MALTE WOYDT

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Anführungszeichen

“Es hat eine eigenartige Wirkung auf ein Wort, wenn es in Anführungszeichen gesetzt wird: Anfang ist etwas ganz anderes als “Anfang”. Man heftet etwas Unaussprechliches, Zweideutiges, Doppelbödiges und Buckliges an das Wort, wenn man es in Anführungszeichen setzt. Man kann das mit vollkommen nichtsahnenden, völlig unschuldigen Wörtern machen, man könnte zum Beispiel Konjunktionen und Präpositionen in Anführungszeichen setzen – die nichtssagensten und harmlosesten unter unseren Brüdern, den Wörtern. Nehmen wir an, ich setzte die Wörter: und, auf oder gegen in Anführungsstriche. Also: Der Bürgermeister “und” seine Frau. Oder: Ich legte das Buch “auf” den TIsch. Auf diese Weise kann man auf der Welt allerlei ins Wanken bringen. Er ging “gegen” das Rathaus. Wenn man nihilistisch genug ist, kann man auch das unschuldigste aller Worte, das Zeichen des Infinitifs nehmen, um es zu mißbrauchen und auf folgende Weise zu schänden. Es begann “zu” regnen. Kann man die Welt mit weniger Begeisterung ansehen?”

aus: Jens Bjørneboe: Der Augenblick der Freiheit, Hamburg: Merlin 1968 (norwegische Originalausg. 1966), S.25.

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09/02/2012 (0:12) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

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