MALTE WOYDT

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Zeit

Die “Fähigkeit zu generationenübergreifendem Lernen, zur Weitergabe von Erfahrungen der einen Generation an die nächste in der Form von Wissen, ist die Grundlage für die allmähliche Verbesserung und Erweiterung der menschlichen Orientierungsmittel im Laufe der Jahrhunderte. Was man heute als “Zeit” begreift und erlebt, ist eben dies: ein Orientierungsmittel. Als ein solches mußte der Zeitbegriff durch Erfahrung in einem langen, generationenübergreifenden Lernprozeß entwickelt werden. …

In den hochurbanisierten und -industrialisierten Gesellschaften der Gegenwart wird der Zusammenhang zwischen dem Wechsel der Kalendereinheiten und dem Wechsel der Jahreszeiten, ohne ganz verlorenzugehen, indirekter und lockerer, und in manchen Fällen, wie etwa der Beziehung zwischen Monat und Mondbewegung, ist er mehr oder weniger verschwunden. Menschen leben in viel größerem Ausmaß in einer Welt von Symbolen, die sie selbst geschaffen haben. …

Man sollte hinzufügen, daß die Entwicklung in diese Richtung alles andere als irreversibel ist und durchaus nicht geradlinig verläuft; es gibt darin viele Rückschritte, Umwege und Zickzackbewegungen. …

Das Wort ‘Zeit’, so könnte man sagen, ist ein Symbol für eine Beziehung, die eine Menschengruppe, also eine Gruppe von Lebewesen mit der biologisch gegebenen Fähigkeit zur Erinnerung und zur Synthese, zwischen zwei oder mehreren Geschehensabläufen herstellt, von denen sie einen als Bezugsrahmen oder Maßstab für den oder die anderen standardisiert. …”

aus: Norbert Elias: Über die Zeit. Arbeiten zur Wissenssoziologie II. Frankfurt (Main): Suhrkamp 1984, S.1-12.

09/10/2007 (9:56) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

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