MALTE WOYDT

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Schuldgefühle

“Martin Buber nannte die Hinrichtung [Adolf Eichmanns] einen ‘Fehler geschichtlichen Ausmaßes’, da sie dazu führen [könne], daß viele junge Menschen in Deutschland, die sich schuldig fühlen, ihre Schuld nun als gesühnt betrachteten … Es ist seltsam, daß Buber … nicht sieht, daß diese zur Schau getragenen und reichlich publizierten Schuldgefühle gar nicht echt sein können. Sich schuldig zu fühlen, wenn man absolut nichts getan hat, und es in die Welt zu proklamieren, ist weiter kein Kunststück, erzeugt allenthalben ‘erhebende Gefühle’ und wird gern gesehen. … Die normale Reaktion einer Jugend, der es mit der Schuld der Vergangenheit ernst ist, wäre Empörung. Und Empörung wäre zweifellos mit gewissen Risiken verbunden – nicht gerade einer Gefahr für Leib und Leben, doch entschieden ein Handicap für die Karriere. … wenn diese Jugend von Zeit zu Zeit – bei Gelegenheit des Anne-Frank-Rummels oder anläßlich des Eichmann-Prozesses – in eine Hysterie von Schuldgefühlen ausbricht, so nicht, weil sie unter der Last der Vergangenheit, der Schuld der Väter, zusammenbricht, sondern weil sie sich dem Druck seher gegenwärtiger und wirklicher Probleme durch Flucht in Gefühle, also durch Sentimentalität entzieht.”

aus: Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem, München: Piper 1964 (US-Amerikan. Orig.-Ausg. 1963), S.298/299.

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14/05/2017 (23:02) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

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