MALTE WOYDT

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Tang Ping

“Die Jugendarbeitslosigkeit befindet sich auf einem historischen Rekordhoch. Im Sommer 2023 stieg sie auf 21 Prozent, daraufhin hat die Nationale Statistikbehörde die Berechnung kurzerhand verändert, wodurch sich der Wert geringfügig verbessert hat. Fakt ist, dass ein erheblicher Teil der unter 25-Jährigen in China kein festes Einkommen bezieht. …

Scott Rozelle … [stellt] regelmäßig … der abgehängten Jugend dieselbe Frage: ‘Warum glaubst du, dass du arm bist?’ Vor zwanzig Jahren führten die Menschen ihre missliche Lage fast ausschließlich auf ihr eigenes Verhalten zurück. Wenn man nur härter arbeite, mehr in Bildung investiere, dann klettere man die soziale Leiter hinauf, so der Tenor. Bei der jüngsten Umfrage im Jahr 2024 … [gaben] die Befragten … dem System die Schuld. Und ein Viertel ging davon aus, dass es ihnen in den nächsten fünf Jahren noch schlechter gehen werde. …

China bringt zwar ein Heer von Topingenieuren und viele Innovationen hervor, schließt aber gleichzeitig das Gros der Bevölkerung vom Fortschritt aus.

Nicht ohne Grund zeigt die Jugend des Landes mittlerweile wenig Interesse daran, den patriotischen Plänen ihrer Parteiführung Folge zu leisten. Vor einigen Jahren begannen junge Chinesen in den sozialen Medien, ihr Lebensgefühl mit dem Schlagwort Tang Ping (zu Deutsch: flach liegen) zu umschreiben. Enttäuscht vom nicht eingehaltenen Versprechen, dass Fleiß und Bildung zu einer besseren Zukunft führen, … [sind] inzwischen … nicht wenige der Verweigerer in die … spärlich bewohnte[n] Apartmentsiedlungen im Nirgendwo [gezogen], die auf dem Höhepunkt der Immobilienblase errichtet wurden. Mit ihren billigen Mieten bieten sie das perfekte Refugium für eine Gen Z, die zwar hoch gebildet ist, aber kein Interesse hat, in sogenannten „9-9-6“-Bürojobs (Arbeitstage von 9 Uhr am Morgen bis 9 Uhr am Abend, 6-mal die Woche) auszubrennen. … [Sie] hegen das Ziel, so wenig wie möglich zu arbeiten und ihre Ausgaben gering zu halten. Sie verbringen ihren Alltag mit gemeinschaftlichen Aktivitäten, für die ihre hart schuftenden Altersgenossen von Shanghai bis Shenzhen keine Zeit haben: Kochabende, Hobbys, Müßiggang. …”

aus: Fabian Kretschmer: Arbeitswelt in China, Von China lernen? Brand eins, Mai 2026, im Internet.

04/26

26/04/2026 (12:10) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

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