermich ::

über mich titel

titelstory

11/12/2007 (14:42) Schlagworte: DE,uebermich ::

Malte on Malte

(version 12/2007)

malte woydt

Learning

How to find a nice balance between learning and doing? I always wanted to do both. For some years I forced my parents to open their books far more often than they were used to. My sister suffered a severe shock the day she discovered, that I do not know all that what I pretended to know (Nele, the time was great anyway, isn’t it? :-) I was happy, however, to be allowed to go to the kindergarden (hi Gorm, where are you? – I found the idea, to throw burning pieces of paper out of the window, which had swasticas on them rather strange, but I will never forget, that there was “a Danish king, called Gorm…”), and then to school (by the way, Alexander, what are you doing today? – I will never understand, what made us buying Playmobil soldiers in dozens…).

School offers quite a few opportunities to learn. Anyway, 13 years of schooling are rather too much. I do not at all understand anymore, why leftist youngsters – like me at the time – are against shortening the years of schooling in Germany? What is bad with the idea, to change to university with its far greater choice and freedom at the age of 18/19 instead of 19/20? Irish and Belgian university students, however, register at university already as minors, what gives the parents too much influence, that can not be the aim neither. But why not at the age of 18?

my parents

(my parents)

Anyway, school is not life. You can also go to the local library and fetch a basket of books every week (I remember especially the very animating counsils of a young librarian, whose name I do not know anymore). Never to forget the two ladies who helped my parents three times a year to buy a pile of childrens’ books at their bookshop “KiBuLa“…

By the way: Never throw a stamp away! Stamps can make Malte happy, so why to grant them to the garbage? I assure you, that you will never have to regard my stamp collection, when you come along (a German running gag), you only have to have a glimpse on my pictures…

Doing

There came a moment when I did not want to go on with purely consuming ideas, but wanted to share them with others (and not only putting all the burden of listening onto Nele perhaps…). Two opportunities opened the way: Lars (thanks for the years of great co-operation!) and mine school newspaper “Kurzschluss”, followed by the local Young Socialists, run basically by Christian (I am still convinced, that it makes more sense to laugh about politicians than to get depressive, how about you today? :-) ) and me.

“Kurzschluss” and Young Socialists were also great opportunities to learn, how to work fruitfully together with other people having different motivations and ideas, but always reaching consensus and results at the end (Hey Mirko, that’s it, what leads to satisfaction – using other human beings only as tools for your own personal purpose will never satisfy yourself!).

The courses of mathematics for school pupils held at Hamburg university where of a different kind. In the beginning the interest in mathematics and the solving of logical problems was predominant. With time, the chat of breaks and evenings became so important, that there was really no sense to stay anymore, not to disturb the people seriously working over there. Hi, Thomas you also started to work more, when I left, wasn’t it? Still regrettable, however, Basti, your removal to Bielefeld – I always had the impression, to get my brain doubling its rotation, while talking with you.

jusos in cation

(how to inform people about the dangers of the chemical industry,
if a gas mask hinders you to speak?)

Doing politics can be very stimulating, especially if you understand it as enhancing dialogue among people. Campaigns on the streets tell you, that the people out there are much better informed and have a much better political judgement than all party officials together can imagine – referendums are a must! We experienced at the same time, that it is not difficult at all to motivate people for social and political goals, if you only allow them to estimate effectivity and time consumation from the outset.

gulf war mannheim

(the best political action is one which enforces debate on the street
– here mannheim during the gulf war)

German political careers begin usually in back rooms of bars or Greek restaurants. And it is really easy to get further up. You only have to be present in as many committees as possible, without opening your mouth too much and you will move up smoothly. Politics of this kind, is, however, more a state of mind than a profession: You need to sacrify your whole time and interest to party meetings. How could this attract anybody, being interested in other things at the same time (intellectually for example). It’s an automatism, that you will rarely anymore get somebody interested, say in literature or art, into professional politics. Gerlind, did you discover life outside politics in the meantime?

The poor people who invest themselves fully there, do soon not have any perpective outside “the machine” anymore. The main reason, why we can never get rid of bad politicians: they do not know, what to do else…

The best experience was the Peace Movement. There we were really able to get beyond politics as a game of friend and ennemy (Carl Schmitt) and to work together, bridging huge differences (between communists and lutherans for example). Without your great work of holding this club together, Dirk, I would perhaps share most peoples’ view, that this is impossible.

Goodbye Hamburg

The obligatory social service gave insight in social conditions not known before, gave the affirmation, that I am not too lazy to stand full time work getting up in the morning at 6 am, the joy of equal working relations with mentally handicapped without a glimpse of false pity and the discovery that mental handicap is much more a social than a medical indication. Even if it was not too nice, to become “ill” for 6 months, just the very moment, I had started working on my own, Horst – thank you and the others anyway :-)

hamburg harbour

(hamburg harbour)

I always regarded Hamburg as the most beautiful city I know: very green, very much water, an open spirit, a cultural and economic metropolis which does not need to demonstrate its greatness every day – just “Heimat”. Today, I also see the far to large space given to cars in the city, the lack of cosy corners, the awful dominance of concrete buildings in big parts of the city centre, but it rests an advisable place in any case :-). Funny, that I got to know my best friend from school, only the summer after finishing school: Ralph, I am really happy about our trip to Hungary and beyond – we would probably never have stayed in contact as long. And thanks a million for all the help I got from you!

Mannheim

Now goodbye Hamburg! Leaving the parents’ home, exploring another corner of Germany with its different mentalities, attending a less overcrowded university, getting rid of the long distances by moving to a smaller city… Mannheim on the banks of Rhine and Neckar with its unbeatable good wheather…

Soon I learned that Mannheim is not small, it is at least medium sized :-). It is situated in a small country called “Kurpfalz”, surrounded by hostile neighbours who are so extremely different (Suabians, Badenians, Palatinatians, Hessenians and all their subgroups)… Mannheim is rather not so known in Germany but maintains one of its best theaters, a beautiful university, a compact city center and is for Palatinate and Baden-Württemberg something like the door to the outside world. Brief: nice place to live for some years (… and how I miss its sun!).

However, how comes that some cities have a stronger spirit of intellectual thought, a stronger sense of modernity, a livelier public debate and others less? What is provinciality and where does it comes from…?

Changing to Mannheim for studies was an expression of the strong desire to restart intellectual learning. Political activities were reduced to project oriented and time limited work. I started searching for a good balance of work, engagement, “Muße”, learning, reflection and exploration.

Studies were as much a time of social contact. Three-hour lunchbreaks (Christian, are you still explaining Marx to business simpletons?), midnight-gaming brunches (Martin, why not having some spaghetti?), talk and exchange of ideas (Nic and Monika, your parts do not fit into brackets, but you are aware of it anyway, isn’t it?). A new experience: for the first time lots of friends! One day on a visit in Hamburg I realised that entering a pub I was automaticlly looking around, if I wouldn’t know someone – just a Mannheim habit… (Toepfl, how is it going?)

Nevertheless, it turned out that university is not more detached from society than school is, and that it can be quite boring to study if there are too many people around who are only interested in passing the exams rather than exploring the subject.

Nonetheless: university lectures are an offer one can make use of or not, but how to do it, if they are always just in the very moment there are other interesting things coming up? :-) – again, libraries reveal themselves as main source of intellectual inspiration, accompanied now increasingly by second hand book shops and the like…

bookshelves

(one comes after the other…)

While the questions raised by political science do interest me more, it seems to me that I can work much longer on history subjects. However, probably both are more interconnected than one might think. My main interest are societies and cultures in comparison. why countries develop differently? and how to learn from the other’s experiences?

As the studies proceeded, one question became bigger and bigger: The huge number of single elements, which make up our picture of the world, where do they come from, who thought them first, how comes, that they seem to build a coherent network while deriving from more than 2000 years of (political) thought? (see now my Lesebuch for watching me tracking my ideas)

mannheim akademiestrasse

(address in Mannheim: Akademiestraße)

This stay in southern Germany and even more the year in Ireland taught me about the immense cultural differences between societies which – seen superficially – don’t seem to be too different. The main difficulty is for me to understand when an expressed yes is meant to be a no. Sorry to a friendly guy from the Irish Labour party, which I annoyed a whole evening by ignoring his desperate hints for me to leave.

Louis Brinckmann (?)

(Carl Hinrich Ludwig Brinckmann (1809-1855))

Studies finished with more than 18 months work on a Heidelberg law lecturer from the mid 19th century. After that I did not want to stay in university, only because I did not know anything else. So, something outside university, a new place, a new country, a (later two) new languages, an inside view of europe, why not a bit more politics again?

How to make a living??

How to get beyond jobs? How to make a profession out of your knowledge, capacities, wishes, dreams? Would anybody be interested in what I could provide? How to pay a living out of all this?

University did not teach me anything about all these things. A bit surprised I realised that ending up with an university diploma does not mean you would have the slightest clue about what to do with it.

What kind of professions I might have imagined when I started university studies? Politics? Journalism? Research? I needed some time to realise, however, that I was not made for either of these professions:

For politics as a profession you need to love power. Observing power games can be funny and instructive from time to time, but having power did never interest me. You have to find people exciting who follow you everywhere and who repeat all the time what you were saying. You have to choose the people to whom to talk, the events you attend in function of what can be useful for your carreer. I cannot imagine something more boring :-)

Journalism is not a profession, it is a way of life. You have to constantly screen everything what you hear, see or smell for “does it make a story?” You have to carry on sorting out your thoughts as well as writing them down, when your curiosity is already fed. I mostly prefer turning to the next subject when I feel to have learned enough about the previous one, you might call it laziness. But more important: I do not love at all to explore subjects others, or “the market” are interested in instead of following my own interests :-)

And Research? Surely the most tempting. But I completely missed the access to it. I always oriented my studies by interest, not by carreer chances. Then, everybody searches for “specialists”, I am a “generalist”, my studies missed “profile”. It is quite hurting when I remarked for the first time that knowing more about a self-declared specialist’s special subject does not mean at all to bypass him – broad interests and knowledges even refrain your job opportunites!! :-o And more, you have to be mobile – you have to stay or to go where somebody offers you a position. But I am not mobile. I want to choose myself where to live. I want to experience a place, a city, a country of my choice. I always wondered how commuters could split themselves between two places (Sonja, are you still up and running?). Sorry to the two professors who proposed to me to “talk about future plans” and whose invitations I did not follow, fearing that they could propose me something which could bind me to Mannheim some more years. Anyway, for somebody interested in Western European politics I lacked language knowledge. And what you missed during your studies, you have to do afterwards…

Brussels

Removal to Brussels, secretary of the Federation of the Young European Greens, other jobs aside, European Commission, ngo’s, a bit of journalism, translations, learned French and Dutch… Thanks to Karlheinz, Ilka, Hans and Magali for making a professional start possible. Friends are coming and going far too fast in this city of constant fluctuation, special greetings to Christian, Petra and Wolfgang!

rue joseph coosemans

(first address in brussels: rue j. coosemans)

What about Brussels? The main impression is that European integration means in the first place a boring begging competition for mini-subventions, and that Belgium is far more interesting than “Europe”…

Nevertheless, the most interesting point in Europe (and in the work of the FYEG for example) is to watch how people from different political cultures learn about their differences and how to come together. The one main rule is, that fundamental differences always appear in the very moment you would never have imagined them to appear. Thanks to all those great people from the FYEG for your more than two-years of companionship – with special regards to Stefan (and my deep apologies for all the stupid stuff I might have said about the Balkans)!

One of my numerous little jobs was doing “alternative” city tours. That meant deeper studies of Brussels and Belgium – a very interesting field, which will continue to interest me for a long time.

av. des azalees

(second address: Av. des Azalées)

Watching back some ten years later, I amaze myself by ending up learning and teaching as a profession! Back to the roots. Learning and teaching on the subjects which interest me, and in the meantime nearly completely self-organised and self-employed: I got more and more demand for my Brussels city tours by the years, which enabled me to slowly give up one other job after the other. By the time I added lectures and weekend-seminaries on Belgium.

Book now!

woman of my life

(woman of my life)

Anyway, I could not imagine to leave private activities aside only for a job. Unbeleavable, but true: I have found the woman of my life here and we even got three cute little daughters. They occupy far too much time and energy to enably you to work full time (even the very good childcare facilities, monday to friday, eight to six, from the age of 6 months, taken into account) – Being self-employed, being (relatively) master of my time, turned out to be perfect for me, even if in the beginning it was only because nobody wanted to give me a job :-)

See you once!

Yours, Malte.

11/12/2007 (11:28) Schlagworte: EN,uebermich ::

Jahreszeiten

Die Gesellschaft teilt sich in jahreszeitenlose Menschen und Menschen, die die Jahreszeiten erleben.

Als Student habe ich Sommer erlebt, in denen die Temperatur in der Stadt wochenlang nicht unter 30 Grad sank. Selbst mitten in der Nacht liefen wir in T-Shirt, kurzer Hose und Sandalen herum. Wenn ich dann in einem solchen Sommer in den IC nach Hamburg einstieg, hatte ich das Gefühl, in einen Kühlschrank zu steigen, so stark war der Zug hinuntergekühlt. Um mich herum schien niemand darunter zu leiden, die Menschen waren wärmer angezogen als ich.
Als Stadtführer bin ich es gewohnt, mich im Winter warm anzuziehen, richtig warm, um in drei oder vier Stunden zu Fuß in der Stadt nicht zu frieren. Betrete ich ein Geschäft, beginne ich unmittelbar, gottserbärmlich zu schwitzen. Um mich herum scheint niemand darunter zu leiden, die Menschen sind weniger warm angezogen als ich. Andererseits habe ich oft Kunden, die während der Stadtführung am Bibbern sind, weil sie nicht warm genug angezogen sind. Viele Jugendliche scheinen gar nicht mehr zu wissen, wie man sich warm anzieht.

Genau genommen, sind die Menschen in den Geschäften genauso warm angezogen wie die Menschen im Zug damals: Das sind Leute, die aus ihrer großen, temperaturstabilen Wohnung in die Tiefgarage fahren, dort ihr klimatisiertes Auto besteigen, mit dem sie in die Tiefgarage ihres klimatisierten Büros oder Einkaufszentrums fahren.

Die Großraumwagen im Zug sind auf die Bedürfnisse dieser Menschen temperiert, die Läden auch. Aber nicht auf die meinen. Und ich denke nicht allein zu sein: Jedem, der im Freien arbeitet, dürfte es so ergehen wie mir. Auch jedem, der in kleinen schlechtisolierten Wohnungen wohnt, deren Temperatur mit der Außentemperatur mitgeht.

Haben wir es da nicht mit einem schönen Beispiel für die Klassengesellschaft zu tun? Die jahreszeitenlose Klasse der stabilen Temperatur und die Klasse der schwankenden Temperaturen, der Jahreszeiten? Früher konnte man im Zug die Temperatur Abteil für Abteil individuell einstellen, das war die Zeit, in der Individuen solche Entscheidungen noch zugemutet wurden. Heute gehen die Bahnkonzepteure davon aus, daß alle wichtigen Kunden dieselbe Temperatur haben möchten. Wir anderen wurden vergessen.

Die Welt ist noch viel mehr auf Autofahrer zugeschnitten, als wir gemeinhin denken. Wie soll man Menschen dazu bringen, zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren, die Temperaturschwankungen nicht mehr gewöhnt sind? :-)

Malte Woydt

12/07

08/12/2007 (1:37) Schlagworte: DE,Notizbuch ::

Raison d’être

“Le jour de l’envol.

Au Brésil, des gens souvent d’origine modeste travaillent et investissent parfois pendant trois années entières dans la construction d’un ballon en papier qui peut atteindre jusqu’à 60 mètres de haut. Il est peint et décoré de ses plus belles couleurs quand il s’envole le jour, et emporte des dizaines de luminaires et de bougies pour un voyage nocturne.
Le feu et le papier réunis dans l’envol du ballon.
Le travail de longue halaine et la magie de l’instant.
Trois ans pour vingt minutes.

Ils regardent le ballon s’enfoncer dans le ciel. Vingt minutes.
Seulement vingt minutes.
Et il disparaît dans la nuit, ou derrière la colline.
Vivre maintenant, l’instant.
Plus personne ne le verra ensuite.
ne plus parler, regarder, écouter. Retenir son souffle, respirer. Crier.
Tout le monde le croit: il fera le tour du monde.

A peine le ballon envolé, ils se remettent au travail pour le suivant, imaginent les plans les plus fous, les formes et les tailles les plus osées, distribuent les tâches et investissent le temps pour construire ensemble vingt minutes de rêve et de vent. Et cette liberté n’a pas de prix.

Les “baloieros”, constructeurs de ballon, vivent de l’envol futur du ballon, s’incarnent en lui, défient les lois de l’apesanteur, et partent avec lui, en emportant tous ceux qui le désirent…

Une bouteille à la mer, mais dans le ciel. …”

aus: Olivier Thomas: Le jour de l’envol. Tract accompagnateur pour le spectacle du même titre, Théâtre Balsamine, Schaerbeek, décembre 2007.

12/07

08/12/2007 (1:13) Schlagworte: FR,Lesebuch ::