MALTE WOYDT

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Vertegenwoordigende Democratie

(DE)

“Het is in feite niet langer juist om ons regime te omschrijven als een ‘vertegenwoordigende democratie‘. Het is een politiek systeem waarin grote macht uitgaat van een door de media gedragen voorstelling en waar legitimiteit wordt ontleend aan de wijze waarop personen, groepen en organisaties in die mediavoorstelling verschijnen. …

Tegenwoordig kan het volk, met zijn emoties, belangen, opvattingen en wil, worden voorgesteld door de media. Op die manier verliest het parlement zijn legitimiteit als vertegenwoordiger. …

Tekend voor de gewijzigde relatie tussen journalisten en politici is dat de laatsten hun informatie nu evenzeer of meer bij de eersten halen in plaats van omgekeerd. Geconfronteerd met het voorgestelde volk, verschijnt de vertegenwoordiger in feite als een usurpator.”

uit: Marc Elchardus: De dramademocratie. Tielt: Lannoo 2002, S.70-71

08/03

08/10/2007 (21:54) Schlagworte: Lesebuch,NL ::

Reichtum

“Jeder reiche Mann betrachtet Reichtum als eine Charaktereigenschaft. jeder arme Mann gleichfalls. Alle Welt ist stillschweigend davon überzeugt. Nur die Logik macht einige Schwierigkeiten, indem sie behauptet, daß Geldbesitz vielleicht gewisse Eigenschaften verleihen, aber niemals selbst eine menschliche Eigenschaft sein könne. Der Augenschein straft das Lügen. Jede menschliche Nase riecht unweigerlich sofort den zarten Hauch von Unabhängigkeit, Gewohnheit zu befehlen, Gewohnheit, überall das Beste für sich zu wählen, leichter Weltverachtung und beständig bewußter Machtverantwortung, der von einem großen und sicheren Einkommen aufsteigt. Man sieht es der Erscheinung eines solchen Menschen an … Das Geld zirkuliert in seiner Oberfläche wie der Saft in einer Blüte. …

viele reiche Leute denken wie Sozialisten. Sie haben nichts dagegen, daß es ein Naturgesetz der Gesellschaft sei, dem sie ihr Kapital verdanken, und sind fest überzeugt, daß es der Mensch ist, der dem Besitz seine Bedeutung leiht, und nicht der Besitz dem Menschen. Sie diskutieren ruhig darüber, daß in der Zukunft der Besitz aufhöre, wenn sie nicht mehr da sind, und werden in ihrer Meinung, daß sie einen sozialen Charakter besäßen, noch dadurch bestärkt, daß nicht selten charaktervolle Sozialisten, in überzeugter Erwartung des ohnehin unausbleiblichen Umsturzes, bis dahin lieber bei reichen Leuten verkehren als bei armen.”

aus: Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Ausg. Reinbek: Rowohlt 1978, Bd.I, S.419-421.

Abb.: Michael Hauffen: Fairplay oder das Spiel um den Reichtum, 2014, im Internet.

08/10/2007 (21:54) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

governed

(FR DE)

“To be governed is to be watched over, inspected, spied on, directed, legislated, regimented, closed in, indoctrinated, preached at, controlled, assessed, evaluated, censored, commanded; all by creatures that have neither the right, nor wisdom, nor virtue… To be governed means that every move, operation, or transaction one is noted, registered, entered in a census, taxed, stamped, priced, assessed, patented, licensed, authorized, recommended, admonished, prevented, reformed, set right, corrected. Government means to be subjected to tribute, trained, ransomed, exploited, monopolized, extorted, pressured, mystified, robbed; all in the name of public utility and general good. Then, at the first sign of resistance or word of complaint, one is repressed, fined, despised, vexed, pursued, hustled, beaten up, garroted, imprisoned, shot, machine-gunned, judged, sentenced, deported, sacrificed, sold, betrayed, and to cap it all, ridiculed, mocked, outraged, and dishonored. That is government, and that is its justice and morality.”

Pierre-Joseph Proudhon, quoted in the internet.

Abb.: Wilchar: L’État, o.J., in: Wilchar Superstar, Austellungskatalog Gent 2001, S.42

08/10/2007 (21:53) Schlagworte: EN,Lesebuch ::

regiert sein

(FR EN)

“regiert sein, das heißt unter polizeilicher überwachung stehen, inspiziert, spioniert, dirigiert, mit gesetzen überschüttet, reglementiert, eingepfercht, belehrt, bepredigt, kontrolliert, eingeschätzt, abgeschätzt, zensiert, kommandiert zu werden durch leute, die weder das recht, noch das wissen, noch die kraft dazu haben… regiert sein heißt, bei jeder handlung, bei jedem geschäft, bei jeder bewegung notiert, registriert, erfaßt, taxiert, gestempelt, vermessen, bewertet, versteuert, patentiert, lizensiert, autorisiert, befürwortet, ermahnt, behindert, reformiert, ausgerichtet, bestraft zu werden. es heißt, unter dem vorwand der öffentlichen nützlichkeit und im namen des allgemeininteresses ausgenutzt, verwaltet, geprellt, ausgebeutet, monopolisiert, hintergangen, ausgepreßt, getäuscht, bestohlen zu werden; schließlich, bei dem geringsten widerstand, beim ersten wort der klage unterdrückt, bestraft, heruntergemacht, beleidigt, verfolgt, mißhandelt, zu boden geschlagen, entwaffnet, geknebelt, eingesperrt, füsiliert, beschossen, verurteilt, verdammt, deportiert, geopfert, verkauft, verraten und obendrein verhöhnt, gehänselt, beschimpft und entehrt zu werden. das ist die regierung, das ist ihre gerechtigkeit, das ist ihre moral.”

aus: Proudhon. Zit. nach: Was ist eigentlich Anarchie? Einführung in Theorie und Geschichte des Anarchismus bis 1945. Frankfurt: Freie Gesellschaft 1978, S.16. Denselben (?) Text gibt’s inzwischen – von verschiedenen Autoren beansprucht :-) auch im Internet, ein zweiter.

Abb.: Wilchar: L’État, o.J., in: Wilchar Superstar, Austellungskatalog Gent 2001, S.42

08/10/2007 (21:53) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

être gouverné

(DE EN)

“Être gouverné, c’est être gardé à vue, inspecté, espionné, dirigé, légiféré, réglementé, parqué, endoctriné, prêché, contrôlé, estimé, apprécié, censuré, commandé, par des êtres qui n’ont ni titre, ni la science, ni la vertu … Être gouverné, c’est être, à chaque opération, à chaque transaction, à chaque mouvement, noté, enregistré, recensé, tarifé, timbré, toisé, coté, cotisé, patenté, licencié, autorisé, apostillé, admonesté, empêché, réformé, redressé, corrigé. C’est, sous prétexte d’utilité publique, et au nom de l’intérêt général, être mis à contribution, exercé, rançonné, exploité, monopolisé, concusionné, pressuré, mystifié, volé ; puis, à la moindre révolte, au premier mot de plainte, réprimé, amendé, vilipendé, vexé, traqué, houspillé, assommé, désarmé, garroté, emprisonné, fusillé, mitraillé, jugé, condamné, déporté, sacrifié, vendu, trahi, et pour comble, joué, berné, outragé, déshonoré. Voilà le gouvernement, voilà sa justice, voilà sa morale !”

Pierre-Joseph Proudhon, Extrait de “Idée générale de la révolution du XIXème siècle”, cité par l’internet, autre source.

Abb.: Wilchar: L’État, o.J., in: Wilchar Superstar, Austellungskatalog Gent 2001, S.42

08/10/2007 (21:52) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Reformstau

“Die öffentliche Meinung ist in den Händen von Meinungsführern, die das System verändern wollen. … Um ihre Forderung nach Strukturreformen als schlüssig erscheinen zu lassen, müssen sie das Vorhandene als schlecht und überholt darstellen. Andernfalls sind die geforderten Reformen an Haupt und Gliedern nicht einleuchtend.

Das treibt inzwischen obskure Blüten – von rechts bis links: Der Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung verlangt ‘Langfristreformen in Permanenz’. Da wird die andauernde Änderung der Rahmenbedingungen zur Tugend erklärt. Eine groteske, bürokratiefördernde Vorstellung. Aber mit Applaus versehen. Und der ehemalige BDI-Präsident Rogowski antwortet auf die Flops von Hartz I-IV: ‘Wenn Sie fragen: Wo sind die Jobs, und wie kriegen wir die Jobs, dann würde ich empfehlen: Hartz V bis VIII.’

Das ist schon nicht mehr lustig. Die Reformer sind wie Drogenabhängige. Statt nachzudenken legen sie nach. …

Tatsächlich leiden wir nicht unter Reformstau, sondern unter wirtschaftspolitischer Inkompetenz unserer Eliten. Das beste Beispiel ist die neue Steuersenkungsdebatte. Wir leiden eindeutig unter einer großen Schwäche der Binnennachfrage und wollen die Steuern jener senken, die viel sparen. Und möglicherweise jene Steuer erhöhen, die den Konsum beeinträchtigt – die Mehrwertsteuer. …”

aus: Albrecht Müller: Der Reform-Irrtum. Warum der Standort Deutschland besser ist als sein Image – und die Reformen in die falsche Richtung gehen. Rede, gehalten auf dem Deutschen Automobilindustriegipfel 2005 – Stuttgart 15.3.2005. Hier auf www.0815-info.de

05/06

08/10/2007 (21:52) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Rechtsstaat

“[Das] Prinzip der Volkssouveränität … bildet das Scharnier zwischen dem System des Rechts und dem Aufbau des demokratischen Rechtsstaates. Aus der diskurstheoretischen Deutung des Prinzips der Volkssouveränität … ergeben sich

  • das Prinzip des umfassenden individuellen Rechtsschutzes, der durch eine unabhängige Justiz gewährleistet wird …,
  • die Prinzipien der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung und der gerichtlichen sowie parlamentarischen Verwaltungskontrolle …
  • sowie das Prinzip der Trennung von Staat und Gesellschaft, das verhindern soll, daß soziale Macht ungefiltert, also ohne durch die Schleusen der kommunikativen Machtbildung hindurchzugehen, in administrative Macht umgesetzt wird …

aus: Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung, Frankfurt(Main): Suhrkamp 1992, S.209. Untergliederung von mir

08/06

08/10/2007 (21:51) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Rechtgehabthaben

“… den Ausschlag gab … ein Satz, den Erler mir schrieb. ‘Sie müssen sich eben entscheiden, ob Sie einen Grabstein haben wollen, auf dem steht: ‘Er hat immer recht gehabt’ – oder ob Sie politisch wirken wollen.’ Das saß. Erler hatte den Nerv getroffen. Daß das Rechthaben eine brotlose Kunst sei – auch das Rechtgehabthaben -, wußte ich damals zwar noch nicht so genau wie heute, aber ich ahnte es…”

Erhard Eppler: Komplettes Stückwerk. Erfahrungen aus fünfzig Jahren Politik. Überarbeitete und aktualisierte Taschenbuchausgabe, Frankfurt(Main): Suhrkamp 2001, S.83.

01/03

08/10/2007 (21:50) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Rassismus 1

“… So wird schnell jede Ungleichbehandlung als ‘rassistisch’ bezeichnet. Rassistische Diskriminierung aber ist eine Diskriminierung, die uns deshalb moralisch besonders empört, weil sie Menschen für das bestraft, wofür sie per definitionem keine Verantwortung tragen, für wirkliche oder als real erachtete unveränderliche biologische Eigenschaften.

Der neue antirassistische Diskurs versucht jedoch über diese enge Definition hinauszugehen: Er möchte das Gewicht der Empörung, das die biologistische Diskriminierung vor dem Hintergrund der Massenvernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland auslöst, beibehalten, den historischen Anlaß jedoch aufheben, da faktische Diskriminierung in heutigen westlichen Gesellschaften tatsächlich immer seltener diesem biologistischen Deutungsmuster folgt …”

aus: Brumlik, Micha: Aus Katastrophen lernen? Grundlagen zeitgeschichtlicher Bildung in menschenrechtlicher Absicht. Berlin/Wien: Philo 2004, S.33/34.

Abb.: Banksy.

12/04

08/10/2007 (21:50) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Psychospiele

“Wer heute im Milieu der Freizeit- und Mountainbike-Mittelschicht … reüssieren will, muß jene pathogene Diktatur akzeptiert haben, die Richard Sennett vor 15 Jahren als Die Tyrrannei der Intimität (deutsch 1983) auf den Begriff gebracht hat: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man quatschen.

In Heft 51 des Freibeuter (Thema “Beseelte Gesellschaft”) gehen mehrere Autoren den Ursachen und Hintergründen dieser relativ neuen Art von Müllproduktion nach. Was, fragt zum Beispiel Barbara Sichtermann, macht das gar nicht selbstverständliche Interesse am Innenleben … erklärlich? …

‘… Es wünscht ja auch kein Mensch, seinen Körper oder den seiner Nächsten von innen zu sehen; wieviel sympathischer sind wir einander im feinen Samtmantel unserer Haut, denn als luftig-preisgegebenes Gekröse. Allemal vom Psycho-Diskurs aufgestörte Gruppen und Paare müßten wissen, wieviel sie verlieren, wenn sie erst angefangen haben, im Abraum der Seele zu graben. Zu den ersten Verlusten gehören Handlungsfähigkeit und Gleichgewicht. Aber offenbar gibt es eine Lust am Schrecken, die stärker ist als Vernunft.” …

Der ‘harte Kern’ des Psychotrips sei die Lockung der Macht. … Was aber bleibt von dieser Macht übrig, … wenn … alle den Strategien des Entblößungs-Diskurses folgen? …

‘Die psychologische Neugier verwandelt ein heiteres Liebespaar, eine optimistische Projektgruppe, ein harmloses Pädagogenteam in ein haßerfülltes, ränkeschmiedendes, heulendes und zähneklapperndes Pandämonium. …

Die Alternative wäre der völlige Rückzug, der Bruch mit den Psycho-Reisenden. Der empfiehlt sich und wird von vernünftigen Menschen seit je vorgezogen.”

aus: Hans-Martin Lohmann: Zeitschritfenforum. Die Neue Gesellschaft/ Frankfurter Hefte 1992, S.655-656.

Abb.: Sanchia Tryphosa Hamidjaja: Seeking Self Imagery, 2012, indoartnow, im Internet.

08/92

08/10/2007 (21:49) Schlagworte: DE,Lesebuch ::
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