MALTE WOYDT

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Reading 1

(ES DE FR)

“In short, he became so absorbed in his books that he spent his nights from sunset to sunrise, and his days from dawn to dark, poring over them; and what with little sleep and much reading his brains got so dry that he lost his wits.”

Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote of La Mancha (translation F. Schevill 1926), see Internet source.

Abb.: Pablo Picasso: Don Quixote, 1955

08/93

08/10/2007 (11:59) Schlagworte: EN,Lesebuch ::

Lesen 1

(ES FR EN)

“Schließlich versenkte er sich so tief in seine Bücher, daß ihm die Nächte vom Zwielicht bis zum Zwielicht und die Tage von der Dämmerung bis zur Dämmerung über dem Lesen hingingen; und so, vom wenigen Schlafen und vom vielen Lesen, trocknete ihm das Hirn so aus, daß er zuletzt den Verstand verlor.”

Miguel de Cervantes Saavedra: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha (Übersetzung von Braunfels 1848), München 1966: S.23.

Abb.: Pablo Picasso: Don Quixote, 1955

08/93

08/10/2007 (11:58) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Lecture 1

(ES DE EN)

“Enfin, notre hidalgo s’acharna tellement à sa lecture que ses nuits se passaient en lisant du soir au matin, et ses jours, du matin au soir. Si bien qu’à force de dormir peu et de lire beaucoup, il se dessècha le cerveau, de manière qu’il vint à perdre l’esprit.”

Miguel de Cervantes Saavedra: L’ingénieux hidalgo Don Quichotte de la Manche I. Traduction de Louis Viarot. Paris: Flammarion, 1969, S.52.

Abb.: Pablo Picasso: Don Quixote, 1955

08/93

08/10/2007 (11:58) Schlagworte: FR,Lesebuch ::

Lectura 1

(DE FR EN)

“En resolución, él se enfrascó tanto en su lectura, que se le pasaban las noches leyendo de claro en claro, y los días de turbio en turbio, y así, del poco dormir y del mucho leer, se le secó el cerebro, de manera que vino a perder el juicio.”

Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote de La Mancha. Siehe Volltext im Internet.

Abb.: Pablo Picasso: Don Quixote, 1955

08/93

08/10/2007 (11:57) Schlagworte: ES,Lesebuch ::

Leidenschaft

“‘Es beruhigt mich außerordentlich’, sagte sie, … ‘ zu hören, daß Sie kein leidenschaftlicher Mensch sind. Übrigens, wie denn auch wohl? Sie müßten aus der Art geschlagen sein. Leidenschaft, das ist: um des Lebens willen leben. Aber es ist bekannt, daß Ihr um des Erlebnisses willen lebt. Leidenschaft, das ist Selbstvergessenheit. Aber Euch ist es um Selbstbereicherung zu tun…”

aus: Thomas Mann: Der Zauberberg, Dünndruckausgabe Berlin 1926, S.778. Siehe auch Thomas Manns Gesammelte Werke in japanischer Datenbank mit Volltextsuche

Abb.: Peter Mann: Horizontal, in: Zauberberg, woodcuts to Thomas Mann’s novel, The Magic Mountain, 2011, im Internet.

08/93

08/10/2007 (11:57) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Lebensästheten

“‘L’État, c’est moi. Jeder Lebensästhet ist ein Aristokrat. … Sein selbstgeschaffenes Fürstentum regiert er mit absoluter Souveränität. Seine Existenz ist nicht in erster Linie an weltlichen Zielen, an der tätigen Moral des Bürgertums orientiert, sondern dient vor allem der Ausgestaltung seines Herrschaftsbereichs. Sein Handeln entspringt nicht dem Lustprinzip, sondern der Verpflichtung gegenüber dem eigenen Ehrenkodex. Sein Ziel ist die Perfektionierung des Seins, der würdigen Ausstattung der Gegenwart und der Inszenierung einer glorreichen Geschichte.

Arbeit dient dem Lebensästheten so nicht als Selbstzweck, Freizeit nicht als Oase der Selbstverwirklichung. Die Verpflichtung gegenüber den selbstgewählten Kennzeichen seiner Würde ist vielmehr allumfassend. …

In Deutschland werden bis zum Jahr 2006 Vermögen in Höhe von 2,6 Billionen Mark vererbt. Für die Lebensästheten eröffnet sich damit tatsächlich auf breiter Front die Möglichkeit, dem tätigen Leben zu entsagen und, wenn auch in den meisten Fällen als bescheidene Existenz, ihr Dasein in erster Linie der Umsetzung des lebensästhetischen Imperativs zu widmen, anstatt die ökonomischen Zwänge der Lohnarbeit zum Lebenssinn verklären zu müssen. Doch auch die zunehmende Unterstützung durch Eltern, die das Treiben ihrer Sprößlinge mit bisher nicht gekannter Langmut auch in fortgeschrittenem Alter subventionieren, ja selbst der ungesicherte ‘Mac-Job’, der über das Geldverdienen hinaus keinerlei Identifikation erfordert, machen den Lebensästheten von der Ökonomie unabhängig. …

So groß die Souveränität im Innern auch sein mag, über die Weltgebäude seiner Mitmenschen will und kann der Lebensästhet keine Herrschaft erringen. Und so fehlt das unvermeidliche Pendant zum Herren, der Diener nämlich, in der Welt des Lebensästheten völlig. Das einzige Modell menschlichen Zusammenlebens ist das der Diplomatie zwischen souveränen Herrschern. …

Die Lebensästheten sind also kleine Despoten, die ihre eigene identitätsstiftende Nation errichtet haben. Eine Nation, die ihre Geschichte pflegt (Kindheit, eigene Biographie) und ihre spezifischen Symbole, Flaggen, Wappen, Uniformen (Wohnung, Styling etc.) stolz präsentiert. …

Erst wenn Fremdherrschaft oder Eroberung (Bevormundung, institutionelle Zwänge) droht, werden selbst friedliche Gemeinwesen zu verschworenen Verteidigungsgemeinschaften. … Brennende Asylantenheime, Umweltkatastrophen, Kriege und Krisen in aller Welt werden auf ihr Bedrohungspotential für die Unversehrtheit des lebensästhetischen Projektes überprüft. Im Falle des Falles entscheiden sich die kleinen Kabinette zur Generalmobilmachung, greifen zur Kerze und halten Mahnwachen ab, boykottieren oder demonstrieren. Diese Blauhelmmissionen der souveränen Lebensästheten sind natürlich kurzlebige Aktionen. Verschwindet die Bedrohung, erlahmt auch sofort das Engagement. Auf den Mechanismus allerdings kann man sich verlassen.”

Johannes Goebel / Christoph Clermont: Die Tugend der Orientierungslosigkeit, zit. bei Ulrich Beck: Was ist Globalisierung? Frankfurt(Main): Suhrkamp 1997, S.246-249

Abb.: Sophie Calle: Birthday Ceremony (1991), Camden Art Centre: Double Game 1999, im Internet.

08/10/2007 (11:56) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Leben 1

(YI)

Wir leben ewig!

Wir leben ewig! Es brennt die Welt…
Wir leben ewig und ohne Geld
Denn unsere Feinde, ja die fürchten wir nicht
Wenn sie auch gern anschwärzen unser Gesicht.
Wir leben ewig, wir sind noch da
Und noch ein Jahr
Wir wollen leben, was erleben
schlechte Zeiten überleben
Wir leben ewig, wir sind da.

Lied eines jüdischen Kabaretts im Wilnaer Ghetto 1943 (deutsch von Peter Raben). In: Joshua Sobol: Ghetto, Schauspiel in drei Akten. Hg. von Harro Schweizer. Berlin: Quadriga-Verlag Severin 1984, S.118.

08/10/2007 (11:56) Schlagworte: DE,Lesebuch ::

Leben

(DE)

Mir lebn ejbig!

Mir lebn ejbig! Ess brent a Welt…
Mir lebn ejbig on a Groschn Geld.
Un ojf zu pikeness di ale Ssonim
Woss wiln uns farschwarzn unser Ponim.
Mir lebn ejbig, mir sajnen do,
Mir lebn ejbig in jeder Scho!
Mir weln lebn un derlebn,
Schlechte Zejten ariberlebn.
Mir lebn ejbig! Mir saijnen do!

Lied eines jüdischen Kabaretts im Wilnaer Ghetto 1943. In: Joshua Sobol: Ghetto, Schauspiel in drei Akten. Hg. von Harro Schweizer. Berlin: Quadriga-Verlag Severin 1984, S.67. Zum Mithören im Internet

08/10/2007 (11:55) Schlagworte: Lesebuch,YI ::

Boredom

“Boredom as a factor in human behaviour has received, in my opinion, far less attention than it deserves. It has been, I believe, one of the great motive powers throughout the historical epoch, and is so at the present day more than ever. …

I should say that the machine age has enormously diminished the sum of boredom in the world. … We are less bored than our ancestors were, but we are more afraid of boredom. We have come to know, or rather to believe, that boredom is not part of the natural lot of man, but can be avoided by a sufficiently vigorous pursuit of excitement. … Every housemaid expects at least once a weak as much excitement as would have lasted a Jane Austen heroine throughout a whole novel. As we rise in the social scale the pursuit of excitement becomes more and more intense. … Those who have to earn a living get their share of boredom, of necessity, in working hours, but those who have enough money to be freed from the need of work have as their ideal a life completely freed from boredom. …

A wish to escape from boredom is natural; indeed, all races of mankind have displayed it as opportunity occurred. … Wars, pogroms and persecutions have all been part of the flight from boredom; even quarells with neighbors have been found better than nothing. …

Boredom, however, is not to be regarded as wholly evil. … A life too full of excitement is an exhausting life, in which continually stronger stimuli are needed to give the thrill that has come to be thought an essential part of pleasure. … A certain power of enduring boredom is therefore essential to a happy life.”

aus: Bertrand Russell: The Conquest of Happiness. New York: Signet 1951 [Originalausg. 1930], S.36-39.

Abb.: Oleksiy Sai: Adoration, 2013, im Internet.

10/06

08/10/2007 (11:54) Schlagworte: EN,Lesebuch ::

Kunst 1

“… um sagen zu können, daß ein Maler schlecht ist, muß man eine Idee von der Kunst haben …

Wir sind es gewohnt, als Kunstwerke jene Objekte zu nehmen, die a) uns einerseits zwingen, ihre Machart zu bedenken, und die b) uns andererseits unruhig werden lassen, da es gar nicht so sicher ist, ob sie wirklich nur das ‘sagen wolllen’, was sie zu ‘sagen’ scheinen. In diesem Sinne … [bezeichnet] ‘Ambiguität’ … ein Phänomen wie ‘Sinnüberschuß’ … Das Werk ist da, ein Bild, ein Gedicht, ein Roman, es scheint uns zu sagen, es gebe da irgendwo eine Frau, eine Blume, einen Hügel, von dem aus man andere Hügel sieht, einen Dichter, der eine engelhafte Gestalt liebt, und doch spüren wir, daß es nicht nur dieses sagt, sondern noch etwas mehr suggeriert (und manchmal genau das Gegenteil dessen, was es zu sagen scheint).”

Umberto Eco: Über schlechte Malerei. In: ders.: Über Spiegel und andere Phänomene. Deutsch von Burkhart Kroeber, München: dtv, 1988 (It. Erstveröff. 1984), S.105

Abb.: Daniel Buren, Manifestation, Mönchengladbach, 1971, im Internet, hier Ausschnitt.

10/02

08/10/2007 (11:29) Schlagworte: DE,Lesebuch ::
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