MALTE WOYDT

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Fortschritt 1

“[Nach der auch heute noch weit verbreiteten klassischen Vorstellung bedeutet] Fortschritt … mehr Wohlstand und mehr Freiheit für jeden. Darüber legt sich zunehmend eine andere: Wir müssen mit dem Fortschritt mithalten, weil alle anderen es auch tun und es gefährlich wäre, zurückzufallen. Die Bedeutungsverschiebung ist schleichend erfolgt, aber sie ist gravierend: Fortschritt ist nicht mehr eindeutig positiv, nicht mehr das große Füllhorn, eher so etwas wie ein Zug mit unbekanntem, möglicherweise unerwünschtem Ziel, den wir nicht anhalten und von dem wir erst recht nicht abspringen können, weil wir sonst unser Leben riskieren würden. …

Das die meisten Unternehmer und Politiker heute einerseits den alten naiven Fortschrittsglauben predigen und gleichzeitig … von Arbeitnehmern, Rentnern, Sozialhilfeempfängern verlangen, sie sollten den Gürtel enger schnallen und sich darauf einstellen, daß die fetten Jahre vorbei seien, belegt die Ambivalenz der Rede vom Fortschritt. …

Für die Technokraten in den Konzernzentralen und Ministerien ist Fortschritt ein Prozeß, der sich an abstrakten Parametern wie Wirtschaftswachstum, Aktienindex, Exportrate, Innovationsgeschwindigkeit etc. bemißt, die allesamt mit der sozialen Wirklichkeit der großen Mehrheit kaum etwas zu tun haben. …

Was dabei herauskommt, ist ein höchst seltsamer Fortschrittsglaube, der uns bei aller zur Schau getragenen Euphorie doch nicht mehr versprechen kann, als daß die Einkommen der Mehrheit sinken, die Freiheitsräume enger werden und die Anforderungen an jeden einzelnen weiter steigen.”

aus: Johano Strasser: Leben oder Überleben. Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes. Zürich/München: Pendo 2001, S.57-59.

10/07

13/10/2007 (22:03) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

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