MALTE WOYDT

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Staunen

“… Wie eben manchen Menschen Staunen unheimlich ist. Man soll sich nicht, besonders nicht, wenn man Gäste hat, in seiner eigenen Wohnung umsehen, als wäre sie einem todfremd, als könnten die Möbel jeden Augenblick Beine kriegen und die Wände Löcher.”

aus: Christa Wolf: Nachdenken über Christa T.. Neuwied/Berlin: Luchterhand 1969 (Orig.-Ausg. Halle 1968), S.178.

02/13

25/02/2013 (17:20) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

weggehen

“Christa T. ging dann doch. Sie hat diesen Vorgang – wegzugehen – später noch öfter wiederholt, dahinter verbirgt sich ein Muster, schon ablesbar beim erstenmal: hinter sich lassen, was man zu gut kennt, was keine Herausforderung mehr darstellt. Neugierig bleiben auf die anderen Erfahrungen, letzten Endes auf sich selbst in den neuen Umständen. Die Bewegung mehr lieben als das Ziel. – Die Nachteile einer solchen Natur für ihre Umgebung und für sie selbst liegen auf der Hand.”

aus: Christa Wolf: Nachdenken über Christa T.. Neuwied/Berlin: Luchterhand 1969 (Orig.-Ausg. Halle 1968), S.54.

02/13

25/02/2013 (10:13) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Emanzipation 2

“Das lebendige Gedächtnis wird der Frau entwunden, ein Bild, das andre von ihr sich machten, wir ihr untergeschoben: der entsetzliche Vorgang der Versteinerung, Verdinglichung am lebendigen Leibe. zu den Sachen gehört sie nun, zu den Res mancipi – wie Hauskinder, Sklaven, Grundstücke, Großvieh -, die der Besitzer durch die Mancipatio, ein Rechengeschäft, einem anderen übertragen kann, der seinerseits sie ‘manu capere’, mit der Hand erfassen, der Hand auf sie legen kann. Die Emancipatio aber, die Entlassung aus der Gewalt des Pater familias, war lange nur für die Söhne vorgesehen, und als das Wort endlich, als ‘Emanzipation‘ auf Frauen angewendet wurde (heute noch häufig pejorativ: Du bist wohl eine Emanze?), da hat man – und Frau – diesen Begriff, dessen revolutionären, radikaler Sinn störte und stört, im Sinn von ‘Gleichberechtigung’ gebraucht, heruntergespielt und mißverstanden.

Ahnt man, ahnen wir, wie schwer, ja wie gefährlich es sein kann, wenn wieder Leben in die ‘Sache’ kommt; wenn das Idol sich wieder zu fühlen beginnt; wenn ‘es’ die Sprache wieder findet? Als Frau ‘Ich‘ sagen muß?”

aus: Christa Wolf: Kassandra. Berlin: Aufbau 1990, S.195/196

Abb.: Mary Sibande: They don’t make them like they used to, 2008/2019, im Internet.

02/13

20/02/2013 (22:09) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Buddhismus

“Wie töricht und hoffnungslos wäre einer, der vom Weg seines Lebens abwiche, um Gott zu suchen: ob er auch alle Weisheit der Einsamkeit und alle Macht der Sammlung gewänne, ihn verfehlte er. …

Alle Versenkungslehre gründet in dem gigantischen Wahn des in sich zurückgebognen menschlichen Geistes: er geschehe im Menschen. In Wahrheit geschieht er vom Menschen aus – zwischen dem Menschen und Dem, was nicht er ist. Indem der zurückgezogene Geist diesem seinen Sinn, diesem seinen Beziehungssinn abgsagt, muß er Das, was nicht der Mensch ist, in den Menschen hineinziehen, er muß Welt und Gott verseelen. Dies ist der Seelenwahn des Geistes. …

Wer … seine Haltung nur ‘erlebt’, nur in der Seele vollzieht, der mag noch so gedankenvoll sein, er ist weltlos – und alle Spiele, Künste, Räusche, Enthusiasmen und Mysterien, die sich in ihm begeben, rühren an die Haut der Welt nicht. Solang sich einer nur in seinem Selbst erlöst, kann er der Welt weder Liebes noch Leides tun, er geht sie nicht an. Nur wer an die Welt glaubt, bekomt es mit ihr selbst zu tun …

Wir … wollen das heilige Gut unserer Wirklichkeit, das uns für dieses Leben, und vielleicht für kein anderes, wahrheitsnäheres, geschenkt ist, heilig pflegen. … in der gelebten Wirklichkeit gibt es kein Denkendes ohne Gedachtes … Ein Subjekt, das sich des Objekts enthebt, hebt sich als wirkliches auf.”

aus: Martin Buber: Ich und Du. Heidelberg: Schneider 1958, S.72/73, 83, 84, 80 [hier in dieser Reihenfolge zusammengestellt]

Abb.: Lisa Teo Cheng Yen: Inner Peace, gallery1819, im Internet.

12/12

22/12/2012 (1:12) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Verhängnis

“Das biologistische und das historiosophische Denken dieser Zeit haben, so verschieden sie sich sahen, zusammengewirkt, um einen Glauben an das Verhängnis herzustellen, zäher und beklommener, als je einer bestand. … Es gilt als töricht, sich eine Freiheit zu imaginieren; man habe nur die Wahl zwischen resolutem und aussichtslos rebellischem Sklaventum. …

[Dabei ist] das einzige, was dem Menschen [wirklich] zum Verhängnis werden kann, … der Glaube an das Verhängnis [selbst]: er hält die Bewegung der Umkehr nieder.

Der Glaube an das Verhängnis ist ein Irrglaube von Anbeginn … vom Glauben an die Unfreiheit frei zu werden heißt frei werden.”

aus: Martin Buber: Ich und Du. Heidelberg:  Schneider 1958, S.52/53

Abb.: Kirchenfenster Saint-Dié.

12/12

22/12/2012 (0:57) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Liebe 2

“Gefühle begleiten das metaphysische und metapsychische Faktum der Liebe; aber sie machen es nicht aus; und die Gefühle, die sie begleiten, können sehr verschiedener Art sein. … Gefühle werden ‘gehabt’; die Liebe geschieht. Gefühle wohnen im Menschen; aber der Mensch wohnt in seiner Liebe. Das ist keine Metapher, sondern die Wirklichkeit: die Liebe haftet dem Ich nicht an, so daß sie das Du nur zum ‘Inhalt’, zum Gegenstand hätte; sie ist zwischen Ich und Du. … Liebe ist ein welthaftes Wirken. … Liebe ist Verantwortung eines Ich für ein Du: hierin besteht, die in keinerlei Gefühl bestehen kann, die Gleichheit aller Liebenden, vom kleinsten bis zum größten und von dem selig Geborgenen, dem sein Leben in dem eines geliebten Menschen beschlossen ist, zu dem lebenslang ans Kreuz der Welt geschlagenen, der das Ungeheure vermag und wagt: die Menschen zu lieben.”

aus: Martin Buber: Ich und Du. Heidelberg: Schneider 1958, S.18

Abb.: Marc Chagall: Lovers near Bridge, 1948, im Internet.

12/12

22/12/2012 (0:38) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Gegenwart 2

“… die eigentliche Grenze … führt weder zwischen Erfahrung und Nichterfahrung, noch zwischen Gegebenem und Ungegebenem, noch zwischen Seinswelt und Wertwelt hin, sondern … zwischen Gegenwart und Gegenstand.

Gegenwart … gibt es nur insofern, als es Gegenwärtigkeit, Begegnung, Beziehung gibt. Nur dadurch, daß das Du gegenwärtig wird, entsteht Gegenwart.

… insofern der Mensch sich sich an den Dingen genügen läßt, die er erfährt und gebraucht, lebt er in der Vergangenheit, und sein Augenblick ist ohne Präsenz. Er hat nichts als Gegenstände; Gegenstände aber bestehen im Gewesensein.

Gegenwart ist nicht das Flüchtige und Vorübergleitende, sondern das Gegenwartende und Gegenwährende. Gegenstand ist nicht die Dauer, sondern der Stillstand, das Innehalten, das Abbrechen, das Sichversteifen, die Abgehobenheit, die Beziehungslosigkeit, die Präsenzlosigkeit. Wesenheiten werden in der Gegenwart gelebt, Gegenständlichkeiten in der Vergangenheit.”

aus: Martin Buber: Ich und Du. Heidelberg:  Schneider 1958, S.16

12/12

22/12/2012 (0:30) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Zelfhekeling

“… als de voortdurende zelfhekeling van het Westen als een wanhopige poging dient om onze superioriteit opnieuw te bevestigen, ligt de werkelijke reden dat sommigen in de derde wereld het westen haten en afwijzen niet in het koloniale verleden en zijn aanhoudende gevolgen, maar in de zelfkritische geest die het Westen in de afkeuring van dit verleden heeft tentoongespreid, met zijn implicite oproep aan anderen om diezelfde zelfkritische benadering toe te passen …”

aus: Slavoj Zizek: Eerst als tragedie dan als klucht. Amsterdam: Boom 2011 (Engl. Orig-Ausg. 2009), S.174

11/12

24/11/2012 (0:18) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Haitiaanse revolutie

“De voormalige slaven van Haïti namen de Franse slogans letterlijker dan de Fransen zelf deden … toen Franse soldaten (door Napoleon gezonden om de opstand te smoren en de slavernij te herstellen) het zwarte leger van (zichzelf) bevrijde slaven naderden … ontdekten ze dat de Haïtianen de Marseillaise zongen …”

aus: Slavoj Zizek: Eerst als tragedie dan als klucht. Amsterdam: Boom 2011 (Engl. Orig-Ausg. 2009), S.170.

Abb.: Atis Rezistanz Kollektiv, Documenta15-Installation, 2022.

11/12

24/11/2012 (0:14) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Begripsweigering

Populisme wordt uitendelijk altijd gedragen door de gefrustreerde ergernis van gewone mensen, die uithaal ‘Ik weet niet wat er allemaal gebeurt, ik ben het gewoon zat! Zo kan het niet doorgaan! Het moet stoppen!’ Zulke ongeduldige uitbarstingen verraden een weigering om de complexiteit van de situatie te begrijpen of je ermee in te laten, en doen de overtuiging postvatten dat iemand verantwoordelijk moet zijn voor deze chaos – daarom is er een of andere macht nodig die zich achter de schermen schuilhoudt.”

aus: Slavoj Zizek: Eerst als tragedie dan als klucht. Amsterdam: Boom 2011 (Engl. Orig-Ausg. 2009), S.98/99

11/12

24/11/2012 (0:08) Schlagworte: Lesebuch,NL ::
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