MALTE WOYDT

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Fremde

Die Türken denken: Dieses Land spricht sehr viel über seine ‘Fremden’, wohl um zu verdrängen, dass es seit Jahrzehnten ein Land ist, in dem zumindest die Bewohner der größeren Städte einander fremd geworden sind und aneinander vorbeileben. In den Augen der Türken sind sich in Deutschland alle Menschen fremd. jeder geht ‘seinen eigenen Dinge‘ nach und hat Angst davor, dabei gestört zu werden. Das Leben besteht daraus, seine eigenen Pläne zu verwirklichen, koste es, was es wolle – das ist der Eindruck den deutsche Bekannte auf Türken oft hinterlassen. Jeder ist auf sich gestellt und will seine Ruhe haben. Deutsche Sätze beginnen stets mit ‘Ich’; von dem Anderen etwas zu erwarten ist verpönt und gilt als Schwäche. … Man lebt und stirbt hier einsam und wird erst entdeckt, wenn der Leichnam zu stinken beginnt. Das sagen die Türken über Deutsche.”

aus: Jürgen Gottschlich / Dilek Zaptcioglu: Das Kreuz mit den Werten. Über deutsche und türkische Leitkulturen. Hamburg: Körber, 2005, S.30/31.

12/07

06/01/2008 (21:04) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Guten Tag

“Die Türken sagen, ‘der Deutsche‘ grüßt immer, zu jeder Gelegenheit mit dem passenden Wort: ‘Guten Morgen‘, ‘Tag’ und ‘Abend’ oder ‘Gute Nacht’. Und ab Mitternacht heißt es dann wieder ‘Guten Morgen’, selbst wenn es draußen noch stockfinster ist, ‘Mahlzeit!’, auch wenn man gerade nichts isst, und ‘Schönen Feierabend’, wenn einem gar nicht nach Feiern zu Mute ist. Das geht den Deutschen mechanisch über die Lippen, und in Wirklichkeit interessiert es ihn nicht besonders, wie es seinem Nachbarn oder Kollegen geht. Der Gruß ist eine Floskel. Aber es ist und bleibt ein Rätsel für Türken, wie der Deutsche an diesem Lippenbekenntnis festhalten kann. Geht mal einer ohne eine Erwiderung an einem so Grüßenden vorbei, wird der Deutsche sich umsehen, als ob man ihm einen lebenswichtigen Wunsch abgeschlagen hätte.”

aus: Jürgen Gottschlich / Dilek Zaptcioglu: Das Kreuz mit den Werten. Über deutsche und türkische Leitkulturen. Hamburg: Körber 2005, S.30.

12/07

06/01/2008 (12:45) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Propaganda

“De steun van de publieke opinie behouden is cruciaal in oorlogstijd. De politiek verantwoordelijken tijdens de Navo-tussenkomst in de Kosovo-crisis in 1999 waren zich daarvan terdege bewust. Het was de eerste keer in de geschiedenis dat de Navo optrad in een gewapend conflict. …

Toenmalig Navo-woordvoerder Shea … was in het begin van de crisis geneigd de eufemistische retoriek [van de politici] over te nemen. tijdens het conflict leerde hij omgaan met de realiteit. …

Shea: ‘De media willen beelden, meer dan ooit. De Navo had alleen mar de kille en bloedloze videobeelden uit de cockpit. … De publieke opinie was opgetogen, dit was een virtuele oorlog. De echte oorlog bestaat niet meer, er is alleen nog precisieoorlog. Die lijkt op de videospelletjes van onze kinderen …

Maar op 14 april 1999 ontdekten journalisten de beelden van de Servische televisie over het incident met de tractor van Djakovica. Een flater van de Navo. Een schok voor het publiek. En ook voor ons. … We hadden de feiten geminimaliseerd, nog voor we ze zelf echt kenden. … We dachten dat een eenvoudige ontkenning zou volstaan om de media te doen zwijgen. Alsof de media ons zomaar op ons woord zouden geloven.’ …

Het zag er even naar uit dat Milosevic de mediaoorlog aan het winnen was. Voor snelle informatie en interessante beelden waren de westerse journalisten afhankelijk van het vijandelijke kamp, zo moesten de regeringsleiders in London en Washington vaststellen. …

In april kwam Engelands spin doctor nummer één, … Alistair Cmpbell met de Eurostar in Brussel aan. De Britse premier Tony Blair stelde zijn pr-hulpje na overleg met Bill Clinton ter beschikking …Campbell leerde de persdienst van de Navo naar eigen zeggen een paar essentiële handigheden uit zijn arsenaal middelen om de pers te bedwingen. … Zorg ervoor dat je zelf bepaald wat nieuws is. Dis de persmeute elke dagen nieuw verhaal op. Een waar verhaal natuurlijk. Er zijn zoveel ware verhalen mogelijk: het is beter als je zelf suggesties kunt doen. Je laat zoiets niet aan de vijand over. … Elke dag organiseerde de persdienst activiteiten om de mediaruimte te vullen. … Er kwam een eerste ontmoeting met de pers vanaf negen uur ‘s morgens. ‘Je moet de journalisten bezighouden, als ze zich vervelen, gaan ze zelf informatie en andere bronnen zoeken, en wie weet waar ze dan terechtkomen,’ zegt Shea. … ‘We leverden voortaan zelf het slechte nieuws aan de pers. Toen een flatgebouw vlakbij de Servische grens geraakt werd, heeft dat incident veel minder aandacht gekregen dan de tractor van Jakovica. Er werden zelfs geen vragen gesteld op de persconferentie.’ …

[Shea:] ‘De middelen die de journalisten hebben om de zaak te coveren zijn honderd maal rijker dan uw middelen om ze uit te leggen. Ik stond tijdens de hele Kosovo-crisis versteld van de krachtverhouding: wij waren met vijf op de persdienst en we stonden voor honderden goed geïnformeerde journalisten.'”

aus: Michèle van der Plaetsen: De influisteraars. De macht van de spin doctors. Leuven: Van Halewijn 2002, p. 223-233.

12/07

18/12/2007 (1:09) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Raison d’être

“Le jour de l’envol.

Au Brésil, des gens souvent d’origine modeste travaillent et investissent parfois pendant trois années entières dans la construction d’un ballon en papier qui peut atteindre jusqu’à 60 mètres de haut. Il est peint et décoré de ses plus belles couleurs quand il s’envole le jour, et emporte des dizaines de luminaires et de bougies pour un voyage nocturne.
Le feu et le papier réunis dans l’envol du ballon.
Le travail de longue halaine et la magie de l’instant.
Trois ans pour vingt minutes.

Ils regardent le ballon s’enfoncer dans le ciel. Vingt minutes.
Seulement vingt minutes.
Et il disparaît dans la nuit, ou derrière la colline.
Vivre maintenant, l’instant.
Plus personne ne le verra ensuite.
ne plus parler, regarder, écouter. Retenir son souffle, respirer. Crier.
Tout le monde le croit: il fera le tour du monde.

A peine le ballon envolé, ils se remettent au travail pour le suivant, imaginent les plans les plus fous, les formes et les tailles les plus osées, distribuent les tâches et investissent le temps pour construire ensemble vingt minutes de rêve et de vent. Et cette liberté n’a pas de prix.

Les “baloieros”, constructeurs de ballon, vivent de l’envol futur du ballon, s’incarnent en lui, défient les lois de l’apesanteur, et partent avec lui, en emportant tous ceux qui le désirent…

Une bouteille à la mer, mais dans le ciel. …”

aus: Olivier Thomas: Le jour de l’envol. Tract accompagnateur pour le spectacle du même titre, Théâtre Balsamine, Schaerbeek, décembre 2007.

12/07

08/12/2007 (1:13) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Utilitarismus

Das Menschenbild der neoklassischen Ökonomie, der rationale Nutzenmaximierer, ist ebenso eine Fiktion wie das ältere bildungsbürgerliche Idealbild einer ausschließlich von aufgeklärter Vernunft und dem Interesse am Wahren, Schönen und Guten geleiteten Existenz. … Dennoch wird das utilitaristische Handlungsmodell heute von vielen Menschen als realistisch angesehen, was bezüglich der Macht der Ideologien in unserem ‘postideologischen’ Zeitalter eine Menge aussagt. …

Wir würden uns selber maßlos überfordern, wenn wir in jeder Lage, die von uns ein Handeln erfordert, das Für und Wider aller sich bietenden Alternativen immer wieder neu abwägen müßten, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Um den Alltag überhaupt einigermaßen bestehen zu können, müssen wir unser Handeln routinisieren, … müssen so handeln, wie es unserer Gewohnheit oder der Tradition entspricht.

Und noch etwas kommt hinzu: Nur wenn wir in der Regeln nach dem Maßstab des Üblichen handeln, wind wir auch für die anderen berechenbar, und nur weil wir berechenbar sind, weil wir in aller Regel so handeln, wie es die anderen von uns aufgrund vorgängiger Erfahrung erwarten, sind Zivilität und ein friedliches Zusammenleben unter Menschen überhaupt möglich. …

[In einer] Gesellschaft, in der die Beziehungen der Menschen untereinander vor allem von immer wieder neu anzustellenden utilitaristischen Kalkülen bestimmt werden … kann es kein die Menschen verbindendes Gemeinschaftsgefühl geben, ist die Vorstellung von einer die Individuen umgreifenden Schicksalsgemeinschaft schlicht abwegig. …

[Und] wo die Fähigkeit zur kritischen Selbstbefragung abstirbt, weil uns das Gefühl geschichtlicher Kontinuität oder ganz einfach die Zeit zum nachdenklichen Innehalten abhanden kommt, kann es letztlich auch so etwas wie Verantwortung für die eigenen Taten nicht mehr geben, Steuerung erfolgt dann allenfalls durch die Adhoc-Reaktionen der anderen oder durch die Informationen, die ‘der Markt’ den Marktteilnehmern vermittelt. Man kommt an, hat Erfolg, setzt sich durch – oder eben nicht. Die Frage nach Sinn oder Unsinn, Recht oder Unrecht des eigenen Handelns löst sich auf in die seiner Funktionalität.”

aus: Johano Strasser: Leben oder Überleben. Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes. Zürich/München: Pendo 2001, S.260-265.

11/07

12/11/2007 (1:17) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Freiheit 1

“Aus allen traditionellen Orientierungen und Regelungen freigesetzten Menschen sind in der Regel alles andere als frei im Sinne aktiver Selbstbestimmung. Zumeist sind sie vielmehr schutzlos den vielfältigen Zwängen ihrer Umgebung ausgeliefert, ein Spielball anonymer ökonomischer Kräfte und eben darum nicht in der Lage, ihr Leben nach eigenen, individuellen Vorstellungen zu gestalten. …

… Gerade ‘eine enttraditionalisierte und individualisierte Kultur [braucht] systematisch Grundsicherungen …’ … Eine Politik, die vor allem auf Deregulierung und Abbau sozialer Sicherungsleistungen setzt, [ist], auch wenn sie noch sehr das Pathos der Freiheit bemüht, im Kern freiheits- und individualisierungsfeindlich.”

aus: Johano Strasser: Leben oder Überleben. Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes. Zürich/München: Pendo 2001, S.196/197, paraphrasiert hier Ulrich Beck / Johannes Willms: Freiheit oder Kapitalismus, Frankfurt/Main 2000.

Abb.: Marc Chagall: La promenade, 1917, Schloss Michailowski, Sankt Petersburg, im Internet.

11/07

12/11/2007 (0:34) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Moderniteit

[Menig begripsverwarring over ‘moderniteit’] “zou er niet zijn wanneer het begrip moderniteit zou worden bekeken als een grote cultuurperiode, waarin zowel het technologisch-wetenschappelijke als het ideologisch-culturele aspect samen worden beschouwd in hun gezamenlijke bijdrage tot de culturele paradigmashift die men moderniteit heeft genoemd. Dat is bijvoorbeeld het geval voor de Europese moderniteit, waardoor er sprake is van het ontstaan van een opening op de mogelijkheid van een nieuwe visie op wereld, mens en samenleving. Die opening naar wat men de vooruitgangsideologie is gaan noemen, ontstond in Europa langzamerhand vanaf het einde van de achttiende en in de loop van de negentiende eeuw.

De Europese cultuur die daaraan voorafging, was niet modern. Men kan ze ‘voormodern’ noemen of ‘premodern’, niet enkel in technologisch opzicht maar vooral in ideologische betekenis. De Europese premoderniteit werd, net zoals overigens bij vele andere niet-Europese culturen, in grote lijnen gekenmerkt door wat we een waarheidsideologie zouden kunnen noemen. Die ‘ware’ staatsideologie steunde op een religieuze, in het geval van Europa, christelijke, ideologie. Aan de waarheid van de religieuze morele basis werd niet getwijfeld. Vormen van kritiek liet de christelijke geloofsleer ook niet toe en wie belangrijke christelijke geloofspunten in twijfel trok, kon als afvallige beschouwd en terechtgesteld worden. De herinneringen aan Franco, Hitler of Mussolini, totalitaire ideologieën die nochtans binnen de Europese moderniteit voorkwamen, zou men het best niet als modern beschouwen, maar als fenomenen van regressie.

Het moderniteitsbegrip kan het best omschreven worden in het perspectief van de individuele vrijheid. Het begrip premoderniteit gaat daarentegen uit van een dominante prescriptieve collectieve context om tot zingeving en betekenis te komen. In de westerse cultuur lopen premoderne en moderne aspecten door elkaar. Vooral in de Amerikaanse samenleving is nog sterk door premoderne artefacten doordrongen, die de visie op mens en wereld problematiseren. In een land waar ‘in God we trust’ op de bankbiljetten staat, beweerd een meerderheid van de inwoners de evolutietheorie van Darwin te verwerpen voor het scheppingsverhaal en nog in het bestaan van geesten te geloven. Tegelijk staat die gespleten maar hoogtechnologische (pre)moderne samenleving aan de top van het wetenschappelijke onderzoek. Dat voorbeeld toont aan dat technologische moderniteit en ideologische moderniteit niet noodzakelijk samengaan, maar dat technologische hoogstandjes premoderne (sub)culturen kunnen ondersteunen en zelfs versterken. Ook in de joodse cultuur schakelt men domotica in om de sabbat volgens de regels te volgen en in de Saoedische samenleving heeft hi-tech evenmin invloed op de zuiverheid van de leer.

Zowel voor orthodox christelijke, joodse en islamculturen is het daarom problematisch en niet correct om ze te kwalificeren als modern. Voor zover ze immers afvalligheid van de leer niet toelaten, zolang te oproepen tot letterlijke toepassing van de voorschriften, zijn ze premodern. Zolang er aparte mannen- en vrouwenwerelden in stand worden gehouden (ook dat geldt voor de drie machtsgodsdiensten), zolang partners elkaar toestemming moeten geven voor persoonlijke zaken, zolang de collectieve cultuur meent zich te kunnen bemoeien met privémateries, is er geen sprake van ideologische moderniteit.

Vreemd om … te vernemen dat de fundamentalistische restauratie van vandaag ‘een uitermate modern fenomeen …’ [zou zijn]. Wellicht bedoelen al die mensen dat het ‘een uitermate actueel fenomeen is’. [Enkel] dat laatste is juist …”

aus: Piet Vanrobaeys, lezersbrief aan De Morgen, 3.11.2007, p.19

Abb.: Mehdi-Georges Lahlou: Cocktail ou autoportrait en société (2007-2016), im Internet.

11/07

05/11/2007 (0:44) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Antifascisme 1

(DE; NL)

“Incontestablement, j’étais contre Hitler – dès le début et sans réserves du genre psychologique, pacifiste ou diaboliquement paradoxal. … C’est déjà ça, un argument qui parle pour mon instinct moral et ma capacité de juger la politique. Mais ce n’est pas assez.

Oui, peut-être c’est juste ce manque total de contact avec la mentalité nazi qui le me rendait difficile ou impossible de combattre cette mentalité même. … On ne combat pas – ou au moins pas avec toutes ces forces – ce qu’on méprise. Est-ce que ça vaut la peine de réfuter das absurdités évidentes ? On se contente de lever les épaules d’une manière dégoutée.

Ces nazis, je ne les comprenais pas. Leurs journaux … auraient pu paraître en langue chinoise : Je n’en comprenais pas un mot. … Peut-être faillait-il avoir abandonné la raison complétement et à toujours pour être initié dans les mystères de l’âme nazie et de leur langage ? …

J’étais angoissé, mais pas assez angoissé – juste parce que je ne voulais pas comprendre que la majorité de mes concitoyens avait tué la raison en eux depuis longtemps. … On veut croire à l’impossibilité des choses pareilles le plus longtemps possible. … Il ne me rentrait pas dans la tête que la plupart des Allemands voyaient vraiment un grand homme en Hitler, même le messie. Celui-là et grand ? Il suffisait de le regarder ! … J’avais plusieurs fois l’occasion d’étudier sa physionomie. Une fois de tout près, pour une demi-heure, … 1932, [au] salon de thé Carlton à Munique. Là, il était assis et goutait une tartelette aux fraises. Je me suis installé à la table à côté, à un mètre de distance. Il avalait encore une tartelette aux fraises avec crème chantilly …; et encore une troisième – si ce n’était pas déjà la quatrième. J’aime manger des sucreries moi-même, mais l’image de sa gourmandise mi-infantile, mi-rapace, m’enlevait l’appétit. …

Ces allemands, je ne les comprenais pas. … Malgré toute admiration pour les grands faits de l’esprit allemand, malgré toute sympathie pour certains traits et capacités du caractère allemand, je ne pouvais pas m’en enthousiasmer de la nation, de la façon dans laquelle elle s’était développée et elle allait sûrement continuer de se développer. Je ne me sentais pas adhérant à cette nation….

Est-ce que les représentants de ce nationalisme – les nazis et leurs amis – est-ce qu’ils n’avaient pas raison de traiter mon genre “déraciné” ? Je n’avais pas des racines, je n’en voulais pas …”

Klaus Mann: Der Wendepunkt. o.O.: Fischer 1952 (version originale anglophone 1942), S.268-272, ma propre traduction vers le français)

Abb.: John Heartfield: Mit seinen Phrasen will er die Welt vergasen, Arbeiter-Illustrierte Zeitung, 1933, im Internet.

22/10/2007 (13:16) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Arbeit

“Nach Auskunft der Bibel ist die Arbeit Strafe für den Sündenfall … Das Bemerkenswerte an diesem Mythos, in dem sich die traumatische Erfahrung der neolithischen Revolution, des Übergangs von der Gesellschaft der Jäger und Sammler zu der der Ackerbauern und Viehzüchter spiegelt, ist, daß darin die Arbeit als Fluch und Arbeitslosigkeit als paradiesischer Zustand dargestellt wird.

Heute ist es gerade umgekehrt: Arbeit haben gilt als Segen, Arbeitslosigkeit dagegen als Fluch. … Arbeit ist so sehr der Inbegriff menschlicher Aktivität geworden, daß wir heute sogar von Trauer- und Liebesarbeit sprechen, womit wir der Trauer und der Liebe erst ihre wahre Würde zu geben meinen. …

Erst das aufkommende Bürgertum bewertete die Arbeit im Ganzen positiv. Nun hieß es: Arbeit adelt, und Müßiggang ist aller Laster Anfang.”

Aus: Johano Strasser: Leben oder Überleben. Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes., Zürich/München: Pendo 2001, S.170-172.

Abb.: Alkuin-Bibel, ca. 840, Staatsbibliothek Bamberg Msc.Bibl.1, folio 7v, im Internet.

10/07

14/10/2007 (20:41) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Fortschritt 1

“[Nach der auch heute noch weit verbreiteten klassischen Vorstellung bedeutet] Fortschritt … mehr Wohlstand und mehr Freiheit für jeden. Darüber legt sich zunehmend eine andere: Wir müssen mit dem Fortschritt mithalten, weil alle anderen es auch tun und es gefährlich wäre, zurückzufallen. Die Bedeutungsverschiebung ist schleichend erfolgt, aber sie ist gravierend: Fortschritt ist nicht mehr eindeutig positiv, nicht mehr das große Füllhorn, eher so etwas wie ein Zug mit unbekanntem, möglicherweise unerwünschtem Ziel, den wir nicht anhalten und von dem wir erst recht nicht abspringen können, weil wir sonst unser Leben riskieren würden. …

Das die meisten Unternehmer und Politiker heute einerseits den alten naiven Fortschrittsglauben predigen und gleichzeitig … von Arbeitnehmern, Rentnern, Sozialhilfeempfängern verlangen, sie sollten den Gürtel enger schnallen und sich darauf einstellen, daß die fetten Jahre vorbei seien, belegt die Ambivalenz der Rede vom Fortschritt. …

Für die Technokraten in den Konzernzentralen und Ministerien ist Fortschritt ein Prozeß, der sich an abstrakten Parametern wie Wirtschaftswachstum, Aktienindex, Exportrate, Innovationsgeschwindigkeit etc. bemißt, die allesamt mit der sozialen Wirklichkeit der großen Mehrheit kaum etwas zu tun haben. …

Was dabei herauskommt, ist ein höchst seltsamer Fortschrittsglaube, der uns bei aller zur Schau getragenen Euphorie doch nicht mehr versprechen kann, als daß die Einkommen der Mehrheit sinken, die Freiheitsräume enger werden und die Anforderungen an jeden einzelnen weiter steigen.”

aus: Johano Strasser: Leben oder Überleben. Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes. Zürich/München: Pendo 2001, S.57-59.

Abb.: Nurrachmat Widyasena “ito”: You Promised Me Flying Cars Instead I Got Hashtags, 2018, indoartnow, im Internet.

10/07

13/10/2007 (22:03) Schlagworte: DE,Lesebuch ::
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