MALTE WOYDT

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Studium

“‘Benjamin weist kritisch darauf hin, ‘daß für die allermeisten Studenten die Wissenschaft Berufsschule ist. Weil ‘Wissenschaft mit dem Leben nichts zu tun hat’, darum muß sie ausschließlich das Leben dessen gestalten, der ihr folgt. Zu den unschuldig-verlogensten Reservaten vor ihr gehört die Erwartung, sie müsse X und Y zum Berufe verhelfen. Der Beruf folgt so wenig aus der Wissenschaft, daß sie ihn sogar ausschließen kann. Denn die Wissenschaft duldet ihrem Wesen nach keine Lösung von sich, sie verpflichtet den Forschenden in gewisser Weiser immer als Lehrer, niemals zu den staatlichen Berufsformen des Arztes, Juristen, Hochschullehrers.’

… Er zeigt sich immer … frustrierter … von der Universität, die ihn in seiner Erkenntnis nicht weiterbringt: ‘ Die Hochschule ist eben der Ort nicht, zu studieren.”

“[Über Walter Benjamins Rede ‘Das Leben der Studenten’, die er am 4. Mai 1914 als Präsidialantrittsrede am Eröffnungsabend der Berliner ‘Freien Studentenschaft’ hielt] aus: Werner Fuld: Walter Benjamin. Eine Biographie, Taschenbuchausgabe Reinbek 1990: S.43-45.

Abb.: Wang Qingsong: One world, one dream, 2014, im Internet.

12/91

09/10/2007 (9:44) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Studien

(FR)

“In Frankreich studiert man Menschen, in Deutschland Bücher

aus: Mme. de Stael: De l’Allemagne. Bd.1, Paris: Garnier-Flammarion 1968, S.117 (Originalausgabe 1813; meine eigene Übersetzung)

Abb.: Wang Qingsong: Follow you, 2013, im Internet.

08/05

09/10/2007 (9:43) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Études

(DE)

“En France, on étudit les hommes ; en Allemagne, les livres.”

aus: Mme. de Stael: De l’Allemagne. Bd.1, Paris: Garnier-Flammarion 1968, S.117 (Originalausgabe 1813)

Abb.: Wang Qingsong: Follow you, 2013, im Internet.

08/05

09/10/2007 (9:42) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Stress

“Hommes sans qualités, notre fatigue elle-même nous échappe, s’inscrit dans notre corps sans s’offrir à notre mémoire. Nous avons … pour cette usure indécise, un nom d’importation récente, tout pimpant encore de scientificité : le stress. …

Soucis professionnels, anomie de la solitude, anxiétés familiales, dureté silencieuse des rapports de rue, transports éreintants : nos désarrois de tous les jours nous mettent dans un état de tension sans intensité; ce sont des dommages irréparables, une violence à la fois familière et diffuse qui se confond avec l’air qu’on respire, qui reste en deçà du symptôme, et dont on ne peut même pas tirer de récit. …

Nous sommes désormais en mesure de nommer cette détresse brumeuse, mais pas d’échapper à son imprécision. …

Nous n’avons pas affaire à un adversaire singulier, mais à mille désagrements indistincts, auxquels notre corps réagit tout seul sans parfois même que nous nous en redions compte. … nous sommes harassés, et en même temps rien ne nous arrive. …

Parler du stress, ce n’est pas seulement céder à une mode terminologique, c’est aussi un signe parmi d’autres d’un nouveau rapport à la quotidienneté … Sous l’appelation péjorative de stress, la langue familière exprime et chiffre les coûts du quotidien, toutes les perturbations irréparables qu’il provoque. …
Chaque jour, semble s’accroître le nombre … de ceux qui refusent de se sacrifier à leur propre survie. … Les nouveau réfractaires devancent l’épuisement pour mieux s’y soustraire, et miment les conséquences du stress afin d’échapper à ses effets …”

aus: Bruckner, Pascal / Finkielkraut, Alain: Au coin de la rue, l’aventure. Paris: Seuil 1979, S.166-170.

10/04

08/10/2007 (22:15) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Fremdsprachen

(FR)

“Die meisten unserer Mitbürger wünschen nichts mehr solange sie noch auf der Schule sind, als diese so schnell wie möglich zu beenden. Es ist amüsant zu beobachten, daß ihnen – sind sie auch schon lange ‘runter von der Schule – die Strukturen der Schule ins Blut übergegangen sind. Ein großer Teil unserer Verhaltensformen sind durch die Schule vorgeprägt. Das gilt insbesondere für das Erlernen fremder Sprachen…”

aus: Jean-Pierre Galliez: Les langues … j’ose. Bruxelles: Labor 1998, meine Übersetzung…

08/10/2007 (22:14) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Apprentissage des langues

(DE)

“Alors que le souhait de beaucoup de nos concitoyens lorsqu’ils sont à l’école est d’en sortir au plus vite, il est amusant de constater que dès qu’ils en sont sortis, le schéma scolaire reste une référence secrète, profondément enfouie mais alimentant nombre de comportements de base. C’est particulièrement le cas pour tout ce qui concerne l’apprentissage des langues…”

aus: Jean-Pierre Galliez: Les langues … j’ose. Bruxelles: Labor 1998

08/10/2007 (22:07) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Sport

“Er zijn mensen die van sport houden en mensen die er niet zo van houden, en daar kon ik prima mee leven. Tot het me enkele jaren geleden echt begon te storen: ik kon er niet meer naast kijken. … Als ik ‘s zondags de radio opzet, hoor ik alleen maar cijfers: 0-1, 1-4, 2-0. En haal ik ‘s morgens mijn krant uit de bus, dan staat er op de eerste pagina iets over een speler die van ploeg verandert. Dan moet ik voor het echte nieuws naar pagina drie. Aan sport wordt de laatste tijd heel erg veel belang gehecht. Te veel. …

Toen ik op de universiteit zat, was het helemaal niet bon ton om over voetbal te praten. Wij pratten over theater Jordaan. Nu praat men over sport alsof het even belangrijk is als kunst. Alsof Feyenoord evenveel te betekenen heeft als Plato en Kant samen. …

Een mens kan best zonder sport leven, maar niet zonder kunst en cultuur. Kijk maar naar de eerste mensen: in hun grotten zijn sporen van kunst aangetroffen, maar van sport?

Het beste bewijs dat we zonder sport kunnen leven is dat we dat al zestien eeuwen lang gedaan hebben. … De laatste Olympische Spelen vonden in 369 na Christus plaats, pas in 1896 werd de Spelen nieuw leven ingeblazen. …

Neem gewoon de fiets naar het werk of om boodschappen te doen, neem trappen in plaats van liften, doe zelf het huishouden en maak schoon, nou, dan heb je genoeg beweging op een dag. En dan is het beweging die nog een zeker nut heeft ook. Ik vind het zo zinloos, mensen die op een machine staan te zweten in de sportschool. …

Wie sport, leeft twee jaar langer. Dat blijkt uit onderzoek. Maar wat heb je daaraan als je twee jaar van dat lange leven met sporten hebt gevuld? Dan kun je evengoed niet sporten. … Wat vaststaat is dat wie langer wil leven, het beste langer studeert. Dat is – naast ouders die lang leven, maar die kun je niet kiezen – nu eenmaal de beste garantie om je leven te verlengen. …

Er is [enkel] één goede reden [om te sporten]: omdat je het leuk vindt.”

aus: Een mens kan zonder sport, maar niet zonder kunst. Interview mit Midas Dekkers (door Katrijn Serneels), De Morgen, 31.8.2006.

Abb.: Sportplatz, Venciment, März 2025.

11/06

08/10/2007 (22:06) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Spieler

“Spieler sind häufig Wirrköpfe, sie leben in einer etwas anderen Welt und kommen nicht immer damit klar, daß sie eigentlich erwachsen sein sollten. Glücklicherweise nimmt man sie nicht sonderlich ernst und hält sie für ungefährlich. …

Wir braven Spieler von Gesellschaftsspielen sind harmlos krank: Wir sind nur von der Freiheit infiziert, stundenlang beschäftigt sein zu können, ohne daß das Geringste dabei herauskommen muß. Nicht der Ruin droht uns, sondern schlimmstenfalls eine Niederlage. Dann fordern wir Revanche. Eins geht noch. …

Es gibt im Leben des Spielers, grob gerechnet, drei Arten von Menschen. Erstens jene, die nicht spielen mögen, aber dennoch Freunde oder wenigstens gute Bekannte sein können – obwohl ich im Verlauf noch so angenehmer Abende bei noch so guten Gesprächen nie das gelegentliche Gefühl einer gewissen Verschwendung ganz unterdrücken kann, wenn ich an die Spiele denke, die wenigstens zwischendurch theoretisch gespielt werden könnten. Bei der zweiten Art verhält es sich umgekehrt – wunderbare Spieler sind das, allzeit und zu allem bereit, leidenschaftlich, ganz bei der Sache; doch wehe, wenn es zu einer Pause kommt, wenn es ein wenig dauert bis zum ersten Spiel oder nach dem letzten. Wir haben uns wenig zu sagen, unser einziges Kommunikationsmittel ist das Spiel. Die dritte Kategorie schließlich ist die seltenste: spielende Freunde. Solche Menschen könnte man sich ohne weiteres als Dauergäste in die Wohnung holen.”

aus: Michael Knopf: Spielen. München: dtv, 1999, S. 10 und 105.

Abb.: Werbung, im Internet.

08/03

08/10/2007 (22:06) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Sozialismus 2

“Zur Sache. Gewichtiges wird bleiben vom Ende des Sozialismus. Nur schlechte Erfahrungen sind gute Erfahrungen. Sie erteilen bleibende Lehren. Es bleibt:

  • Der historische Beweis, daß Laissez-faire nicht Freiheit ist.
  • Der historische Beweis, daß zentral-staatliche Planung und Lenkung in komplexer Gesellschaft soziale Vernunft nicht maximiert, sondern minimiert.
  • Der historische Beweis, daß Sozialismus ohne Demokratie als Gestalt ein Monster und als Methode ein Holzweg ist.
  • Die schlüssige Erfahrung, daß es ohne Individualismus keine Solidarität, ohne diese keinen Individualismus für die Schwachen gibt.
  • Der historische Beweis, daß es ohne Macht keine gesellschaftliche Kontrolle der Produktion gibt, aber ohne eine solche Kontrolle auch keinen akzeptablen Markt.
  • Der historische Beweis, daß es ohne Gerechtigkeit keinen sozialen Frieden gibt, ohne diesen aber weder wirtschaftlichen noch gesellschaftlichen Fortschritt.
  • Der historische Beweis, daß es ohne zivile Gesellschaft keine Freiheit gibt, ohne Demokratie aber keine zivile Gesellschaft.
  • Die schlüssige Vermutung, daß Emanzipation das Ende illegitimer Herrschaft ist, aber nicht der Beginn von Versöhnung.
  • Die Erfahrung, daß soziale Kontrolle der Produktionsmittel nötig, aber auch möglich ist ohne den Holzhammer der förmlichen Eigentumsänderung.”

aus: Thomas Meyer: Was bleibt vom Sozialismus? Reinbek 1991, S.133

03/92

08/10/2007 (22:05) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Sozialismus 1

“Lieber Eckard,

Sozialismus ist für mich kein Zustand, in den ich irgendwann eintreten könnte wie in ein Zimmer, sondern eine Tätigkeit, die ich alltäglich betreibe. In der kleinen bayerischen Fremdenverkehrsgemeinde, wo wir seit sechs Jahren wohnen, bin sozusagen ich der Sozialismus. … unser SPD-Ortsverein mit seinen gerade 18 Mitgliedern verkörpert in meinem Heimatdorf so gut oder schlecht es eben gehen mag, den Sozialismus. Ich bin der Vorsitzende.

Was wir tun (oder nicht tun, weil wir nicht wollen oder nicht können), ist das, was die 3.000 Seelen vom Sozialismus erfahren. Andere politische Gruppierungen, die sich als “links” verstehen könnten (wie Grüne oder DKP), spielen hier, auf kommunaler Ebene keine Rolle.

Was tun wir nun also, und was tun wir nicht?

Die B19 von Sonthofen nach Oberstdorf führt durch den Ort mittendurch. Wir haben uns stark gemacht für eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf 80, fanden die Unterstützung des Bürgermeisters und des ganzen Gemeinderats und konnten doch nicht mehr erreichen, als ein Probejahr mit den 80-Schildern, das nun beendet werden sollte. Neuerliches Hin und Her. Schreiben an die Abgeordneten im Landtag, an die Presse – jetzt ist es soweit, 80 gilt ohne zeitliche Begrenzung.

Seite an Seite mit der CSU, in diesem Fall – eine solche Äußerung wird nach meiner Erfahrung außerhalb Bayerns immer mißverstanden, auch von denen, die sich als gewitzt verstehen. Die meisten Intellektuellen und Linken, die ich treffe, glauben ganz genau zu wissen, wie es in Bayern zugeht. Sie erzählen es mir, meist lachend. Auf die Idee, mich zu fragen, welche Erfahrung ich hier mit der CSU mache, ist noch niemand gekommen. Alle wissen es schon – sie glauben es zu wissen. Die Wirklichkeit, wie ich sie erlebe, ist anders.

… Der Mittelstand ist es, der hier regiert; das ist wörtlich zu verstehen. … Wer alteingesessener Gewerbetreibender ist, der ist katholisch und CSUler und in etlichen Vereinen aktiv. Die besten Leute aus dieser Schicht sitzen zu zwölft im Gemeinderat und bilden die CSU-Fraktion, die vom Bürgermeister, der zugleich CSU-Vorsitzender ist, geleitet wird.

Ihnen gegenüber sitzen wir zwei SPD-Mitglieder, der andere ist Hauptschullehrer und auch, wie ich, zugezogen. Wer nicht alteingesessen ist, und keinen Betrieb geerbt hat, wer also zugezogener Arbeitnehmer, Selbstständiger oder kleiner Beamter ist, der organisiert sich in der Regel als Sozi, ist evangelisch und denkt ‘liberal‘ im fortschrittlichen Sinne.

Wir zwei werden nun von der übermächtigen CSU-Fraktion (nach anfänglichen Scharmützeln mit schwerem Säbel) gut behandelt. In allen Ausschüssen sind wir vertreten. Anträge, die uns wichtig waren, fanden die nötige Unterstützung; allein könnten wir nichts ausrichten.

Am wichtigsten war mir persönlich das Grabdenkmal für drei 1944 an Lungenentzündung verstorbene Fremdarbeiter. Wir hatten hier ein Außenlager des KZ Dachau, es war klein. … neben ‘verschleppten’ [wurden] auch ‘freie‘ Fremdarbeiter beschäftigt. Drei, ein Belgier, ein Pole, ein Ukrainer, lagen unter vernachlässigten Holzkreuzen auf dem ansonsten durchaus wohlhäbig gestalteten Friedhof. Wir setzten durch, daß ihnen ein Grabmal aus drei schönen, auffälligen Granitkreuzen gesetzt wurde. …

Das Verhältnis zu den Gemeinderatskollegen ist gut. Neulich waren wir mal auf Besichtigungsfahrt in München und wurden von der Zentrale einer riesigen Bank bewirtet. Der Gastgeber flocht in einer Laudatio auf uns Ehrenamtliche ganz beiläufig ein, wie sehr doch die politische Bewegung von 1968 gescheitert sei. Nichts sei davon übriggeblieben. Da meldete ich mich und sagte: Doch, ich sei übriggeblieben und auf meinem Weg durch die Institutionen jetzt hier angekommen, in dieser Bank, um ihm zu widersprechen. …

Es hätte peinlich sein können, war’s aber nicht, denn unser Bürgermeister sagte in freundlich-kommunikativem Ton zu dem Mann: Jawohl, die Molsners seien in der Tat so Altachtundsechziger, doch doch, solche gebe es schon noch.

Zu einem großen lärmenden Zusammenstoß zwischen den Fraktionen ist es bisher nicht gekommen. Sollte ein Anlaß solchen Zusammenstoß fordern, werde ich ihm nicht ausweichen. Vor allem will ich aber zeigen und sozusagen vor-leben …, daß man nicht hassen und große Anlässe suchen muß, um Interessen zu vertreten und auch zu realisieren. …

aus: Michael Molsner: Das, was ich alltäglich tue. In: Eckard Spoo (Hg.): Wie weiter? Hamburg 1988.

01/92

08/10/2007 (22:05) Schlagworte: DE,Lesebuch ::
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